Eine musikreiche Lovestory aus dem prallen Leben“ verspricht die Tonne mit ihrem nächsten Stück, bei dem ein Rollstuhlfahrer die Liebe und den Rock‘n‘Roll seines Lebens sucht. Moritz hat im Internet zarte Bande zu Anna-Lena geknüpft, sich aber noch nicht getraut, sich als Rollstuhlfahrer zu outen. Seine WG-Mitbewohner wollen ihm „helfen“, knacken sein Passwort und behaupten frech, dass Moritz ein begnadeter Rock‘n‘Roller wäre. Davon möchte sich Anna-Lena persönlich überzeugen. Also muss schleunigst eine Rockband her.

Mit „Irre ist menschlich“ spielt das Tonne-BAFF-Theaterensemble schon sein elftes Stück. Die meisten der Schauspieler haben schon lange an der Tonne betriebs­integrierte, künstlerische Teilzeit-Arbeitsplätze, in Kooperation mit den Werkstätten von Bruderhaus-Diakonie und LWV Rappertshofen – ein einzigartiges Projekt in Deutschland.

Zwei Tage in der Woche proben sie intensiv Sprechen, Schauspiel, Bewegung und Musik, können mittlerweile auf eine lange Bühnenerfahrung zurückgreifen und werden auch immer mal wieder in den Abendspielplan der Tonne integriert oder auch anderweitig vermittelt: So werde der Hip-Hopper Santiago Österle nicht nur im aktuellen Stück rappen, sondern auch beim Kultur vom Rande-Festival als Moderator auftreten, verkündet Prof. Dr. Elisabeth Braun von der PH Ludwigsburg. Bauer vermittelt nicht nur regelmäßig Pädagogik-Praktikanten an die Tonne, sondern versucht auch immer wieder, Menschen mit besonderen künstlerischen Fähigkeiten auch an andere Projekte und Institutionen weiterzuvermitteln.

Stück erzählt aus dem Alltag

Für dieses Jahr hat sich die Tonne-BAFF-Truppe unter der Leitung von Enrico Urbanek mal wieder ein eigenes Stück vorgenommen – eines direkt aus der Lebenswelt der Schauspieler, die als Menschen mit Behinderungen oft in einer WG wohnen und deshalb – wie alle anderen Menschen auch – Stress mit den Mitbewohnern haben, sich manchmal nach einer Partnerschaft sehnen, im Alltag auch mal Anarcho und im Grunde ihres Herzens sowieso Rockstar sein wollen. Menschen mit ganz normalen Sehnsüchten und Träumen also, die wie woanders auch oft genug enttäuscht werden.

Der Schauspieler und Musiker Thomas B. Hoffmann hat deshalb mit den zwölf Akteuren ein Stück geschrieben, das direkt aus ihrem „prallen Leben“ erzählt. Dafür hat er sie zu Hause und am Arbeitsplatz besucht, um wiedererkennbare Figuren zu kreieren. Liebe, Partnerschaft und Romantik seien bei vielen „ein Riesenthema“, weiß auch Enrico Urbanek. Und manchmal werde man eben auch enttäuscht und müsse feststellen: „Die Welt tickt anders“, als man sich das wünscht. Der Tonne-Intendant findet es aber auch „sehr mutig von den Darstellern, dass sie diese Themen auf die Bühne bringen“. Und wie im „normalen“ Theater auch, suche jeder Schauspieler in seiner eigenen Biografie nach den entsprechenden Emotionen für seine Figuren.

Und so treffen im Stück die Mitbewohnerinnen (unter anderem: Anne-Kathrin Killguss, Antje Rapp, Franziska Schiller) von Moritz (Seyyah Inal) auf ihrer Suche nach einer Rockband in der Fußgängerzone zufällig auf eine leicht abgehalfterte Straßenmusik-Combo (Michael Schneider, Thomas B. Hoffmann und Bernd Wegener). Sie engagieren diese vom Fleck weg, wodurch sich die eingefahrenen Altrocker erst mal musikalisch und zwischenmenschlich ganz neu orientieren müssen.

Schneider, Hoffmann und Wegener haben die Songs alle selbst geschrieben, und es geht in ihrer Parallelgeschichte um den guten alten Rock‘n‘Roll als Lebenseinstellung und Überlebenshaltung, als Ideal und Gefühl.

Die musikalische Bandbreite der Lovestory geht allerdings weit über den Rock hinaus und reicht von indischen Klängen über poetische Songs bis hin zu Pop und Hip-Hop. Und wenn sich dann alle auf der Bühne bewegen und laut sind, dann sei die Energie auch sehr ansteckend, verspricht Thomas B. Hoffmann: „Die Hütte wird gerockt“. Ob zum großen Rock-Finale dann auch die angebetete Anna-Lena aufkreuzt, wird allerdings noch nicht verraten.

Weitere Vorstellungen und Karten


„Irre ist menschlich – eine musikreiche Lovestory aus dem prallen Leben“ von Thomas B. Hoffmann feiert Premiere am Donnerstag, 4. Mai, 20 Uhr, in der Planie 22.

Weitere Vorstellungen gibt es am 6., 12.,13.,14.,18.,19.,20.,21.,25.,26.,27. Mai, sowie 27. Juni beim „Kultur vom Rande“-Festival, jeweils 20 Uhr. Am 21. Mai beginnt die Vorstellung um 16 Uhr (plus Werkstattgespräch). Am 20. Mai  und sonntags immer um 18 Uhr.

Karten gibt es unter Telefon (0 71 21) 93 77 0. kk