Reutlingen Vom Klassiker bis zum frechen Comic

Von Anja Weiß 01.12.2018

Flaggen mit den Konterfeis von „First Ladies“, eine Skulptur aus Pappmaché, Comics oder Zeitungsbilder aus Krisengebieten: All diese Werke werden ab morgen in den Reutlinger Wandelhallen zu sehen sein. Das verbindende Element: Es sind allesamt Holzschnitte. Mit der neuen Ausstellung „Holzschnitt now“ zeigen Kunstmuseum, Galerie und Kunstverein vor allem eines: Die Vielfalt dieser Kunstrichtung, die viel mehr zu bieten hat als nur schwarze Drucke auf weißem Papier.

Es tut sich viel

„Es ist eine Leistungsschau, die zeigt, was sich hier tut“, erklärt Herbert Eichhorn, Leiter des Kunstmuseums und gleichzeitig Geschäftsführer der Xylon Deutschland. Diese Vereinigung ist gemeinsam mit Xylon Schweiz wieder der Ausrichter dieser großen Ausstellung, in den beiden Ländern gibt es viele aktive, kreative Künstler, die mit Holzschnitt arbeiten. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen in den Wandelhallen. Eine Jury hat 59 Künstler ausgewählt, 21 sind Mitglied von Xylon Schweiz, 24 von Xylon Deutschland, außerdem 14 Gäste.

Plattform für junge Künstler

Denn immer wieder wollen die beiden Vereine auch jungen Nachwuchskünstlern eine Plattform bieten. So gibt es Werke versierter Künstler, die sich mit gängigen Formen und Formaten befassen. Aber auch welche, die ihren Schwerpunkt auf die Anordnung von Formen legen. Es werden Illustrationen für Bücher gezeigt, Holzschnitt als handwerkliche Kunst quasi. Daneben gibt es die frische, moderne und freche Interpretation. Holzdruck umgesetzt in der populären Art, etwa als Comic in schrillen Farben, aufgedruckt auf Pappmaché oder Flaggen, es wird nicht nur gedruckt, sondern auch geschnitten. Kurz: es wird ein breites Spektrum vom Umgang mit dem Medium Holzschnitt gezeigt.

Es gibt ebenso literarische Bebilderungen wie Lichtinstallationen. Neben Pressebildern aus Krisengebieten, die in altmeisterlicher Technik umgesetzt wurden, finden sich Bilder, die eher an die „Graphic Novel“ angelehnt sind. Junge Künstler kamen ebenso zum Zug wie alte Hasen, der Klassiker wurde von der Jury ebenso bedacht wie ungegenständliche Drucke, die sich auf ganz neue Art und Weise mit dieser Kunstrichtung befassen.

Reutlingen gilt ja als Hauptstadt des Holzschnitts, seit Jahrzehnten stellen hier Künstler von internationalem Ruf aus, oft wurden die Ausstellungen in anderen Städten und Ländern gezeigt. Eben dem wird man mit „Holzschnitt now“ auch wieder gerecht. Im Untergeschoss gibt es Kleinformate, im zweiten Stock wird die große Halle genutzt, um auch überlebensgroße Bilder zu zeigen, Tapeten mit bunten Bildern oder eine ganze Serie von Menschenporträts. „Es ist für jeden etwas dabei“, ist Eichhorn überzeugt. Sowohl Freunde des klassischen Drucks werden ihre Freude haben an Bildern mit wenig Farben aber auch Verfechter der politischen Aussage in der Kunst und auch Anhänger der abstrakten Kunst werden fündig. Der Hochdruck ist mehr als ein Grafikformat und das Kunstmuseum beweist, dass Reutlingen zu Recht die Hauptstadt dieser Kunstrichtung ist. Denn es wird gezeigt, dass der Holzdruck auch heute noch viele Möglichkeiten hat. Eichhorn sieht es als Aufgabe des Kunstmuseums, den Holzschnitt wieder populär zu machen und dass er bis heute originell und sehr lebendig sein kann.

„Holzschnitt now“: Eröffnung und Dauer

Eröffnet wird die Ausstellung „Holzschnitt now!“ am Sonntag, 2. Dezember, um 11 Uhr. Es sprechen OB Barbara Bosch, Herbert Eichhornn (Leiter des Kunstmuseums Reutlingen und Geschäftsführer Xylon Deutschland) und Sebastian Utzni, Präsident der Xylon Schweiz.
Öffnungszeiten Bis 27. Januar ist die Ausstellung zu sehen, und zwar Dienstag bis Samstag von 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 9 Uhr, Sonn- und Feiertag, 11 bis 18 Uhr. An Heiligabend und Silvester ist geschlossen.

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