Reutlingen Verkehrs-Chaos in der Stadt

In Reutlingen geht derzeit nichts mehr, Grund ist die Ampelumstellung im Rahmen des Luftreinhalteplans.
In Reutlingen geht derzeit nichts mehr, Grund ist die Ampelumstellung im Rahmen des Luftreinhalteplans. © Foto: Kiehl Thomas
Reutlingen / Carola Eissler 09.03.2018

Gestern kam gleich alles zusammen: Die nicht funktionierende neue Ampelschaltung, eine Sperrung des Scheibengipfeltunnels für eine Stunde und ein Unfall auf der B 464, zum Zubringer von und nach Stuttgart. Was am Mittwochnachmittag mit viel Ärger begann, setzte sich gestern fort: In Reutlingen herrscht Verkehrs-Chaos. Egal ob am Hohbuchknoten, am AOK-Knoten, auf der Rommelsbacher Straße. In Reutlingen gibt es kein Durchkommen mehr, seit die Stadt den Luftreinhalteplan umsetzt. Seit Dienstag gilt das Lkw-Durchfahrtsverbot, seit Mittwoch Tempo 40 auf vielen der Durchgangsstraßen. Ein Tempolimit, das von einer Ampelumstellung an acht Knotenpunkten begleitet wird. Und genau dies ist der Knackpunkt. „Die Ampeln wurden mehrfach hoch- und runtergefahren“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Denn die Umstellung läuft über den Netzwerkrechner und bedarf einer genauen Feinabstimmung. „Eine Mammutaufgabe“, heißt es bei der Stadt.

Ziel ist es, rund 12 000 Fahrzeuge pro Tag aus der Stadt raus zu bekommen. Dazu werden die Grünphasen der Ampeln erheblich verringert. „Eine Fahrt durch die Stadt soll einfach unattraktiv werden“, so die Hoffnung der Stadt auf eine Reduzierung des Verkehrs.

Die Stadt Reutlingen ist gezwungen, das vom Verwaltungsgericht gefällte Urteil nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe umzusetzen und für bessere Luft zu sorgen, ansonsten könnten Diesel-Fahrverbote drohen. Denn die in der Lederstraße gemessenen Stickoxid-Belastungen liegen über dem Grenzwert. Zwar würde eine Messung ein paar Meter weiter weg an anderer Stelle bereits wieder andere, weit geringere Werte ergeben (wie zum Beispiel Ingenieure des Karlsruher Instituts für Technologie im November in Stuttgart nachgewiesen haben), aber vor Gericht konnte dies nicht geltend gemacht werden. Fakt bleibt: Die Stadt Reutlingen muss auf das Urteil reagieren um weiteres Ungemach abzuwenden. „Beobachten und gegebenenfalls nachsteuern“, werde man in den nächsten Tagen in Sachen Ampelschaltung. Bis alles läuft, könne es bis zu zwei Wochen dauern, heißt es bei der Stadt.

Der Unmut bei den Autofahrern ist jedenfalls enorm. In den sozialen Medien ergießt sich ein wahrer Shitstorm über die Stadt. CDU-Stadtrat Karsten Amann hat auf seinem Facebook-Account berichtet, den ganzen Tag über erreichten ihn bereits wütende Anrufe von Bürgern. Autofahrer berichten von Rückstaus bis hinein in die Wohngebiete im Schafstall und im Hohbuch. Weil die großen Kreuzungen komplett zu sind, versuchten viele Autofahrer wohl über die Wohngebiete im Ringelbach an ihr Ziel zu kommen. Chaos herrschte aber nicht nur zu Stoßzeiten. Bereits gegen 14 Uhr gestern Nachmittag zog sich der Rückstau vom Lerchenbuckel bis hinter den Hohbuchknoten hinaus.

Massive Probleme haben derzeit auch die Rettungsdienste. Sie schaffen es kaum noch, in der vorgegebenen Zeit an den Einsatzort zu gelangen.

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