Pfullingen Verzückung auf Bahn neun - ein Ass

JÜRGEN HERDIN 26.08.2013
Mit Bravour geschlagen haben sich die Teilnehmer des Nachtturniers der Hobby-Minigolfer auf der Anlage beim Freibad. Zu Schlagern aus der Soundmaschine gabs auf dem Parcours auch Sekt und Häppchen.

Es dämmert schon. Die richtige Zeit, um loszulegen: Während fleißige Helfer mit dem röhrenden Laubsauger noch die letzten Blätter von den 18 Bahnen holen, begrüßte Heinz Rein die Teams des Abends. "Lizenzspieler dürfen heute Nacht nicht mitmachen - und an der Bahn neun gibts Saft, Sekt und Häppchen: Gut Schlag!"

Rein ist Vorsitzender der BG Pfullingen, die Bahnengolfer mit ihren 42 Mitgliedern, die oberhalb des Freibads eine Anlage nutzen, die auch für internationale Turniere zugelassen ist. Der fein aufgetragene Klarlack ziert die 18 Bahnen nicht nur, sondern ist Vorschrift, so will es der Verband. Selbst kleinste Unebenheiten - die Wasserwaage kennt da kein Pardon - müssen dort alsbald beseitigt werden. Zum Beispiel nach minimalen Hangrutschungen. Die Pfullinger Bahnen sind terrassenförmig angelegt.

Am Nachmittag hatten wegen des Dauerregens einige Teilnehmer noch abgesagt, aber mit rund 40 Leuten spielt es sich eh gemütlicher. Da muss man nicht so lange warten, bis die Gruppe, die vor einem spielt, endlich eingelocht hat.

Das Reglement ist klar, nur eine Ausnahme gibts dann doch: Wer aktiv im Verein spielt, darf auch mitmischen, wird aber am Ende gesondert gelistet - sonst wärs ja unfair.

Einer von ihnen ist Rolf Bogosch, der sich schon vor Wochen zweier Anfänger angenommen hat, die sich von heute auf morgen in den Ausgleichssport verliebt hatten. Und seitdem Tag für Tag besser werden. Nicole Bauer aus Metzingen und Wolfgang Neumair aus Eningen spielen heute aber erst das siebte Mal in Pfullingen - und so lässt der Vergleich mit ihrem Mentor keine Fragen offen: Bei 18 Löchern liegt der Profi-Bahnenrekord bei nur 24 Schlägen, das ist Spitzenklasse. Bogosch hingegen wird bereits in der ersten Runde das Nachtturniers nur 28 Mal gegen seine Bälle schlagen müssen - ein sensationeller Wert. Seine beiden Eleven Bauer und Neumair haben bisher immer so um die 50 Schläge benötigt. Und seitdem natürlich auch wertvolle Tipps bekommen.

Die den Schläger führende Hände bilden am Griff eine geschlossene Einheit. Dabei müssen die Hände den Schaft fest umgreifen - ohne jedoch zu verkrampfen. Ball und Füße bilden ein etwa gleichwinkeliges Dreieck. Beide Füße stehen parallel zur Schlagrichtung" - soweit die Theorie.

Mit rund zwei Dutzend Fackeln ist der Parcours recht stimmungsvoll befeuert. Hinzu kommen die neuen LED-Lichtmasten, die der Betreiber und Gastronom Roland Schimek erst unlängst hatte installieren lassen. Aus großen Lautsprechern wird die Szenerie mit Mallorca-Schlagern und anderen deutschen Stimmungs-Hits beschallt - es kann losgehen.

Wer jetzt mit eigenen Schlägern antritt - und dazu noch einen ganzen Koffer mit rund 100 Bällen mit sich herumschleppt, wird für gewöhnlich sofort als "Profi" enttarnt, das weiß auch der ambitionierte Rolf Bogosch. Und er weiß damit auch, dass er in die "Quarantäne"-Wertung kommen wird. Doch gleich auf "Bahn neun" lässt er einen bis in den Wald hallenden Schrei der Verzückung los - ein Ass hat er geschlagen. Und wie sich das bei Minigolfern gehört, schlägt er sogleich mit der Hand seine beiden Schüler Nicole und Wolfgang ab.

"Und ich war die beste Dame der Amateure beim Turnier 2012", lässt Sylvia aus Unterhausen wissen. Und nur um Millimeter schleicht ihr Ball auf der "Achter" am Loch vorbei. Es geht Schlag auf Schlag. Denn das Reglement besagt, dass Nichtlizenzierte, also die Hobbyspieler, wenn sie nach dem dritten Versuch das Hindernis nicht schaffen, in der Nähe des Zielkreises weiterspielen dürfen.

Am Ende gibt es Pokale und viele andere Preise, denn die BG Pfullingen hat auch Sponsoren, die da kräftig mithelfen, um Turniere attraktiv zu gestalten. So gegen ein Uhr in der Früh nimmt dann Rolf Bogosch seinen Preis entgegen. 58 Schläge nur bei zwei Runden, das kann sich sehen lassen. In der Kategorie schlug Frank Greco (96 Schläge) nur knapp den Bogosch-Schüler Wolfgang Neumair (98). Bei den Damen siegt in der Kategorie "Profi" Andrea Nauerjeck mit 86 Schlägen, in der Kategorie "Hobby" holt Michaela Kaiser (96) den Pokal. Bei den Jugendlichen traf Catharina Aichele am besten - mit 121 Schlägen.

Und hat beim Zählen auch wirklich niemand geschummelt? Nicht immer schauen die Spielpartner so genau hin - zumal bei relativer Dunkelheit. Und als eine der Spielerinnen ihren Teamkollegen fragte: "Warens wirklich nur drei Schläge?" plärrt aus den Lautsprechern Andrea Berg: "Du hast mich tausend Mal belogen" - reiner Zufall wohl.