Betzingen Viele Ängste und Sorgen

Umzug in die Container: Die einzigen, die sich auf die neuen Klassenzimmer freuen, sind die Schüler.
Umzug in die Container: Die einzigen, die sich auf die neuen Klassenzimmer freuen, sind die Schüler. © Foto: Norbert Leister
Betzingen / NORBERT LEISTER 31.03.2015
Wenn die Hoffmannschule nur noch eine reine Grundschule ist, dann wäre das "eine Katastrophe für die gesamte Infrastruktur in Reutlingens Süden und Westen", sagt Bezirksbürgermeister Thomas Keck.

Eigentlich hätten die Betzinger immer schon gerne eine Realschule gehabt. Versprechen hat es laut Lothar Richter oft gegeben, doch es kam nie dazu. Und nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung haben die Eltern sich gar "mit den Füßen entschieden" - die große Mehrheit will höhere Schulabschlüsse für ihre Kinder. Ob die Kinder die Fähigkeiten dazu haben oder auch nicht.

Nach einer Info-Veranstaltung zur Reutlinger Schulentwicklung läuten somit die Totenglocken für die Werkrealschulen. Und damit auch für die Hoffmannschule? "Noch ist gar nichts entschieden", hatte OB Barbara Bosch in der Wittumhalle gesagt. Aber: Nach einer Umfrage unter den Eltern von Drittklässlern hatte das beauftragte Büro "Biregio" erklärt, dass sich die Standorte im Storlach (Hesse-Realschule und Hauptmann-Werkrealschule) sowie das Bildungszentrum Nord (BZN) am ehesten als zusätzliche Gemeinschaftsschulen (GMS) eignen würden. Seitdem geht die Angst in Betzingen um. Zu sehr würde das Argument der baulichen Voraussetzungen in den Vordergrund gestellt, sagte Hoffmannschul-Rektor Richter im Gespräch mit unserer Zeitung. "Unser Lehrerkollegium hatte vergangenes Jahr sämtliche Vorarbeiten zur Entwicklung eines pädagogischen Konzepts für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule erledigt."

Doch die Stadt stellte den GMS-Antrag nicht rechtzeitig beim Schulamt, "sie hätte ja nur die baulichen Änderungen zusagen müssen", so der Rektor. Dann wurde aber die notwendige Sanierung der formaldehyd-belasteten Klassenzimmer im Erweiterungsbau bekannt, die Ausweich-Container stehen vor der Schultür, doch der Umzug zögert sich hinaus. "Die Einzigen, die sich auf die neuen Klassenzimmer freuen, sind die Schüler", sagt Richter. "Dabei sind sie mit nur 56 Quadratmetern deutlich kleiner als die bisherigen Räume." Da waren es 77 Quadratmeter. Eigentlich sollte das ja nur ein Provisorium für ein Jahr sein - bis die aufwendige Sanierung vollendet ist. Die Stadt hat die Maßnahme jetzt aber zurückgestellt, bis der Gemeinderat den Schulentwicklungsplan (und somit auch die Standorte für weitere GMS) beschlossen hat.

Sollte sich das Gremium gegen eine Betzinger Gemeinschaftsschule aussprechen, dann würde die Stadt wohl auch die Formaldehyd-Sanierung streichen, so die Befürchtung. "Dann müssten wir vier bis fünf Jahre in den Containern bleiben, bis die letzten Werkrealschüler ihren Abschluss haben." Und das erhöhe die Attraktivität der Schule mit Sicherheit nicht.

Eines sei aber jetzt schon klar: Die Spranger-Schule als bislang einzige Reutlinger GMS könne den massiven Zulauf nicht mehr schultern. Hinzu komme: "Da sind die Kosten für den Umbau zur Gemeinschaftsschule aus dem Ruder gelaufen", sagt Bezirksbürgermeister Thomas Keck. "Und das trägt die Stadt jetzt wie eine Monstranz vor sich her, um auf die grundsätzlich hohen Kosten für Gemeinschaftsschulen hinzuweisen." Kein Wunder, dass durch solche Informationen und Diskussionen nicht nur die Eltern und Lehrer enorm verunsichert sind. "Hier geht es ja auch um Kinder aus Ohmenhausen und aus der Tübinger Vorstadt", sagt Richter. "Der gesamte Reutlinger Süden und Westen hätte dann keine weiterführende Schule mehr, das wäre eine Katastrophe", betont Keck. Solch eine Entscheidung würde ganz Betzingen schwächen, die bislang gute Infrastruktur dort würde nachhaltig negativ beeinflusst, so der Bezirksbürgermeister.

"Natürlich stellt sich da schon die Frage, warum im Reutlinger Nordraum - in Pliezhausen und Walddorfhäslach - Gemeinschaftsschulen sein mussten, im Reutlinger Süden aber nicht", sagt Keck. Zumal der Kreis Tübingen eine eindeutige Entscheidung gegen die Werkrealschulen und für die Einführung von Gemeinschaftsschulen getroffen habe. Mit der Folge, "dass die Tübinger schon Busse laufen lassen, um Schüler aus Wannweil, Kusterdingen und Kirchentellinsfurt abzufischen", so Keck. "Am 14. April ist die nächste Sitzung unseres Bezirksgemeinderats, da muss die Reutlinger Stadtverwaltung alles auf den Tisch legen." Und Richter sagt: "Warum sollte die Stadt nicht mutig sein und drei weitere Gemeinschaftsschulen einrichten?" Richters und Kecks Fazit: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, wir kämpfen weiter."

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