Theater Volle Geldkoffer und Marsmännchen

Spritzig, witzig, durchgeknallt: Die Bürokomödie der Moo’sprizter. Foto: Katrin Kipp
Spritzig, witzig, durchgeknallt: Die Bürokomödie der Moo’sprizter. Foto: Katrin Kipp © Foto: Foto: Katrin Kipp
Reutlingen / Katrin Kipp 08.11.2016

Zwei Jahrzehnte Mundart-Schauspiel in Sondelfingen und dabei all die Jahre das „Niveau gehalten“, freute sich Bezirksbürgermeister Werner Schenk bei der Uraufführung in der vollbesetzten Sondelfinger Festhalle über das theatralische Aushängeschild der Gemeinde. Als Abgesandter des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg ehrte Rainer Kurze außerdem vier Mitglieder der Moo‘spritzer für ihren ehrenamtlichen Einsatz: Jürgen Schlag und Benjamin Fritz für zehn Jahre, die beiden Gründungsmitglieder und Schauspieler Markus Fritz und Thomas Linster für 20 Jahre leidenschaftliches Bühnenschaffen.

Zum Jubiläum gönnten sich die Moo‘spritzer auch auf der Bühne was ganz Besonderes: ein eigenes Stück, geschrieben von Schauspielerin Sabine Külschbach und Regisseur Bodo Kälber. Eine wirklich spritzige Slapstick-Klamotte aus dem harten Büroalltag, mit allem, was eine unterhaltsame Komödie braucht: vertrackten Verwicklungen, Missverständnissen und Täuschungsmanöver, Situationskomik, Wortwitz, Frivolitäten, Schaumschlägereien und einer Paralleldramaturgie, mit Geldkoffer, Spannung, Eskalation und jeder Menge Zwischenmenschlichem. Und das alles auf Schwäbisch, gesprochen von markigen Charakteren – allesamt am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Es geht mal wieder ums liebe Geld: Darum, wie leicht wir uns aus reiner Gier blenden lassen und wie gerne wir alles Mögliche glauben wollen. Nur nicht die Wahrheit, denn die kommt ja allzu oft recht traurig daher. Auch dem Ehepaar Spruchbrücke steht das Wasser bis zum Hals: Sie führt ein Ingenieursbüro, er eine Werbeagentur, beide sind komplett pleite: „Ferrari gepfändet. Yacht gepfändet. Pferd: Salami“. Ihre Büros stehen auf der Bühne Tür an Tür, es geht zu wie in einem Taubenschlag – ein Setting, das es erlaubt, in schöner Komödienstadl-Tradition möglichst oft die Türen klappern zu lassen und jede Menge Tumult zu veranstalten. Weil sich die Eheleute ihren finanziellen Knockout nicht eingestehen wollen, erzählen sie sich gegenseitig die irrsinnigsten Storys: Frau Spruchbrücke entwickelt angeblich Sanitäranlagen für den Mars, und Herr Spruchbrücke bekommt Millionen-Werbeaufträge von GM, Bill Gates und sogar Obama. Thomas Linster spielt den Werbechef ziemlich exzentrisch und noch cholerischer. Sein Werbespruch-Schöpfer Gerd Wortlos (Joachim Weiß) treibt ihn mit seinen mies gereimten Slogans in den Wahnsinn. Wortlos lässt sich aber nicht unterkriegen und macht als grünes Marsmännchen Karriere. Sabine Külschbach wiederum bleibt als Toiletten-Ingenieurin Spruchbrücke trotz existenzieller Krise völlig cool, ist aber genauso verlogen wie ihr Mann. Und so spionieren sie sich in haarsträubenden Maskeraden als Elektriker und Putzfrau gegenseitig aus, bis es auf der Bühne nur noch so wimmelt vor lauter Elektrikern und Putzfrauen. Der Original-Elektriker Käbele (Markus Fritz) sucht derweil nicht nur ständig nach einem „Kurzen“, sondern ist auch sonst sehr elektrisiert. Vor allem von Putzfrau Hannelore Mopp (Angelika Honnens). Die zwei Sekretärinnen müssen derweil den heruntergewirtschafteten Laden am Laufen halten. Frau Blei (Gabi Widmaier) allerdings leidet unter chronisch bleierner Müdigkeit, während die clevere Erika Stift (Margrit Bühler) als Tratschtante das Marsprojekt erst so richtig in Schwung bringt. Die Mars-Vision lockt nicht nur die Investigativ-Journalistin vom „Sondelfinger Tagblatt“ (Sibylle Schenk) an, sondern auch den windigen Banker Peter Hunderter (Martin Röder), der sich genauso von der absurden Mars-Geschichte blenden lässt wie alle andern: je dreister der Betrug, desto voller der Geldkoffer. Aber es wäre ja auch allzu schön, wenn man die ganze irdische und menschliche „Scheiße“ per Saugrohr ins Weltall befördern könnte. Durchs Tohuwabohu irrlichtert außerdem der schleimige Steuerberater Knauserer (Dietmar Schenk): mit seinen realen Halluzinationen voller Nonnen und Marsmännchen weiß er überhaupt nicht mehr, wie ihm geschieht. So jedenfalls macht Büro Spaß.

Die weiteren Termine der Moo’spritzer

Vorstellungen sind am 11. und 12. November, 19.30 Uhr, Festhalle Sondelfingen, am 19. November, 19 Uhr, Silcherhalle Sickenhausen, am 6. und 7. Januar, 19.30 Uhr, Gemeindehalle Walddorfhäslach, am 13. und 14. Januar, 19.30 Uhr, Georgensaal Reutlingen, am 20. und 21. Januar, 19 Uhr, Festhalle Rommelsbach, am 10. und 11. Februar, 19 Uhr, Bürgerhaus Möhringen, am 18. und 19. Februar, Gutenberghalle Riederich, und am 24. und 25. Februar, Festhalle Sondelfingen. kk

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel