Reutlingen Untrügliches Bauchgefühl

Stabwechsel am Friedrich-List-Gymnasium: Susanne Goedicke übernimmt von Reiner Linsenbolz.
Stabwechsel am Friedrich-List-Gymnasium: Susanne Goedicke übernimmt von Reiner Linsenbolz. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 27.07.2016
Am Montag wurde Listgymnasiums-Chef Reiner Linsenbolz im vollen Alber-Haus in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolgerin ist Susanne Goedicke.

Gleich zu Beginn bringt Frieder Walker, stellvertretender Schulleiter des Friedrich-List-Gymnasiums (FLG) in seiner Begrüßung auf den Punkt, was Linsenbolz auszeichnet: „Du warst ein charismatischer und gleichzeitig bodenständiger Chef mit Leib und Seele und einem untrüglichen Bauchgefühl“.

Linsenbolz kam nicht nur bei seinen Schülern gut an (eine Schülerin: „Sie sind ein Schatz“), er war auch ein umsichtiger Kapitän, der seine Besatzung motivieren konnte und stets bei Laune hielt. Gleichwohl hat er es immer verstanden, integrativ auf die Lehrerschaft einzuwirken und seine Schüler für Neues zu begeistern. Was bleibt? „Eine Linsenbolz-Kultur, die diese Schule nachhaltig geprägt hat“, so  Walker, der die Laudatio für das Kollegium hält.

Ein Förderer der Sprache sei er gewesen, so Susanne Pacher vom Regierungspräsidium, einer, der „innerhalb kürzester Zeit seine Schüler für sich gewonnen hat“ und viele seiner Ideen umsetzen konnte. Sie erinnert an die Organisation von Austauschprogrammen mit Aarau und Ellesmere Port sowie die Einführung von Latein als erste Fremdsprache ab Klasse 5. Und der Privatmensch Linsenbolz? Neben Latein und Englisch  habe er eine Passion für Fußball und Tennis entwickelt, berichtet Susanne Pacher. Nicht nur, dass er regelmäßig jede Woche beim Lehrerfußball kickte, es war wohl auch kein Zufall, so Pacher augenzwinkernd, „dass die Geburt seiner Kinder mit den Wimbledon-Siegen von Steffi Graf und Boris Becker zusammenfiel“. Seiner Nachfolgerin Susanne Goedicke, einer passionierten Handballspielerin, bescheinigt Pacher, sie sei „dem Wort und der Tat verpflichtet und im Sport verankert“.

38 Jahre war der 1950 in Biberach geborene Linsenbolz im FLG, 13 Jahre davon als Schulleiter. Er studierte in Tübingen, absolvierte am ältesten Reutlinger Gymnasium sein Referendariat und trat dort anschließend seine Anstellung als Englisch- und Lateinlehrer an. Ein Listler durch und durch, auch zu jener Zeit, als Linsenbolz teilweise ans Oberschulamt abgeordnet wurde: „Für mich ist es eine Gnade gewesen, diese Schule geleitet zu haben“, schrieb Linsenbolz an die OB, als er ihr mitteilte, in den bereits zwei Jahre hinausgezögerten Ruhestand zu gehen. Allen Unkenrufen zum Trotz seien „die Schülerzahlen während seiner Schulleiterzeit von 803 auf 878 gestiegen“, und auch die Voraussetzungen für ein vierzügiges Gymnasium habe er geschaffen, führt Barbara Bosch in ihrer Grußrede aus.

 Dem scheidenden Direktor ist ob der vielen lobenden Worte anzumerken, dass ihm der Abschied nicht leicht fällt. In seiner Rede hebt er die Vielfalt der Anforderungen hervor, die ihn an seinem Amt fasziniert haben. Er lobt seine kompetenten Mitarbeiter, berichtet von Erlebnissen mit Schülern und davon, dass er das List vermissen wird: „Verlieren werde ich das gute Gefühl, gebraucht zu werden“. Seiner Nachfolgerin Susanne Goedicke, die seit 2004 Englisch- und Französischlehrerin am Johannes-Kepler-Gymnasium war, übergibt er eine symbolische Kapitänsbinde und das Nummer-1-Trikot, das er bei seiner Einsetzung überreicht bekam. Die 1969 geborene Goedicke sieht ihre Aufgabe vor allem darin, als Spielertrainerin Verantwortung zu übernehmen und zu motivieren: „Ich freue mich, die ganze Vielfalt des List kennenzulernen“.

Redebeiträge von Kepi-Schulleiter Hans Selinka, den Personalräten Jana Andrade und Daniel Schmid-Bielenberg, der SMV-Sprecherin Emma Kindermann, der Elternbeirats-Vorsitzenden Isabel Jackmann-Mayer sowie mehrere musikalische Einlagen rundeten die feierliche Verabschiedung ab. Ihr schloss sich ein Stehempfang im Freien an.

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