Gegründet wurde der Verein von Frauen, die Gewalt erlebt haben oder über einen längeren Zeitraum sexuellem, emotionalem oder anderem Missbrauch ausgesetzt waren, erläutert Gertrud Jung-Schmid aus Lichtenstein die Hintergründe. Anfangs gab es unter der Leitung einer auf Trauma-Arbeit spezialisierten Ärztin die ambulante Möglichkeit, an einer Gruppen-Therapie teilzunehmen. Doch dieses Angebot gibts nicht mehr.

Der Vereinsbeitrag reicht indes nicht aus, um zum Beispiel Projekte wie Öffentlichkeitsarbeit, traumaspezifische Angebote und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund voranzubringen, weshalb "MIT-einander" auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass es leichter ist, sich in der Gruppe zu öffnen und sich so ein Stück weit aus der Isolation zu befreien. "Wir trauen uns eher in einer Gruppe, in der alle gleichermaßen betroffen sind, über unsere Ängste, depressiven Episoden, suizide Gedanken, Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle und über unseren sozialen Rückzug zu reden", sagt Gertrud Jung-Schmid. In der Gruppe könne man den Umgang mit Angst und Depression lernen, Schutzmechanismen erarbeiten und Bewältigungsstrategien suchen. Dies seien wichtige Inhalte der Therapie.

Traumatisierung sei viel zu lange ein Tabuthema gewesen. Erst nach dem Bekanntwerden von Missbrauchs-Erfahrungen - etwa in Heimen, Internaten und anderen Einrichtungen - würden zunehmend die schweren Folgeerscheinungen und Symptome, unter denen die Betroffenen jahrelang leiden, öffentlich gemacht.

Da es, wie Gertrud Jung-Schmid weiß, nur wenige Trauma-Therapeuten mit Kassenzulassung gibt, müssten die Betroffenen teilweise bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz warten. Die Behandlung bei privat niedergelassenen Trauma-Therapeuten könnten von den meisten Betroffenen nicht selbst bezahlt werden. Und von den Krankenkassen gebe es dafür keine finanzielle Unterstützung. Fakt sei jedoch, so die Lichtensteinerin, dass akut traumatisierte Menschen sofortige Hilfe brauchen.

Bei Katastrophen sind Notfallseelsorger und Therapeuten schnell vor Ort - ein Gewinn für die Betroffenen und der richtige Weg, um die traumatische Belastung eher verarbeiten und einordnen zu können. Leider gebe es auch Traumatisierungen, die im häuslichen Umfeld stattfinden - und da gibt es die "Katastrophen-Notfall-Helfer" eben nicht. Eine lange Wartezeit verlängert aber die Erkrankung, Betroffene geraten ins Abseits und werden zu wenig beachtet.

Aus all diesen Gründen will der Verein "MIT-einander" Angebote für Betroffene schaffen. Alle Beteiligten, so Gertrud Jung-Schmid, arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. "Wir wollen die Öffentlichkeit sensibilisieren, dass traumatisierte Menschen längerfristige, intensive, professionelle Hilfe benötigen." Der Verein soll dabei eine "Brücke ins Leben" bilden.

Kontaktaufnahme

Wer mit dem Verein "MIT-einander" Kontakt aufnehmen möchte, kann dies über Gertrud Jung-Schmid tun (E-Mail: gertrud@v-sc.de) oder über das Postfach 2243 in 72712 Reutlingen, E-Mail: kontakt@mit-einander.info oder über das Internet unter www.mit-einander.info oder unter Telefon: (0157) 75 83 22 92.