Reutlingen / PETER U. BUSSMANN  Uhr
Seit Anfang Mai ist Wolf Drechsel Projektleiter Regionalstadtbahn, ÖPNV und Mobilität bei der Stadt. Und der 45-jährige Franke sprüht vor Optimismus.

"Die meinen das ernst", dachte sich der 45-jährige Nürnberger Verkehrsplaner Wolf Drechsel, als er die Ausschreibung der Stadt nach einem Projektleiter Regionalstadtbahn, ÖPNV und Mobilität las. Denn wenn es nicht ernst gemeint ist, weiß der Experte aus eigener Erfahrung, "wird nur ein Gutachten in Auftrag gegeben".

Zwei Jahrzehnte hat Drechsel mit seinem Partner davon als selbstständiger Planer für öffentliche Verkehrsmittel profitiert, berichtete er am Donnerstag der Presse bei seiner Vorstellung. In den 90er Jahren erstellten sie nach dem "Karlsruher Modell" Schienenverkehrsplanungen für drei Städte, planten 2001 für die Stadt Neu-Ulm die Reaktivierung der Bahnstrecke Senden-Weißenhorn ("Die erst zweite Strecke in Bayern, die 2014 reaktiviert wird"), und entwickelten intensiv neue kommunale Busverkehrsnetze.

Weil der Partner anderweitig eine Festanstellung fand und Drechsel sich neu orientieren wollte, bewarb er sich und bekam die auf fünf Jahre befristete Stelle. Seit Anfang Mai steht er in städtischen Diensten, "der Kulturschock bei der Arbeit im Amt ist nicht extrem", dennoch gibt es viel Neues zu lernen.

In den nächsten zehn Jahren, ist sich Drechsel sicher, "wird es in Deutschland vier bis fünf ÖPNV-Projekte geben, die richtig spannend sind - eines davon ist die Regionalstadtbahn Neckar-Alb".

Mit dem Wettbewerb City Nord ist Reutlingen eine der ersten Städte, die die Regionalstadtbahn in die Planung aufgenommen haben, erläuterte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz. Für den neuen Projektleiter wurde zudem die Struktur umgebaut: Die Verkehrsplanung rangiert nun neben der Stadtplanung und Vermessung beim Amt für Stadtentwicklung und Vermessung.

Dass derzeit die Finanzierung des Milliardenprojekts offen ist, stört Hotz und Drechsel wenig, beide setzen auf die Politik, dass es hier weitergeht. Drechsel: "Ich glaube nicht an ein Scheitern, das Projekt wird höchstens verschoben oder verzögert sich."