Betzingen Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt

Sascha Schwörer, Andreas Glück, Michael Tiefensee und Markus Metzger (von links) berichteten vor der Kreisversammlung des DRK über Herausforderungen und Probleme im Rettungsdienst.
Sascha Schwörer, Andreas Glück, Michael Tiefensee und Markus Metzger (von links) berichteten vor der Kreisversammlung des DRK über Herausforderungen und Probleme im Rettungsdienst. © Foto: Norbert Leister Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 04.07.2016
„Die Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt klappt beim Roten Kreuz besonders gut“, sagte Andreas Glück als DRK-Kreispräsident am Freitag.

„Wir sorgen dafür, dass Menschen im Landkreis innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Rettungszeiten Hilfe erhalten“, betonte DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Tiefensee am Freitag beim Pressegespräch vor der Kreisversammlung. Dieses Mal waren die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitglieder in der Kemmler-Halle zusammengekommen, Thema dort war auch die offizielle Verabschiedung von Rettungsdienstleiter Wilfried Müller in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Markus Metzger – er war war zuvor Müllers Stellvertreter – „beide haben zusammen im Tandem gearbeitet“, sagte Andreas Glück.

Gerade am Beispiel der Rettungsdienste werde die Belastung und die Leistung der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte des DRK deutlich: „Jetzt am Samstag sind wir nicht nur nach dem Länderspiel der Deutschen gegen Italien hier in der Innenstadt präsent, sondern auch beim Altstadtlauf, beim Motocross und den Marbach Classics auf der Alb“, betonte Metzger. Die Autokorsos nach den Länderspielen der Europameisterschaft beschäftigen die Rettungskräfte dabei enorm.

Insgesamt hatten nach den Worten von Markus Metzger im vergangenen Jahr „seine Leute“ rund 37 000 Einsätze pro Jahr. „Nirgendwo sonst ist die Vernetzung von Haupt- und Ehrenamt so eng und gut wie beim Roten Kreuz“, betonte Glück. Gezeigt habe sich das auch beim Hochwasser in den vergangenen Wochen. Bei insgesamt 20 000 Mitgliedern, darunter rund 600 Aktive, ist das DRK im Kreis aber auch Arbeitgeber – und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter, vor allem im Rettungsdienst und im Pflegeheim in Oferdingen. „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen“, unterstrich Tiefensee. Im Übrigen werde das Seniorenzentrum nächstes Jahr schon zehn Jahre alt, wie der Kreisgeschäftsführer ausführte – und vereine ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege in einem Gebäude.

Ebenfalls ein Thema am Freitagabend bei der Kreisversammlung der Rot-Kreuzler: Der Notarztstandort in Trochtelfingen soll stabilisiert werden, wie der Arzt und Landtagsabgeordnete Glück betonte. In Übereinstimmung mit Landrat Thomas Reumann und den Kreiskliniken werde daran gearbeitet, eine Lösung zu finden, so Tiefensee. Bislang habe sich ein niedergelassener Doktor bereit erklärt, in dieser Region auf der Alb die Rolle des Notarztes zu übernehmen – sofern er Zeit und Raum dafür hat. Allerdings bräuchte er Entlastung durch einen Notfallsanitäter. „Wir hoffen, dass sich dann auch eine weitere Ärztin oder ein Arzt dort finden wird, die oder der in Notfällen möglichst schnell vor Ort ist“, so Glück.

Problematisch sei ebenfalls, dass es den Beruf des Rettungsassistenten eigentlich nicht mehr gibt – die Ausbildung heißt heute Notfallsanitäter, dauert drei Jahre „und ist eine ganz andere Nummer als der Rettungsassistent, für den eine zweijährige Ausbildung ausreichte“, so Metzger. Das Problem besteht nun darin, dass per Gesetz Rettungsassistenten weiterhin vorgehalten werden müssen – aufgrund der Umstrukturierung aber zu wenige vorhanden sind. „Da müsste die Politik reagieren“, sagte Tiefensee. Denn: Junge Menschen, die Notfallsanitäter werden wollen, gebe es genug, betonte Markus Metzger. „Wir haben fast 60 Bewerbungen für sechs Ausbildungsplätze.“ In dieser Umstellungsphase vom Berufsbild des Rettungsassistenten hin zum Notfallsanitäter gebe es jetzt Engpässe.