Pfullingen Vier turbulente Jahre

Von Evelyn Rupprecht 17.01.2019

Ein halber Berliner für eine halbe Amtszeit: Es ist ein einleuchtender Gedankengang, den Cornelia Gekeler, Chefsekretärin und Pressereferentin im Pfullinger Rathaus, da hatte. Anfang der Woche hat sie Michael Schrenk morgens mit einem halbierten Gebäckstück, auf dem ein Kerzchen thronte, empfangen, und ihm dazu gratuliert, dass er nun seit genau vier Jahren Bürgermeister in der Echazstadt ist. Die erste Hälfte seiner aktuellen Amtszeit ist also vorbei – Zeit nicht nur für einen Berliner, sondern Anlass auch für eine Zwischenbilanz und ein Gespräch mit unserer Zeitung.

Den 14. Januar, seinen ersten Arbeitstag, hat der 48-Jährige noch genauso gut in Erinnerung wie den Abend der Amtseinsetzung, die am 29. Januar vor großem Publikum in den Pfullinger Hallen war. Seitdem hat sich viel getan – auch so manches Überraschende. Denn Schrenks erste Jahre in Pfullingen waren nicht nur durch wegweisende Entscheidungen und jede Menge Arbeit geprägt, sondern auch durch Bürgerproteste. Dass die Umsiedlung des Pfullinger Schwanenpärchens vom heimischen Klostersee nach Norddeutschland, die der Schultes gleich zu Beginn seiner Amtszeit veranlasst hat, die Menschen auf die Barrikaden bringen würde – damit hatte er wohl nicht gerechnet. Ähnliches wiederholte sich, als es um die Standorte für Flüchtlingsunterkünfte ging. Erst als die Stadt ihr Konzept in eine dezentrale Unterbringung änderte, beruhigten sich die Bürger wieder. Als dann im Sommer 2017 harsche Kritik am Bürgermeister aus den Reihen des Gemeinderats kam, spitzte sich die Lage zu. Im Laufe der folgenden Monate wurde der Landrat als Vermittler eingeschaltet, eine Mediation sollte die Probleme lösen. Mittlerweile haben Gemeinderat und Bürgermeister wieder eine gemeinsame Arbeitsebene gefunden.

Michael Schrenk sieht all die Ereignisse eher sachlich und nüchtern. „Es gibt überall turbulente Themen. Auch in anderen Städten. Eigentlich ist das nichts Außergewöhnliches“, sagt er mit Blick auf den Ärger, den die vergangenen Jahre brachten. Tatsächlich musste Schrenk sich schon in seiner ersten Gemeinderatssitzung mit einem heiklen Thema befassen. „Da ging’s damals um die Jagdpacht“, erinnert er sich. Dass die Stadt auf ein Eigenregie-System umstellen wollte, passte nicht jedem. „Dabei hat sich inzwischen herausgestellt, dass das wirklich gut funktioniert“, sagt er und verweist auf andere „wichtige und richtige“ Weichenstellungen in seiner ersten Amts-Halbzeit. Die Erweiterung der Wilhelm-Hauff-Realschule zum Beispiel sei „ein dickes Paket“ gewesen,  genauso wie die Neuregelung der Vereins-Förderrichtlinien. „Auch da sind die Wogen erst hochgeschlagen und haben sich dann geglättet“, sagt der Bürgermeister.

Der Jugendgemeinderat, dessen Gründung Schrenk forciert hatte, „ist inzwischen etabliert“ und das Handlungsprogramm Wohnen wird nachhaltig umgesetzt. Was dem Schultes aber genauso wichtig ist: „Bei den Finanzen sind wir inzwischen wieder auf dem Laufenden.“ Fast alle Jahresrechnungen, die noch ausstanden, sind gemacht, die Haushaltsausgabenreste aufgelöst und der Etat 2019 liegt mit hohen Rücklagen und einer mehr als passablen Zuführungsrate auf Schrenks Schreibtisch – und zwar als fertiger Erlass, der bereits vom Landrat unterschrieben ist. Selbst die Urlaubsansprüche der Mitarbeiter, die sich Anfang 2015 so sehr angehäuft hatten, dass sie damals kaum abbaubar schienen, sind auf ein Normalmaß geschrumpft. „Wir haben das jetzt im Griff, der Druck ist weg“, gibt der Verwaltungschef Entwarnung.

Und was sind die großen Herausforderungen der Zukunft? „Das ISEK ist natürlich das Thema schlechthin“, erklärt Schrenk mit Blick auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das Pfullingens Zukunft bis zum Jahr 2035 prägen soll – und das in den nächsten Monaten auch den Gemeinderat wieder intensivst beschäftigen wird. Doch auch in Sachen Zentrumsgestaltung wird sich in den nächsten Jahren einiges tun. Die Erneuerung des Markt- und des Lindenplatzes steht auf der Agenda. 20 Millionen Euro wird die Stadt dafür wohl aufbringen müssen. „Dafür langen unsere Rücklagen hinten und vorne nicht“, weiß der Bürgermeister.

Das klingt nach viel Arbeit, die bereits getan ist, die der Stadt, ihren Mitarbeitern und deren Chef aber auch noch bevorsteht. Hat es Schrenk, gerade angesichts der Turbulenzen der ersten Jahre, jemals bereut, in Pfullingen Bürgermeister geworden zu sein? Er schüttelt den Kopf. „Nein, ich habe im Leben noch nie etwas bereut und hier zu kandidieren, war damals eine folgerichtige Entscheidung“.

Im Übrigen hält es Michael Schrenk ganz mit Forrest Gump. Dessen Erkenntnis, dass das Leben wie eine Pralinenschachtel ist, und man nie weiß, was man kriegt, findet der Schultes durchaus sinnig. Zu seinem Amtsantritt habe er auch nicht geahnt, welche Pralinen für ihn drin sind in Pfullingen. Und klar ist ihm auch: „Manche davon sind zwar schon gegessen, andere aber erwarten mich noch“.

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