Vor gut vier Wochen hat die Volksbank Reutlingen über ihre Fusionspläne mit der Vereinigten Volksbank informiert,  gestern berichteten der Vorstandsvorsitzende Siegfried Arnold und sein Vorstandskollege Thomas Krätschmer über die Entwicklung des abgelaufenen Geschäftsjahres, das die Bank trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds und des angespannten Wettbewerbs mit einem „deutlich  verbesserten Ergebnis“ abschließen konnte. „Wir schauen mit einem zufriedenen Blick auf  2019 zurück“, resümierte Arnold.

Deutliches Wachstum an Einlagen und Krediten

Die Volksbank hat das alles andere als einfache Marktumfeld gut gemeistert, konnte sowohl bei den Einlagen wie auch bei den Krediten  zulegen. Das betreute Kundenvolumen wuchs um 223 Millionen auf 3,32 Milliarden Euro. Allein die bilanziellen Einlagen auf Giro- oder Geldmarktkonten legten um 80 Millionen Euro zu. Eine  Entwicklung, die bei Arnold und Krätschmer zu einem lachenden und weinenden Auge führt. Einerseits zeige  dies das Vertrauen der Kunden zu ihrer Genossenschaftsbank, andererseits könne die Volksbank  diesen Zuwachs nicht als Kredite ausleihen. Folglich muss die Bank das Geld parken und dafür Negativzinsen bezahlen.

Mit einem Wachstum im Kreditgeschäft von vier Prozent haben die Mitarbeiter die gesetzten Ziele übererfüllt. So wurden 256 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben, insbesondere die gewerblichen Kunden zeigten sich besonders investitionsfreudig. 2019 betrug der Zinsüberschuss 21,9 Millionen Euro, ein Minus von 0,6 Millionen gegenüber 2018. Äußerst positiv entwickelte sich der Provisionsüberschuss, der um 1,8 Millionen auf 13,9 Millionen Euro wuchs. Unter dem Strich steht somit ein Ergebnis von neun Millionen Euro – 2,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. 2019 hat die Volksbank rund 2,6 Millionen Euro an Steuern gezahlt, davon die Hälfte an Gewerbesteuer. Nach einer Stärkung des Eigenkapitals, das um sechs auf 126 Millionen Euro erhöht wurde,  bleibt ein Jahresüberschuss von 1,7 Millionen Euro – 100 000 Euro weniger als 2018.

Derzeit keine Filialschließungen geplant

Momentan sei nicht geplant, Filialen zu schließen. „Wir werden das Thema aber in den nächsten Jahren angehen müssen“, betonte Arnold im Gespräch. Derzeit verfügt die Volksbank über 20 Filialen und 61 SB-Automaten. Sein Vorstandskollege Krätschmer verwies auf das geänderte Kundenverhalten.

Online-Geschäft wächst

So hat das Online-Geschäft im vergangenen Jahr stark zugelegt. Die Zahl der Nutzer, die ihre Geschäfte per App erledigten, ist um 40 Prozent gestiegen. Ebenfalls rückläufig ist die Zahl der Abhebungen am Geldausgabeautomaten – für Krätschmer ein Zeichen, „dass es für immer mehr Menschen im Alltag selbstverständlich ist. mit ihren Bankkarten zu zahlen“.

Im Gegensatz dazu hat die Zahl der Einzahlungen um 13 Prozent zugenommen. Bis zu zwei Tonnen Münzgeld kommen da pro Woche zusammen. Mit rund 200 000 Euro hat die Volksbank Vereine in der Region „partnerschaftlich“ unterstützt. Allein 2500 Anfragen hat es im Jahr 2019 gegeben.

Zwei Prozent Dividende

Der Vorstand wird der Vertreterversammlung, die am 25. Mai in der  Reutlinger Stadthalle tagt, vorschlagen, eine Dividende von zwei Prozent an die Mitglieder auszuschütten. Deren Zahl ging im vergangenen Jahr um 435 auf 28 088 zurück. 603 Eintritten standen 1038 Abgänge durch Tod (392), Kündigung (495) und Ausschluss (151) gegenüber.

Entscheidung über Fusion

Die etwas über 200 Vertreter werden an diesem Abend nicht nur über die Dividende, sondern auch  über die Fusion mit der Vereinigten Volksbank entscheiden – dafür wird eine Mehrheit von 75 Prozent benötigt. In den bisherigen Gesprächen mit Kunden, aber auch Vertretern habe das Vorgehen von Vorstand und Aufsichtsrat meist Zustimmung erfahren. Im März sind drei Vertreterforen geplant. „Es geht darum, dass wir leistungsfähiger als heute sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Man müsse sich Veränderungen stellen und dürfe nicht warten, bis man zu Veränderungen  gezwungen werde.

Volksbank Reutlingen: Das Geschäftsjahr  2019  in  vorläufigen  Zahlen


Die Bilanzsumme der Volksbank Reutlingen stieg auf 1,465  (2018: 1,377) Milliarden Euro.

Kundeneinlagen Die bilanziellen Kundeneinlagen stiegen auf 1,22 (2018: 1,14) Milliarden Euro an, die außerbilanziellen wuchsen auf 889 (792) Mio. Euro. Damit legten die betreuten Kundeneinlagen auf  2,107 (1,932) Milliarden Euro zu.

Kundenkredite Die Volksbank konnte die bilanziellen Kundenkredite auf 1,062 Milliarden Euro (1,025 Milliarden Euro) steigern. Das betreute Kreditvolumen wuchs  2019 auf 1,219 (1,171) Milliarden Euro.

Überschüsse Der Zinsüberschuss fiel im vergangenen Jahr auf 21,9 (22,5) Mio. Euro. Der Provisionsüberschuss stieg auf 13,9 (12,1) Mio. Euro.

Ergebnis Das Ergebnis legte auf 9,0 (6,6) Mio. Euro zu. Der Jahresüberschuss ging auf 1,6 (1,7) Mio. Euro zurück.

Mitarbeiter Ende  2019 beschäftigte die Bank 263 (276) Mitarbeiter, darunter 19 (17) Azubis. rab

2


Tonnen Münzgeld: Diese Menge kommt pro Woche aus den Münzzählern und von Firmenkunden zusammen. Geld, das weiterverarbeitet werden muss.