Die Arbeitgeber hatten zuletzt am Freitag keinerlei Bereitschaft erkennen lassen, auf die Forderungen von ver.di einzugehen.
Ab 8 Uhr morgens wird der Reutlinger Stadtverkehr (RSV) bestreikt. Bis 8 Uhr läuft der morgendliche Verkehr regulär. Nach Streikbeginn fahren einige wenige Notdienste.
Das sind wie RSV-Marketingleiter Bernd Kugel auf Nachfrage sagte, der Expresso und die Buslinien, welche die Freie Evangelische Schule anfahren.
Neben der RSV werden auch die Beschäftigten der im Auftrag der RSV tätigen Unternehmen Lutz, Aberle, Kurz, Hahn und KM/Schnaith zum Streik aufgerufen
Eine Kundgebung findet am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) von 10 bis 11 Uhr mit Geschäftsführer Benjamin Stein und Landesfachbereichsleiter Andreas Schackert statt.
In den Manteltarifverhandlungen für das private Omnibusgewerbe zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband von Baden-Württemberg WBO fand am Freitag virtuell die dritte Verhandlungsrunde statt. Ver.di fordert unter anderem eine Pausenregelung nach dem Arbeitszeitgesetz, eine Vereinheitlichung der Sonntags- und Nachtzuschläge auf höherem Niveau sowie die Aufnahme von Verhandlungen für eine betriebliche Altersvorsorge. Nachdem die Arbeitgeber auch in dieser dritten Runde kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hatten und weiterhin auf einer Absenkung der Jahressonderzahlung beharren, hatte die Tarifkommission beschlossen, ab dieser Woche zu ersten Warnstreiks aufzurufen.
Hanna Binder, ver.di Verhandlungsführerin: „Die Beschäftigten im Omnibusverkehr waren in der gesamten Pandemie jeden Tag unter zum Teil sehr schwierigen Bedingungen und hohem Risiko für die Fahrgäste im Einsatz. Die ausufernden Standzeiten der Busse müssen jetzt endlich als Arbeitszeit anerkannt werden. Derzeit zahlen die Busfahrerinnen und Fahrer diese erzwungenen Pausen selbst mit ihrer Lebenszeit. Eine Stärkung des ÖPNV erreichen wir nur mit Arbeitsbedingungen, bei denen wir die immer größere Fachkräftelücke im Fahrdienst wieder schließen können. Jetzt werden wir ein erstes Signal an die Arbeitgeber senden, dass die Beschäftigten für ihren Einsatz in der Pandemie und im Alltag deutlich mehr erwarten.“
Ver.di wird deshalb ab dieser Woche an verschiedenen Standorten zu ersten Warnstreiks aufrufen. Diese werden jeweils zwei Tage im Voraus bekanntgegeben.
Fahrer müssen in etlichen Betrieben 3,4 oder mehr Stunden Pause pro Schicht nehmen. Die Schichten sind dabei oft deutlich länger als zehn oder gar zwölf Stunden. Ver.di erwartet, dass die Rechtsprechung von 2016 endlich in den Betrieben umgesetzt wird, nach der mehr als eine Stunde unbezahlter Pausenzeit innerhalb einer Schicht regelmäßig unzulässig ist. „Das ist seit fünf Jahren geltendes Recht. Dass wir darüber überhaupt verhandeln müssen, ist bitter. Die Arbeitgeber selbst fordern ja seit drei Jahren eine Aktualisierung der Pausenregelungen“, so Binder.
Betroffen sind von den Verhandlungen rund 9.000 Fahrerinnen und Fahrer der privaten Omnibusunternehmen in ganz Baden-Württemberg. Die Verhandlungen werden am Samstag, 26. Juni, fortgesetzt, erstmals in der laufenden Runde in Präsenz.