Es ist ihr Herzenswunsch: „Wir haben andere Vorstellungen als die Stadt“, sagt Ralf Stoll, Vorsitzender der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein. Gemeinsam mit Herbert Maier und Michael UIbricht stellte Stoll in einem Pressegespräch am Donnerstagabend die Überlegungen der Zahnradbahnfreunde zur Nutzung der ehemaligen Bahntrasse zwischen Reutlingen und Honau vor.

Der Verein habe sich seit Frühsommer intensiv mit dem Thema beschäftigt. .„Was liegt näher als eine Reaktivierung der Bahnlinie ins Auge zu fassen?“, fragte der ZHL-Vorsitzende. Er und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass sich dieses Ziel relativ zügig umsetzen lässt – zumindest auf der Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Südbahnhof. Der ZHL-Chef nennt hier einen Zeitrahmen von zwei Jahren. Aus Sicht des Vereins hätte diese Lösung viele Vorteile. So könnten die Pendler aus den Echaztalgemeinde die Bahn nutzen und somit ökologischer an ihren Arbeitsplatz kommen. P+R-Parkplätze, die am Rand von Reutlingen und Pfullingen eingerichtet würden, führten dazu, dass viele Pendler nicht mehr mit dem Auto durch die Stadt fahren müssten. Weniger Straßenverkehr bedeute auch, sagte Stoll, bessere Luft in der Stadt, zudem würden die Nerven der Pendler geschont. Im Gegensatz zur Stadtverwaltung gehen die Zahnradbahnfreunde davon aus, dass das Eisenbahnkreuzungsgesetz keine Anwendung findet, da die Trasse niemals entwidmet wurde. Das Gesetz regelt, dass neue Bahnübergänge nicht mehr höhengleich, sondern nur noch als Eisenbahn- oder Straßenüberführungen gebaut werden dürfen. Und auch das Anbindungsbauwerk an die ehemalige B 313 am Südbahnhof schließt laut Stoll und Maier keineswegs aus, dass wieder Züge auf der alten Trasse  verkehren. Es sei problemlos möglich und auch zulässig, die Streckenführung der Bahn um das Bauwerk herumzuführen.

Keine Konkurrenz zur Reginalstadtbahn

Die Echaztalbahn sei auch keineswegs als Konkurrenz zur Regionalstadtbahn zu verstehen. Stoll und seine Mitstreiter rechnen fest damit, dass in den kommenden zehn Jahren keine Regionalstadtbahn im Echaztal fahren wird. Mit einer kurzfristig reaktivierten Echaztalbahn könnte es somit schon früher einen Schienenverkehr geben.

Ein weiterer Vorteil besteht laut Stoll darin, dass „wir jetzt bauen und investieren könnten“. Dies wiederum würde zu geringeren Kosten führen. Die Kosten, um einen Kilometer Schiene neu aufzubauen, schätzt Stoll auf rund 800 000 Euro. Ab dem Südbahnhof müssten neue Gleise zwischen Pfullingen und Honau verlegt werden. Die alten waren Mitte der 1980er-Jahre entfernt und die entwidmete Trasse zu einem Radweg umgebaut worden.

Gleise noch vorhanden

Anders ist die Lage zwischen dem Südbahnhof und dem Hauptbahnhof. Die Gleise, die drinliegen, sind noch nutzbar“, sagt Stoll. Allerdings müssten Probebohrungen gemacht werden, um zu schauen, wie belastbar der Untergrund ist.

Stoll, Maier und Ulbricht sind ebenfalls überzeugt, dass die Echaztalbahn keineswegs die geplante Stadtbahntrasse durch die Lederstraße „kannibalisieren“ würde. Für alle, die schnell durch die Stadt oder nach Stuttgart oder Tübingen kommen wollen, sei diese Linie sinnvoll. Selbstverständlich sei darüber hinaus eine Trassenführung durch die Innenstadt absolut notwendig: „Hier, wo ein sehr hohes Fahrgastpotenzial durch Besucher oder durch Beschäftigte ansässiger Unternehmen besteht, muss natürlich auch eine komfortable Möglichkeit zum Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel geschaffen werden.“

Aus der Perspektive von Stoll ist Reutlingen groß genug für mehr als eine Regionalstadtbahnlinie. Zwei parallel verlaufende Strecken, die einen Kilometer auseinander liegen, ergänzten sich hervorragend. Zurück zur Echaztalbahn: Auf der Strecke können in einem ersten Schritt Regio-Shuttles eingesetzt werden, in einem zweiten Schritt stünde dann die Elektrifizierung der Strecke an.

Der Verein befürworte laut Stoll einen sinnvollen Ausbau des Reutlinger Radwegenetzes. Nach seiner Vorstellung könnte der Zug auf der ehemaligen Trasse eingleisig verkehren, sodass daneben noch ein bis zu drei Meter breiter „normaler“ Radweg gebaut werden könnte. Allerdings müssten dafür Bäume gefällt werden. Und das ist bekanntlich in Reutlingen ein sehr heikles Thema.

Stoll, Maier und Ulbricht beklagen in der Stadtverwaltung eine mangelnde Bereitschaft, sich mit dieser Thema auseinanderzusetzen. Sie appellieren daher an den „gesunden Menschenverstand“ der Politiker im Echaztal, hier eine Lösung anzustreben, „die für den stärksten ökologischen Effekt sorgt, ökonomisch sinnvoll ist und schnell umgesetzt werden kann“. Wichtig sei auch, dass sich die alternativen Fortbewegungsmittel nicht gegenseitig ausstechen.

Wichtiges zum Verein


Der Verein Zahnradbahn Honau-Lichtenstein (ZHL) hat derzeit rund 120 Mitglieder, von denen zwischen zehn und 15 in der Werkstatt aktiv sind. Bei Festen oder anderen Veranstaltungen sind zusätzliche Helfer im Einsatz. swp