Banken Volksbank mit Ergebnis zufrieden

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 23.02.2018

Es war Josef Schulers letzte Bilanzpressekonferenz: Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Reutlingen berichtete gestern gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Siegfried Arnold und Thomas Krätschmer, wie sich die Volksbank Reutlingen im Geschäftsjahr 2017 geschlagen hatte. Sein Fazit: „Wir haben einen Großteil unserer Ziele erreicht.“ Die Bank habe in einem schwierigen regulatorischen Umfeld und trotz anhaltender Niedrigzinsen ihr Ergebnis halten können. Somit sei das Geschäftsjahr 2017 „zufriedenstellend verlaufen“. Dabei profitierte die Volksbank von einer guten wirtschaftlichen Konjunktur in Deutschland und in der Region.

So konnte die Volksbank sowohl bei Einlagen als auch bei  Krediten deutlich wachsen – das betreute Kundenvolumen überschritt mit 3,066 Milliarden Euro erstmals die Drei-Milliarden-Euro-Marke. Und dies obwohl ein „Pressesturm von erschreckendem Ausmaß über uns hereingebrochen ist“, wie Schuler sagte. Der „Medienrummel rund um die vermeintliche Einführung von Negativzinsen“ habe die Kunden nicht abgehalten, „uns ein deutliches Wachstum bei den Einlagen zu bescheren“ – für den Vorstandsvorsitzenden ist das fast schon „denkwürdig“.

Besonders stark hat die Volksbank bei den Einlagen zugelegt. Die bilanziellen und außerbilanziellen Anlagewerte stiegen zusammengerechnet um 101 Millionen auf 1,906 Milliarden Euro – damit fiel die Steigerung fast doppelt so hoch aus wie im vergangenen Jahr. „Strahlende Freude kommt bei uns allerdings trotz dieses tollen Ergebnisses nicht so auf“, sagte Schuler. Schließlich müsse sein Haus Negativzinsen an die  Bundesbank oder EZB abführen. Besonders gut liefen Bausparverträge oder auch Versicherungen.

Das betreute Kreditvolumen wuchs 2017 um 26 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro und war damit etwas schwächer als erwartet. Die gewerblichen Kunden erwiesen sich als durchaus investitionsfreudig, während das Wachstum bei den privaten Finanzierungen, wo der Schwerpunkt auf dem Wohnungsbau liegt, eher verhalten war. Hier habe sich die Volksbank bewusst etwas zurückgehalten: „Manche Konditionen, die da geboten oder Risiken, die da eingegangen werden, sind aus unserer Sicht grenz­wertig“, sagte Schuler.

Mit der Ertragslage ist der Volksbank-Vorstand „ganz zufrieden“. Der Zinsüberschuss wurde  um 200 000 Euro auf 24,7 Millionen Euro gesteigert, der Provisionsüberschuss stieg um 400 000 Euro auf 12,6 Millionen Euro. Während sich die Vermittlung von Immobilien sehr gut entwickelte, blieb das Wertpapiergeschäft etwas hinter den Erwartungen zurück.

Auf 24,4 Millionen Euro belief sich im Vorjahr der Verwaltungsaufwand, das sind 1,5 Millionen Euro weniger als 2016. Hauptursache dafür sind die um eine auf 15,1 Millionen Euro gesunkenen Personalkosten.

Vorbehaltlich aller Abschlussbuchungen betrug das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit wie auch im Vorjahr 8,5 Millionen Euro. Trotz der höheren Steuerzahlung von insgesamt 4.4 Millionen Euro (davon knapp die Hälfte Gewerbesteuer) erlaube dieses Ergebnis, so Schuler, „eine angemessene Stärkung unserer Eigenmittel“. So bleibt unter dem Strich ein Jahresüberschuss von 1,9 Millionen Euro.

Drei Prozent Dividende

Der Vorstand wird der Vertreterversammlung, die am 14. Mai im Kleinen Saal der Stadthalle tagen wird, vorschlagen, eine Dividende von drei Prozent an die Mitglieder auszuschütten. Deren Zahl sank im vergangenen Jahr um 1417, auch weil die Genossenschaftsbank sich von jenen getrennt hatte, die eine Intensivierung der Zusammenarbeit abgelehnt hatten.

Das Geschäftsjahr 2017 in vorläufigen Zahlen

Kundeneinlagen Die bilanziellen Kundeneinlagen stiegen auf 1092 (2016: 1066) Mio. Euro an, die außerbilanziellen wuchsen auf 814 (739) Mio. Euro. Damit legten die betreuten Kunden­einlagen auf insgesamt 1,906 (1,805) Milliarden Euro zu.

Kundenkredite Die Volksbank konnte die bilanziellen Kundenkredite auf 1,005 Milliarden Euro (984 Mio. Euro) steigern. Das betreute Kundenkreditvolumen wuchs 2017 auf 1,16 (1,134) Milliarden Euro.

Überschüsse Der Zinsüberschuss stieg leicht auf 24,7 (24,5) Mio. Euro. Der Provisionsüberschuss wuchs auf 12,6 (12,2) Mio. Euro.

Ergebnis Das Ergebnis blieb konstant bei 8,5 Mio. Euro. Wie im Vorjahr erwirtschaftete die Volksbank einen Jahresüberschuss von 1,9 Mio. Euro.

Die Bilanzsumme stieg auf 1,374 (1,329) Milliarden Euro.

Mitarbeiter Ende 2017 beschäftigte die Volksbank 289 (309) Mitarbeiter. Darunter waren 25 (30) Azubis.

Mitglieder Ende des vergangenen Jahres zählte die Volksbank Reutlingen noch 29 307 (30 724) Mitglieder mit insgesamt 180 299 (191 150) Geschäftsanteilen. rab

Zusammenschluss mit Sindelfingen?

Die Sondierungsgespräche über einen Zusammenschluss der Volksbank Reutlingen und der Vereinigten Volksbank Sindelfingen sind noch nicht abgeschlossen. Allerdings soll in den kommenden 14 Tagen entschieden werden, ob es zu konkreten Fusionsverhandlungen kommt.

Josef Schuler zitierte eine Studie, die vorhersagt, dass sich die Zahl der Banken von derzeit 1900 auf 150 bis 300 in den kommenden zehn bis 15 Jahren verringern wird. Das sei zwar, so der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, schwer vorstellbar, aber auch nicht auszuschließen. rab

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