Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sprach von der "Quadratur des Kreises". Im Ziel seien sich zwar alle einig, nämlich im Bestreben, die historische und unter Denkmalschutz stehende Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 32 zu erhalten, allein der Weg werde "kontrovers" diskutiert.

Die Rathauschefin stellte klar: "Ich sehe keine Mehrheit für die Sanierung mit städtischen Mitteln." Und die Zeit drängt, wenn nicht rasch gehandelt werde, dann brauche man über eine Sanierung gar nicht mehr nachdenken. Folglich sei die einzige Lösung, das Ensemble an einen privaten Investor zu veräußern, der habe, was die Stadt nicht hat, steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten und könne die Zuschusstöpfe nutzen.

Rainer Löffler konnte dem zustimen, da der Verkauf in "modifizierter Form" auf einem CDU-Antrag von 2006 basiere. Zudem werde der Text der erforderlichen europaweiten Ausschreibung dem Rat vor Versenden vorgelegt. In der Ausschreibung werde auch festgelegt, dass ein Abriss der Gebäude außer Frage steht. Eine in einem früheren Konzept angedachte Erweiterung des Heimatmuseums sei schlichtweg "nicht finanzierbar".

Genau dies hatte aber Helmut Treutlein im Sinn. Die SPD sei nicht bereit, die museale Nutzung "gänzlich aufzugeben". Ein Verkauf an einen Privatmann, ergänzte Ratskollege Ulrich Lukaszewitz, wäre, als ob man die "Guillotine" über dem Heimatmuseum runterfallen lasse. Die SPD beantragte, die Kosten für eine "nutzungsneutrale Instandsetzung" zu ermitteln, worauf OB Barbara Bosch erwiderte, sie könne keinen Sinn darin sehen, Kosten nutzungsneutral zu eruieren.

Jürgen Fuchs nannte die Diskussion ein "gutes Beispiel für schlechtes Handeln", das mit dem Abriss des Eckhauses 1972 begonnen habe. "Allein am Geld hängt's", sagte der FWV-Fraktionschef, also müsse man sich darauf konzentrieren, was machbar sei. Er plädierte dafür, zuerst über das Nutzungskonzept zu entscheiden und dann erst auszuschreiben.

Holger Bergmann (Grüne) sagte, es sei "eilig" und favorisierte einen Verkauf der Häuser an die städtische Tochter GWG "ohne Auflagen", denn die Erteilung von Auflagen bei "In-House-Geschäften" hat der Europäische Gerichtshof bereits 2004 untersagt. Eine europaweite Ausschreibung bedeute ja erneut einen großen Zeitverlust.

Thomas Ziegler (Linke) bezeichnete die aus dem 13. Jahrhundert stammende Häuserzeile als eines der "wertvollsten Kleinode" der Achalmstadt, quasi das "Familiensilber", das man nicht einfach so aus der Hand geben könne. Es existierten doch Beispiele - wie jenes in Nürnberg, das der Rat besichtigt hat -, wie andernorts historische Bausubstanz zu akzeptablen Kosten zu sanieren ist. Er wolle nicht als Stadtrat eingehen, dem der Makel des "Totengräbers" der Museumsmeile anhafte.

Die GWG-Lösung wollte Hagen Kluck (FDP) nicht so recht schmecken. "Warum sollen wir denen etwas aufdrücken, das die gar nicht haben wollen." Stattdessen solle man doch bürgerschaftliches Engagement walten lassen und mit Unterstützung des Geschichtsvereins einen gemeinnützigen Verein gründen - das Beispiel Zehntscheuer in Betzingen habe gezeigt, das so etwas funktionieren könne.

Ute Beckmann (WiR) störte sich dagegen am Geld-Argument. Bei der Etatverabschiedung vor ein paar Tagen habe man einfach 5,5 Millionen Euro draufgesattelt. Bleibe für die Oberamteistraße nichts übrig?

Keine Entscheidung im Gemeinderat

Über die Sanierung der historischen Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 32 durch Verkauf an einen privaten Investor sollte der Gemeinderat am Dienstag entscheiden. Daraus wurde nichts. Nach zweieinhalb Stunden hatte SPD-Fraktionschef Helmut Treutlein beantragt, den Tübinger Denkmalschutzexperten Dr. Günter Kolb im Gremium zu hören. Die SPD bekam zwar dafür eine Mehrheit.

CDU-Chef Andreas vom Scheidt beantragte daraufhin flugs die Rückverweisung in den Ausschuss. Auch dafür gab's das notwendige Quorum - durch das konservative Lager. Kurzum: Es fiel keine Entscheidung über Sanierung und Verkauf der Oberamteistraße 28 bis 32.