Reutlingen Valin: „Wir haben Lehrgeld bezahlt“

Die Moltkestraße ist jetzt eine Fahrradstraße. Viele Anlieger ärgerten sich darüber, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.
Die Moltkestraße ist jetzt eine Fahrradstraße. Viele Anlieger ärgerten sich darüber, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / swp 13.10.2018

Die Einrichtung der Fahrradstraßen in der Bellinostraße und insbesondere in der Moltkestraße hat für großen Ärger unter den Anliegern gesorgt. Plötzlich fielen Stellplätze für Autos weg, und Vorfahrtsregelungen wurden geändert, ohne dass die Stadtverwaltung die Anwohner im Vorfeld informiert hätte. Ein Fehler, den Arno Valin am Donnerstagabend im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss auch einräumte. Unter dem Tagesordnungspunkt „Sachstandsberichte“ gab der Leiter des Amtes für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, einen ersten Überblick über die Umsetzung des „Masterplans Reutlingen ebike city“.

„Wir haben Lehrgeld bezahlt“, resümierte Valin. Das Prinzip „Schnelligkeit vor Qualität“ habe zu „gewissen Qualitätsverlusten“ bei der Markierung geführt. Und er verwies auf den grundsätzlichen Konflikt, dass mehr Platz für die Radler häufig den Verlust von Stellplätzen bedeute.

Dazu kommt, dass bei der Neuordnung der Bellino-/Moltkestraße zahlreiche Punkte noch nicht berücksichtigt wurden. So fehlt nach wie vor die Ampel, die den Radlern Vorfahrt über die Ringelbachstraße gewährt. Hier würde die Ausweisung der Bellinostraße als Fahrradstraße die RSV-Busse behindern. Daher soll erst mit der Umsetzung des neuen Stadtbuskonzeptes ab Herbst 2019 dieser Abschnitt der Bellinostraße zur Fahrradstraße werden und eine Ampel erhalten. Die Busse auf der Ringelbachstraße werden aber weiterhin Vorfahrt haben.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Fahrradstraße Bellinostraße derzeit an der Einmündung Hindenburgstraße endet. Bis die Hindenburgstraße ihrerseits als Fahrradstraße ausgewiesen wird, wird für den Übergang Bellino-/Hindenburgstraße zur Pomologie eine Übergangslösung benötigt, die zeitnah realisiert werden soll.

Die Fortführung als Fahrrad­straße Moltkestraße wird vor der Rennwiesen-Sporthalle unterbrochen. Dort hat die Stadt einen verkehrsberuhigten Bereich eingerichtet. Eine Entscheidung, die von Seiten der Grünen bemängelt wurde, die sich eine durchgehende Fahrradstraße gewünscht hätten. Was wiederum auf Kritik der Verwaltung und anderer Stadträte traf. Wo Querparker, Schüler und schnelle Radfahrer aufeinandertreffen, bestehe Gefährdungspotenzial, bekräftigte Valin die Sichtweise der Stadtverwaltung.

Mehrere der betroffenen Anwohner hätten sich in diesem Kontext schriftlich an die Verwaltung gewandt, aber keine Antwort bekommen. „Man sollte achtsamer mit den Leuten umgehen“, kritisierte die Grünen-Fraktionssprecherin Gabriele Janz. Ansonsten kam die Selbstkritik im Gremium gut an. So zollte Friedel Kehrer-Schreiber Valin Respekt für die Einsicht, dass in der Bellinostraße manches „schnell und schlampig“ gemacht worden sei. „Wir sind froh, dass ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde“, unterstrich CDU-Stadtrat Andreas vom Scheidt. Auch wenn die Umsetzung nicht zu 100 Prozent gelungen sei. Helmut Treutlein wiederum erinnerte daran, dass die SPD von Anfang an gewarnt habe, Tempo zu machen. Schließlich handle es bei der Einführung von Fahrradstraßen um eine  „gravierende Umstellung“ für alle Verkehrsteilnehmer, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende sagte.

Anliegerinformation wird nachgeholt

Die Informationsveranstaltung für die  Anlieger der Bellino- und Moltkestraße zur Einrichtung der Fahrradstraße und deren Auswirkungen wird am Montag, 5. November, 18 bis 20 Uhr, nachgeholt. 

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