Pfullingen VfL bittet Stadträte um Hilfe

Dunkle Wolken über der Schönberghalle, der Haussegen hängt schief. Der VfL beklagt sich bitter über Bürgermeister Michael Schrenk. Von ihm werde der VfL „in seinem Ehrenamt blockiert“, so Vereinspräsident Sven Schauenburg.
Dunkle Wolken über der Schönberghalle, der Haussegen hängt schief. Der VfL beklagt sich bitter über Bürgermeister Michael Schrenk. Von ihm werde der VfL „in seinem Ehrenamt blockiert“, so Vereinspräsident Sven Schauenburg. © Foto: Jürgen Herdin
JÜRGEN HERDIN 11.08.2016
Die Drittliga-Handballer müssen in Tübingen trainieren, die Vereinsförderung ist ein Minusgeschäft: Der VfL fährt volle Breit?seite gegen den Bürgermeister.

„Es geht nur um die Person Michael Schrenk, nicht etwa um die anderen Leute in der Stadtverwaltung“: VfL-Präsident Sven Schauenburg ist stocksauer auf den Bürgermeister und sein Vize Hans-Georg Finkbohner stellt empört fest: „Die letzten 40 Jahre hatten wir nie Probleme mit der Stadt, auch mit der App-Halle hat das immer funktioniert – jetzt aber müssen wir an die Öffentlichkeit gehen“.

Das ist harter Tobak, das Tischtuch zwischen dem Schultes und dem mit 3769 Mitgliedern zweitgrößten Sportverein des Kreises scheint zerschnitten. Es geht um die neue Vereinsförderung, die für den VfL ein dickes Minusgeschäft werde ebenso wie im ganz aktuellen Fall, um die Hallenschließzeiten im Sommer.

„Die Drittliga-Handballer müssen jetzt im Sportinstitut Tübingen trainieren, ausgerechnet in der Hauptvorbereitungszeit für die neue Saison“, klagt Finkbohner. Denn die Kurt-App-Halle hat ebenso wie die Schönberghalle bis Ende August geschlossen. Und Finkbohner ließ auf einer Pressekonferenz wissen, dass hierüber auch namhafte Sponsoren des VfL-Handballs irritiert seien vorsichtig formuliert. Auch an der Basis rumort es: Verärgerte Eltern hätten sich wegen der Schließzeiten beim VfL gemeldet.

Der Aussage Schrenks, dass Hausmeister und Reinigungskräfte Überstunden schieben würden, Hallenschließzeiten deshalb notwendig seien, kontern Finkbohner und Schauenburg damit, dass der VfL in den vergangenen Jahren stets den Hausmeisterjob in dieser Zeit unentgeltlich übernommen habe was auch immer geklappt habe, die Halle war daher zugänglich.

Auch Reparaturen oder die Grundreinigung der Halle im Sommer hätten den Trainingsbetrieb nie gestört – und umgekehrt: Die Arbeiten fänden in der Regel tagsüber statt, der Trainingsbetrieb abends. Süffisant merkte Schauenburg an: „Eine gute Verwaltung erfüllt aus unserer Sicht ihre Aufgabe, wenn die Belange der Bürger in den Mittelpunkt gestellt werden – und nicht umgekehrt.“

Die Probleme mit dem Bürgermeister müssen grundsätzlicher Natur sein. Denn anders lässt es sich nicht erklären, dass der VfL, einstimmig so beschlossen vom 34-köpfigen Ausschuss, nun die Gemeinderäte angeschrieben hat, sie um Hilfe bittet. Die beiden VfLer zitierten Schrenk, der bei der Einweihung der Schönberghalle wohl gesagt hat: „Der Jugend gehört die Zukunft und ohne (sportliches) Training geht das nicht.“ Aber auch nicht ohne Geld.

Und so macht der VfL nun eine Rechnung auf. Die neue Vereinsförderung der Stadt bedeute Einnahmen des VfL von insgesamt 34 000 Euro, allein 32 000 davon für die Jugend. Der VfL indes müsse dafür auch Hallenmieten in etwa dieser Höhe bezahlen. Das war im Grunde eine steuertaktische „Umschichtung“. Wegen der Möglichkeit eines Vorsteuerabzugs wurde in Sachen Schönberghalle eigens eine Hallenbetreiber GmbH gegründet, erläutert Finkbohner, Die Stadt sparte so beim Bau der sieben Millionen Euro teuren Halle rund 1,4 Millionen Euro, dafür erfolgte einvernehmlich die Hallengebühren-Strategie.

So weit, so gut. Aber das Geschäft gehe eben nicht Null auf Null auf. Zu den Hallennutzungs-Gebühren kämen Gebühren für die Sportveranstaltungen selbst, für Gestattungen und Plakatierungen. Kurz: Der VfL rechnet deshalb für 2017 mit einer Negativbilanz von 16 800 Euro.

„Das ist Vereinsbelastung statt Vereinsförderung“, sagt Finkbohner. Und Schauenburg ergänzt mit bitterer Miene: „Wir werden von der Stadt in unserem Ehrenamt blockiert.“

UWV und Stadt wehren sich