Reutlingen Viel Tafelobst für wenig Geld

Obstversteigerung: Annelies Armbruster und Stefano Cenni notieren das Ergebnis und kassieren. Foto: Dietmar Czapalla
Obstversteigerung: Annelies Armbruster und Stefano Cenni notieren das Ergebnis und kassieren. Foto: Dietmar Czapalla
DIETMAR CZAPALLA 02.10.2012
Im städtischen Obstgut konnte jetzt der Ertrag von Apfelbäumen gegen Barzahlung ersteigert werden. Die Nachfrage war eher gering. Kindergärten und Schulen dürfen aber schon bald kostenlos ernten.

Rund 30 000 Apfelsorten gibt es weltweit, etwa 1500 davon sind in Deutschland anzutreffen. Dabei ist der Apfel mit 80 Prozent der gesamten Obsternte die mit großem Abstand wichtigste Obstkultur überhaupt.

Auf dem einst 17 Hektar großen, 1996 aufgelösten städtischen Obstgut an der Rommelsbacher Straße gibt es, obwohl zwischenzeitlich recht verwahrlost, noch immer reichlich Obst zu ernten. "Um Reutlinger Bürger ortsnah mit qualitativ hochwertigem Tafelobst zu versorgen", war vom städtischen Amt für Wirtschaft und Immobilien zu hören, waren vor mehr als 30 Jahren über 1000 Obstbäume gepflanzt worden. Als Folge diverser Baumaßnahmen sind es auf deutlich kleinerer Fläche heute nur noch rund 250 Apfelbäume. Seit 16 Jahren weder gedüngt noch gegen schädigende Insekten und Pilzkrankheiten mit chemischen Mitteln behandelt, wurden die Früchte von der Stadt zu Recht als "Bioäpfel, besonders wertvoll", zur Versteigerung angeboten - insgesamt zwölf Apfelsorten, darunter Golden Delicious, Schweizer Orange, Roter Boskop, Goldparmäne, Brettacher und Champagner Renette. Zur Versteigerung kamen dieser Tage nur 14 Interessenten, darunter drei ältere Ehepaare, aber keine einzige junge Familie, die sich an den reich behangenen Apfelbäumen eindeckten. So wie der Pfullinger Wilhelm Schwarz, der für nur acht Euro zwei Bäume der Sorten Champagner Renette und Goldparmäne ersteigerte. Gleich fünf mäßig behangene Apfelbäume gingen an den im nahen Orschel-Hagen wohnhaften Bernhard Ulbrich für den Schnäppchenpreis von sechs Euro. "Zehn bis 15 Zentner für Most", sollten es für ihn werden. Der Altenburger Siegfried Schaal dagegen hatte anderes im Sinn. "Da könntest heulen, wenn du das hier siehst, in Reutlingen haben Platanen mehr wert als Apfelbäume", stufte er den Pflegezustand der Obstbäume ein. Am Schluss der einstündigen Versteigerung ergatterte er konkurrenzlos sechs recht schwach tragende Boskop-Bäume für nur acht Euro. "Sortenreinen Boskop-Schnaps" will er daraus machen und "eine Probe davon zur Versteigerung im nächsten Jahr mitbringen".

Nach fachlichen Ratschlägen und Tipps von Richard Rauscher, seit 1981 Hauptverantwortlicher für das städtische Obstgut und auch den städtischen Weinberg, wurden die Obstinteressenten schnell fündig. Stefano Cenni notierte die Nummern der nach Anschlag ersteigerten Bäume, Annelies Armbruster - beide vom Amt für Wirtschaft und Immobilien - kassierte gleich bar.

Etliche Interessenten werden im Laufe des Herbsts ihre schon im Vorfeld zum Abernten erworbenen Apfelbäume leeren. So auch eine Anzahl von Kindergärten und Schulen, die sich seit Jahren an ebenfalls exakt festgelegten Bäumen bedienen dürfen - ohne Bezahlung. Das städtische Duo bilanzierte nach der Versteigerung: "Es waren gute Preise für alle, wir sind zufrieden." Und auch die Besitzer der reichlich ersteigerten Äpfel zogen sichtbar zufrieden von dannen.