Jubiläum Vom Bahnhöfle fahren Oldtimerbusse ab

Eine kleine Zeitreise: Auch am Mittwoch bringt der RSV-Oldtimer-Omnibus Eisenbahnfreunde auf die Alb.
Eine kleine Zeitreise: Auch am Mittwoch bringt der RSV-Oldtimer-Omnibus Eisenbahnfreunde auf die Alb. © Foto: Jürgen Herdin
Lichtenstein / Jürgen Herdin 02.10.2018

Das waren noch Zeiten: Alte wie junge Eisenbahnromantiker schwelgen in seliger Erinnerung und hoffen, dass es irgendwann wieder so sein wird. Von Stuttgart über Reutlingen nach Honau am Fuße von Schloss Lichtenstein fuhr einst die Bahn. Bereits seit Sonntag feiert die Schwäbische Alb-Bahn (SAB) „125 Jahre Bahnstrecke Honau-Münsingen“. Der Verein „Schwäbische Alb-Bahn“ begeht zeitgleich sein 15-jähriges Bestehen.

Ab Honau führte seit dem 1. Oktober 1893 die Zahnradbahn  – die erste im Königreich Württemberg und eine der steilsten solcher Trassen in Deutschland – auf die Schwäbische Alb. Auf dem Traifelberg war die „Station Lichtenstein“, von wo aus Wochenend-Ausflügler die verbleibenden zwei Kilometer zum Märchenschloss spazierten.

Sogar der König von Württemberg mit seinem Hang zu Theaterstücken reiste einst mit der Bahn von Stuttgart nach Honau: Der kleine Ort am Albtrauf hatte im Jahr 1900 ein Festspielhaus, wo Wilhelm Hauffs Heldensaga „Der Lichtenstein“ gegeben wurde. 1969 dann wurde zunächst der gesamte Zahnradverkehr eingestellt und im Mai 1983 gab die Deutsche Bahn auch die Strecke zwischen Reutlingen und Honau auf.

Das Wirtschaftswunder hatte es Mitte der 70er Jahre gut zwei Dritteln der Haushalte ermöglicht, sich ein Auto zu kaufen. Die Städte setzten im Nahverkehr vermehrt auf Omnibusse. Und damit sind „wir“ wieder am Bahnhof Honau.  „Mercedes Benz, Baujahr 1966, 160 PS, 42 Plätze:“ Busfahrer Dominik Wilms erläuterte am Sonntag die technischen Daten des roten Brummers, der dem Reutlinger Stadtverkehr (RSV) gehört. Recht kokett und nostalgisch: „Zahnradbahn-Ersatzverkehr“ ist auf dem Schild hinter der Frontscheibe zu lesen.

Vom akribisch restaurierten Bahnhöfle Honau, das übrigens knapp noch auf Unterhausener Gemarkung liegt, fährt Wilms die Leute mit dem RSV-Oldtimer auch am Feiertags-Mittwoch, 3. Oktober, hinauf auf die Alb zu den Jubiläums-Feierlichkeiten. Dort geht es weiter zum Beispiel mit „Paula“, dem Dampfross 97 501, auf den Bahntrassen zwischen  Kleinengstingen, Schelklingen und Münsingen.

Der in Reutlingen ansässige Verein „Zahnradbahnfreunde Honau-Lichtenstein“ (ZHL) hat es nach nun 32 Jahren ehrenamtlicher Arbeit und großem finanziellen Aufwand im Juni 2018 geschafft, dass die altehrwürdige Zahnraddampflok des Baujahrs 1922 wieder auf öffentlichen Strecken verkehren darf.

Auch am Mittwoch ist der Bahnhof Honau bewirtet. Der erste Bus auf die Alb verlässt die Station um 10.55 Uhr. Mit dem letzten Bus, der in Kleinengstingen um 18.15 Uhr abfährt, können die Fahrgäste bis Honau, nach Pfullingen oder auch bis zum Reutlinger ZOB  mitfahren.

Den Gästen der talfahrenden Bussen bietet Michael Staiger ab „Station Lichtenstein“ (oben auf der Albkante) übrigens als Alternative eine bergab geführte Wanderung über die ehemalige Zahnradbahnstrecke an.

Diese einstige Zahnradbahnstrecke ist heute weitgehend ein Radweg. Jedoch wird mit Blick auf die langfristigen Planungen einer Regionalstadtbahn die Trasse zwischen Reutlingen und Kleinengstingen freigehalten. Und damit ist das Ganze nicht nur ein Traum von Eisenbahn-Enthusiasten.

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