Tübingen Von Andorra bis zum Zaubersassa

Die neue Jugendtheater-Leiterin Oda Zuschneid und LTT-Intendant Thorsten Weckherlin haben in einer öffentlichen Programmvorstellung einen Ausblick auf die Premieren der kommenden Saison gegeben.
Die neue Jugendtheater-Leiterin Oda Zuschneid und LTT-Intendant Thorsten Weckherlin haben in einer öffentlichen Programmvorstellung einen Ausblick auf die Premieren der kommenden Saison gegeben. © Foto: Jürgen Spieß
Von Jürgen Spieß 11.09.2018

Hurra! Hurra! Zugabe!: Mit diesem Motto und acht neuen Schauspielern geht das Tübinger Landestheater (LTT) in die neue Spielzeit 2018/19. Bei der ersten öffentlichen Programmvorstellung vor mehr als 160 Besuchern in der LTT-Werkstatt stellte Intendant Thorsten Weckherlin  den kommenden Spielplan und die neue Jugendtheater-Leiterin Oda Zuschneid vor, die den bisherigen Spartenleiter Michael Miensopust ersetzt.

Transparenter werden

„Nicht kleckern, sondern klotzen“, das hat sich Weckherlin für die neue Spielzeit fest vorgenommen und nicht nur das: „Wir wollen uns nach außen öffnen und transparenter werden“, sagt der Intendant des Landestheaters zur Begrüßung und gibt sich „baff erstaunt“, dass gleich so viele Besucher zur ersten öffentlichen Spielzeit-Pressekonferenz gekommen sind. Doch Weckherlin, Ramona Rath, die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros und Verwaltungsdirektorin Dorothee Must haben an diesem Abend nicht nur ihren Spaß, sie haben auch eine Menge zu berichten: Zum Beispiel, dass ein „sehr erfolgreiches Jahr 2017 hinter uns liegt“, so Dorothee Must. So haben sich die Einnahmen durch Ticketverkäufe bei einem Gesamthaushalt von 7,9 Millionen Euro gegenüber dem letzten Sommertheater-Jahr 2015 um 15 Prozent erhöht. Das hat zur Folge, dass im Sommer einige Renovierungen durchgeführt werden konnten und die Schauspieler – vor allem die weiblichen – in Zukunft fairer bezahlt werden: „Wir wollen unter den Geschlechtern mehr Gerechtigkeit schaffen“, betont Weckherlin, „deshalb werden die weiblichen Gagen den männlichen angepasst. Zudem planen wir, einen Kinderzuschlag zu zahlen“.

Insgesamt 121 Mitarbeiter beschäftigt das Haus in der neuen Spielzeit, darunter acht neue Schauspieler und die vom Hessischen Landestheater Marburg kommende neue Leiterin der Sparte „Junges LTT“ und ihr dreiköpfiges Team. Oda Zuschneid kommt ursprünglich vom Schauspiel und möchte das generationsübergreifende und gemeinschaftliche Moment in den Vordergrund rücken: „Sie werden sämtliche Schnittstellen des Theaters erleben“, so Oda Zuschneid, „ich möchte schwere und politische Themen jugendgerecht und mit einem gewissen Humor erzählen“.

Politisch wird auch der Abendspielplan, der mit mehreren Produktionen auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte Bezug nimmt: „68,5 Millionen Menschen waren 2017 weltweit auf der Flucht, das sind drei Millionen mehr als 2016“, so Weckherlin, „wir wollen Menschen in Bedrängnis Gesicht und Stimme geben“. Neben sieben Premieren beim Jungen LTT stehen elf Premieren im Abendspielplan an, davon eine Uraufführung („Die Stunde des Unternehmers“ von Felix Huby und Hartwin Gromes). Zudem werden die Komödie „Don Quijote“, die Tragödie „Faust“, die musikalische Zeitreise „Forever 27“ und das inszenierte Konzert „On the road again – von der B27 auf die A8“ wieder ins Programm genommen. Zwei neue Veranstaltungsreihen gibt es ebenfalls: Einmal im Monat lädt das LTT Poetry-Slammer aus Tübingen und ganz Deutschland in den großen Saal, die im Dichterwettstreit in einer Mischung aus Party und Lesung, Performance und Schauspielerei gegeneinander antreten.

Neue Reihe „Trix“

Außerdem wird Zaubersassa Helge Thun in seiner neuen Reihe „Trix“ monatlich virtuose Wunder und handgemachten Humbug präsentieren. Auftakt ist am 15. September das Theaterfest, bei dem die neuen Schauspieler vorgestellt werden. Das Junge LTT startet am selben Tag mit Andorra“ von Max Frisch, am 28. September ist die Premiere des Flüchtlingsdramas „Die letzte Karawanserei“ von Ariane Mnouchkine. Es folgen unter anderen Premieren von „Die Antigone des Sophokles“ nach einer Bearbeitung von Bertold Brecht, „Sophia, der Tod und ich“ nach dem Roman des Musikers Thees Uhlmann, „Die Ehe der Maria Braun“ nach einer Vorlage von Rainer Werner Fassbinder und „Der talentierte Mr. Ripley nach dem Roman von Patricia Highsmith. Das Sommertheater beendet ab 5. Juli 2019 die Spielzeit mit der Tragödie „Romeo und Julia“.

Vom 27. bis 31. März trägt das LTT zudem das Theaterfestival „Landesbühnentage“ mit 18 Aufführungen aus. Thorsten Weckherlin verspricht nicht nur während dieser fünf Tage spannende Unterhaltung, aber auch viel Politisches und nicht zuletzt schütze Theater vor der Verrohung, „die draußen im Internet ihr Unwesen treibt.“

Die Premieren am LTT im Überblick

Die Premieren der kommende Spielsaison: 15. September: „Andorra“; 21. September: „Der schaurige Schusch“; 28. September: „Die letzte Karawanserei“; 29. September: „Die Antigone des Sophokles“; Ende Oktober: „Klamms Krieg“; 16. November: „Pünktchen und Anton“; 30. November: „Die Stunde des Unternehmers“; 1. Dezember: „Sophia, der Tod und ich“; 2. Dezember: „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“; 7.  Dezember: „Jim Knopf“;  2. Februar: „Bestätigung“; 8. Februar: „Die Ehe der Maria Braun“; 9. Februar: „Der talentierte Mr. Ripley“; 14. Februar: „Zuhause ist Krieg“; 11. April: „Maß für Maß“; 12. April: „The Who And The What“; 17. Mai: „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“; 5. Juli: Tübinger Sommertheater mit „Romeo und Julia“.

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