Pfullingen Vom Öffnen der Grenzen

Kulinarisches Mosaik an der Pfullinger Schloss-Schule. Foto: Jens Buchholz
Kulinarisches Mosaik an der Pfullinger Schloss-Schule. Foto: Jens Buchholz
JENS BUCHHOLZ 30.12.2013
"ElMar" ist eine Abkürzung. Sie steht für "Elternmitarbeit". Dahinter steckt ein ambitioniertes Projekt zur Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund an der Schloss-Schule in Pfullingen.

Die beiden Lehrerinnen an der Schloss-Schule in Pfullingen, Beate Schmid-Manea und Daniela Weismann, sitzen im bunt geschmückten und reichlich mit Übungsmaterial ausgestatteten Klassenzimmer der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK). Das ist eine Klasse, die von Kindern besucht wird, die ohne Deutschkenntnisse eingeschult werden. Hier lernen sie Deutsch und werden nach und nach in die Regelklassen eingegliedert.

"Bei ElMar geht es um eine ganz einfache Sache", erklärt Daniela Weismann, "nur wer sich in seiner eigenen Sprache vernünftig ausdrücken kann, kann sich auch in einer Zweitsprache vernünftig ausdrücken." Es gehe also darum, die Kinder in ihrer Muttersprache zu fördern - und das könnten nun mal die Eltern am besten. Das wird von vielen Eltern mit Migrationshintergrund sehr positiv aufgenommen. "Das finde ich ganz toll", meint Christiane Ruge, Mutter der Grundschülerin Renée, die aus Kamerun nach Deutschland kam, "manchmal hat man ja fast den Eindruck, man müsse seinen Kindern die Muttersprache verbieten, damit sie Deutsch lernen."

Das Projekt sei damals ins Leben gerufen worden, weil immer wieder Eltern mit Migrationshintergrund auf die IVK-Lehrerinnen zugekommen seien und gefragt hätten, wie sie ihre Kinder beim Deutschlernen unterstützen könnten, erzählt Beate Schmid-Manea. Die Pädagoginnen holten sich die Unterstützung von Lusine Minasyan, Leiterin des Projekts ELAN (Partizipative Elternbildung) der Bruderhaus-Diakonie, sowie als wissenschaftliche Begleitung Jutta Golz von der Universität Tübingen. Finanziert wurde das Ganze aus dem Europäischen Integrationsfond.

Jetzt treffen sich die Mütter der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler regelmäßig mit der Elternbegleiterin Zsuzsanna Soosné. Gemeinsam werden dann die Aufgaben und Aktivitäten für die Kinder vorbereitet.

Begleitend zu dem Lese- und Schreiblehrgang erhalten die Eltern Lernmaterial und Anleitung. "Ganz wichtig bei diesen Treffen ist das Gespräch und der Austausch", so Zsuzsanna Soosné. Sprachliche Barrieren könnten durch Dolmetschen überbrückt werden.

"Zsuzsanna Soosné ist ein absoluter Glücksfall für das ElMar-Projekt", findet Daniela Weismann. Soosné ist im vergangenen Jahr von Ungarn nach Pfullingen gezogen. "Ich habe in Ungarn Germanistik studiert und bin ausgebildete Deutschlehrerin", erzählt sie. Es sei immer schon ihr Traum gewesen, nach Deutschland zu kommen. Ihre Kinder seien im Kindergarten und in der Schloss-Schule toll aufgenommen worden. "Sie fühlen sich sehr wohl", strahlt sie.

Durch die Mitarbeit bei ElMar habe sie viele neue Freunde gefunden, deren Kinder ebenfalls die Schloss-Schule besuchen. "Es ist toll, wie eng Eltern und Lehrer hier zusammenarbeiten", findet Zsuzsanna Soosné.

"ElMar ist allerdings nur ein Projekt unter vielen, die das Eltern-Lehrer-Tandem der Schloss-Schule initiiert hat", erklärt Beate Schmid-Manea. Die Schloss-Schule sei im Jahr 2010 als Projektschule für das Pilotprojekt "Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule" der Elternstiftung Baden-Württemberg ausgewählt worden. Schwerpunkt des Projekts sei vor allem die interkulturelle Verständigung. Dem Eltern-Lehrer-Tandem gehören die IVK-Lehrerinnen Schmid-Manea und Weismann an. "Die IVK ist für die interkulturelle Verständigung einfach die perfekte Schnittstelle", betont Weismann. Neben den beiden Lehrerinnen gehören vier Eltern zum Tandem, das bislang einiges auf die Beine gestellt hat. So wurden etwa verschiedene Vorträge organisiert und ein persischer Märchenerzähler engagiert. Zudem bietet das Eltern-Lehrer-Tandem regelmäßig Elterncafés an, die gut angenommen werden.

"Der Höhepunkt des Jahres ist allerdings immer unser "Kulinarisches Mosaik", erzählt Weismann. Das sei ein großes Fest, bei dem die Eltern Spezialitäten aus aller Welt zubereiteten, die dann bei einem gemeinsamen Fest in der Mensa der Schloss-Schule bei Musik und Tanz genossen werden können.

Schulleiter Rainer Gonser ist stolz auf das Projekt. "Wir haben 25 verschiedene Nationen an der Schloss-Schule", sagt er, "sie machen unsere Schule bunter und vielfältiger." Aber es zeige auch, welche enorme gesellschaftliche Integrationsleistung die Schloss-Schule erbringe.

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt", umreißt Rainer Gonser zusammenfassend mit einem Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein, worum es bei ElMar geht: "Das Öffnen genau dieser Grenzen."

Info Nähere Informationen gibts unter www.schloss-schule-pfullingen.de unter dem Menüpunkt "Eltern" und unter "Aktuelles".