Lichtenstein / JÜRGEN HERDIN  Uhr
Mit einer groß angelegten Informations-Veranstaltung wird den Bürgern am 13. September das Projekt Straßen-Albaufstieg vorgelegt. Im Spätherbst will und soll der Gemeinderat eine Trasse vorschlagen.

Nach Jahrzehnten der Diskussion soll der Albaufstieg endlich als vordringlich in den Bundesverkehrswegeplan kommen. Auf der Informations-Veranstaltung geht es dann natürlich auch um die mögliche Trassenführung.

Offiziell sind noch sieben Trassen in der Diskussion, wobei Kosten- und Umweltschutzgründe diese Auswahl erfahrungsgemäß schrumpfen lassen. Gleichwohl wird ergebnisoffen über die Varianten diskutiert. Mit einer aus formalen Gründen zu findenen "Anmeldetrasse" geht die Gemeinde dann ins Rennen, um im Bundesverkehrswegeplan 2015 dann mit dabei zu sein. Dabei ist es wichtig, dass die Planungen zum Albaufstieg in Berlin dann auch in den "vordringlichen Bedarf" kommen.

Derzeit befindet sich das Gesamtprojekt noch in der Kategorie "unter ferner liefen...". Denn die vor acht Jahren getroffene Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats schloss die Deckeltrasse durch Unterhausen aus. Damit aber konnte kein Konsens mit dem Regierungspräsidium Tübingen als zuständiger planerischer "Zwischeninstanz" gefunden werden. Das RP hatte mit Blick auf die Kosten und Umweltbelange große Bedenken gegenüber den Trassen westlich und östlich durch die Berge um Unterhausen herum.

Gleichwohl gilt auch heute: Jede Variante hat Vor- und Nachteile, sowohl für die Bewohner als auch für die Natur. So müsste bei der Variante 1 b mit einem Trassenkonflikt bei der Planung und dem Bau der Regionalstadtbahn gerechnet werden. Außerdem müsste aus Sicherheitsgründen die "Albwasserversorgung 14" für Engstingen definitiv eingestellt werden.

Diese "Variante 1b", auch "Deckeltrasse" genannt, würde in einer Art oberirdischer Tunnel durch große Teile Unterhausens verlaufen (nahe der B 312), um im Süden des Lichtensteiner Teilorts auf Höhe des Honauer Bahnhofs wieder im offenen Profil auf die Alb zu führen. Die Baukosten sollen sich mit allen Umweltschutz-Vorkehrungen und einer Ersatzwasserversorgung aus heutiger Schätzung auf rund 125 Millionen Euro belaufen.

Doch dies ist eine ebenso vage Kostenschätzung wie bei der Variante 3, die trotz 15 Neubaukilometern größtenteils die bestehende Stuhlsteige zwischen Pfullingen und Sonnenbühl (Landesstraße 382) nutzen könnte. Rund 120 Millionen Euro könnte dieses Vorhaben kosten. Diese Streckenführung indes bedeutete größere Umwege, würde deshalb von den Kraftfahrern möglicherweise nicht so gut angenommen. Allerdings hätte sie keine Gefährdung der Trinkwasserquellen zur Folge und entlastete Unterhausen.

Die ebenfalls seit Jahrzehnten in der Diskussion befindliche Variante 5 a wäre eine fast durchgehende Tunneltrasse. Sie verläuft westlich von Lichtenstein. Aus der Umgehung Pfullingen kommend schwenkt sie in das Lippental, um dort in zwei langen Tunnelbauwerken - lediglich unterbrochen durch die Querung des Reißenbachtales auf einem Brückenbauwerk (Viadukt) - bis auf die Albhochfläche westlich vom Traifelberg zu führen. 1997 wurde von Kosten in Höhe von rund 250 Millionen D-Mark gesprochen. Hochgerechnet kann heute von rund 150 Millionen Euro ausgegangen werden.

Auch hier ist aber aus Sicht des Naturschutzes von Beeinträchtigung im Lippen- und Reißenbachtal auszugehen. Ein Nachteil ist der Abschnitt in der Nähe der Echazquelle (bei Honau). Die Variante 5 b hat eine ähnliche Trassenführung, geht aber nicht so nahe an die Echazquelle heran.

Die Variante 7 c hingegen verläuft östlich von Unterhausen um Holzelfingen herum. Die Baukosten können ebenfalls nur grob geschätzt werden, könnten aber im Bereich der Fünfertrassen liegen. Vorteile der Trasse 7 a - von der die Lichtensteiner schon vor 20 Jahren durchaus angetan waren - wären eine fast perfekte Entlastung von Unterhausen, Honau und Holzelfingen. Ihr größter Nachteil ist jedoch ein massiver Naturverbrauch.

Die "Albvereins-Variante", die dessen Ehrenpräsident Günther Hecht aus Pfullingen vor vier Jahren in abgewandelter Form ins Spiel brachte (im Westen), ist von der Streckenführung her sehr lang. Der Clou: Sie würde an keiner Stelle Lichtensteiner Markung touchieren. Der Albaufstieg wäre dann alleiniges Thema der Pfullinger und der Sonnenbühler.