Ein anarchisches Spielfilm-Debüt: Der Wiener Regisseur Arman T. Riahi und Hauptdarsteller Faris Rahoma stellten am Samstag ihre Sozialsatire „Die Migrantigen“ im voll besetzten Programmkino Kamino vor. Die Komödie führt in ein fiktives Wiener Vorstadtviertel und nimmt die zunehmende Vermischung zwischen Österreichern und Migranten aufs Korn.

Endlich mal eine Migrantenkomödie, die nicht politisch korrekt daherkommt und Asylanten nicht ständig in die Opferrolle drängt: „Wichtig war uns“, so der 36-jährige Regisseur Arman T. Riahi in Reutlingen, „einen Film über Wiener zu machen und Flüchtlinge nicht nur als arme Opfer darzustellen“.

Dabei ist eine Komödie entstanden, die Vorurteilsstrukturen beherzt aushebelt und ausländerfeindliche Stereotypen dekonstruiert. Denn Riahi wirft eine ganz neue Perspektive auf das Thema, indem er aufzeigt, dass es zwischen dem Opfer-Täter-Modell noch viele Nuancen gibt.

„Außerdem wollten wir einfach mal unsere Geschichten auf der Leinwand sehen“, erklärt Schauspieler Faris Rahoma die Motivation für den bundesweit gestarteten Film. Worum geht es? Die beiden Wiener Hipster Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) sind beste Freunde und gestandene Österreicher mit Migrationshintergrund, der aber allenfalls noch durch ihr Aussehen wahrnehmbar ist. Der Zufall will es jedoch, dass der arbeitslose Schauspieler und der abgebrannte Unternehmer von einer ehrgeizigen Fernsehjournalistin (Doris Schretzmayer) für eine TV-Doku gecastet werden, in der die Beiden in die Rollen von zwei Asylanten schlüpfen sollen. Mit der Aussicht auf eine hohe Gage und mit Hilfe eines türkischen Coachs verwandeln sich die beiden Protagonisten auf höchst amüsante Weise in „richtige“ Ausländer, die sich laut Filmdrehbuch mit kleinkriminellen Machenschaften über Wasser halten.

Dass Benny und Marko waschechte Wiener sind und eben nur wie Ausländer aussehen, davon ahnt die Fernsehjournalistin nichts. Tatsächlich wird die Dokusoap zum Quotenhit, doch die fingierte Wirklichkeitsdarstellung hat ganz direkte Auswirkungen auf das Leben im Viertel. Niemand von den dort lebenden Migranten findet sich in dem Film wider, der multikulturelle Frieden ist dahin. Zwischendurch könnte einem diese Kinosatire ein wenig konstruiert vorkommen, zu sehr mit überspitzten Figuren bevölkert. Aber der im Iran geborene Regisseur, der das Drehbuch gemeinsam mit den beiden Hauptdarstellern verfasst hat, bezirzt die Zuschauer in seinem Filmerstling immer wieder – nicht zuletzt mit der respektlosen Umsetzung und der Mischung aus Wiener Schmäh und der an Gangsta-Rap erinnernden Sprache.

„Die Migrantigen“ ist eine pointenreiche Komödie, bei der das Thema Integration ad absurdum geführt wird. „Der Humor, der aus diesen Situationen entsteht, ist jedoch universell und „auf jede andere Großstadt übertragbar“, so Arman T. Riahi im Gespräch.

Info „Die Migrantigen“ läuft am heutigen Dienstag, 12. September, um 20.30 Uhr, und vom 14. bis 19. September, jeweils um 18 Uhr, im Reutlinger Programmkino Kamino.