Wer kennt das nicht, wenn's schnell gehen muss? Ein Fertiggericht in die Mikrowelle geschoben und ruckzuck ist das Mittagessen bereitet. Natürlich wissen wir alle, dass diese Art der Ernährung nicht wirklich gesund, geschweige denn vitamreich sein kann. Wirklich billig ist das Fix-und-fertig-Essen auch nicht, wenn man eine ganze Familie ernähren sollte.

Dass es auch ganz anders geht, zeigt ein besonderes Kochprojekt im Haus der Familie - das schon seit zwei Jahren als Angebot besonders für Tafel-Kundinnen und Tafel-Kunden besteht - "aber nicht nur, kommen kann jeder", sagt Susanne Baumgärtner.

Richtig lecker sieht das Essen aus, das beim monatlichen Treffen Frauen (und manchmal auch ein oder zwei männliche Vertreter) unter der Anleitung von Baumgärtner, Eva Narziß-Schropp und Christine Lange zubereiten. "Nach einer Gemüsesuppe gibt es heute gefüllte Paprika, Zucchini-Nudeln mit Pilzsauce, Obstsalat und eine Erdbeerschichtsahne-Creme", erläutert Narziß-Schropp vor kurzem bei dem Koch-Termin. Ebenso wie Baumgärtner ist sie eine Honorarkraft beim Landwirtschaftsamt im Kreis Reutlingen. Und beide sind sie auch auf die Idee mit dieser speziellen Kochgruppe gekommen.

"Entstanden ist der Gedanke nach einer Fortbildung zum Thema Förderung der gesunden Ernährung", sagt Susanne Baumgärtner. Gemeinsam sind sie auf Günter Klinger als Geschäftsführer des Diakonieverbands zugegangen, der hatte den Kontakt zur Reutlinger Tafel hergestellt. "Wir haben dort Kunden angesprochen, es war aber nicht ganz leicht, an sie ranzukommen", so Narziß-Schropp.

Trotz Werbung, Plakaten, Flyern und mehr lief das Projekt zunächst etwas schleppend an. "Und ich telefoniere vor jedem Koch-Dienstag im Monat den Angemeldeten hinterher, erinnere sie an den Termin", so Baumgärtner. "Mittlerweile geht das auch alles über WhatsApp, da funktioniert das besser", betonen beide Köchinnen schmunzelnd.

Die Anfänge dieses speziellen Kurses liegen schon zwei Jahre zurück. Mittlerweile hat sich das Projekt etabliert, die Teilnehmerzahl stabilisiert, "zwischen zehn und 20 sind eigentlich immer da", sagt Christine Lange, die als Aktive bei der Reutlinger Tafel im vergangenen März mit in die Kochgruppe eingestiegen ist.

"Meinen Fokus lege ich auf Kinder und ich bringe die Lebensmittel mit", betont die ehrenamtlich Engagierte. Denn: Neuerdings gibt es auch eine Kinderkochgruppe, einmal traf die sich bisher, "acht Kinder waren da und die hatten jede Menge Spaß dabei", freut sich Lange. Der nächste Termin für das Kinderkochen steht auch schon fest, in der letzten Sommerferienwoche soll er sein.

Christine Lange ist im Tafel-Leitungsteam mit dabei und sie sagt: "Ich nehme montags nach Ladenschluss die Materialien mit, die ansonsten im Müll landen würden - weil sie am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden könnten." Und genau das sei wiederum ein herrlich schlagender Beweis für die Nachhaltigkeit des Projekts, betont Baumgärtner.

Die Teilnehmer der Kochgruppe müssen nicht zwangsläufig Tafelkunden sein. Susanne Baumgärtner, die ebenfalls beim Kinderschutzbund aktiv ist, spricht auch dort immer mal wieder Personen an, lädt sie ein. Und die Kommentare von den Frauen, die vor kurzem dabei waren, sind eindeutig: "Ich nehme hier immer ein paar Rezepte mit, die ich zuhause nachkochen kann", betont eine der Damen.

Das sei dann nicht nur gesund, sondern auch vitaminreich, lecker und günstig obendrein. Die Mikrowelle sei damit zwar nicht völlig tabu. Aber die Anregungen beim gemeinsamen Kochen im Kreis mit den anderen Projekt-Teilnehmerinnen seien wertvoll. "Und das macht ja auch richtig Spaß", sagt eine von ihnen. "Die Zusammengehörigkeit hier ist toll, das ist wie in einer großen Familie."

Dabei sei die Planung nie wirklich einfach, "weil es auch schon vorkommt, dass 15 Personen sich angemeldet haben, aber nur die Hälfte kommt", so Baumgärtner.

Spontaneität sei deshalb schwer gefragt bei den Organisatorinnen: "Wir überlegen uns, was wir am Dienstag kochen, wenn wir am Montagabend wissen, was in der Tafel übrig war", so Eva Narziß-Schropp. Trotz anfänglicher Bedenken "hatten wir noch nie zu wenig Lebensmittel", betont Lange. "Und wir haben immer noch ein paar Materialien im Kofferraum, für den Notfall", ergänzt Baumgärtner.