Siegfried Arnold blickte in seiner ersten Bilanzpressekonferenz  als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Reutlingen auf ein „anspruchsvolles Jahr“ zurück, an dessen Ende ein „noch zufriedenstellendes Ergebnis“ stand. Arnold skizzierte das keineswegs einfache konjunkturelle  Umfeld und verwies auf mögliche Folgen eines Brexit oder eines drohenden Handelskrieges  mit den USA. Die Niedrigzinsphase dauere weiter an, Regulatorik und Digitalisierung nähme immer mehr zu. Im aktuellen Marktumfeld sei es für die Banken alles andere als einfach, profitabel zu wirtschaften, betonte Arnold: „Wir sind deshalb mit dem erzielten Ergebnis noch zufrieden, auch wenn wir nicht in allen Bereichen unsere durchaus anspruchsvollen Ziele erreichen konnten.“

Die Volksbank ist 2018 bei Einlagen und Krediten moderat gewachsen – für Arnold ein klares Zeichen, dass die genossenschaftliche Beratung von Kunden und Mitgliedern geschätzt wird. Die Bank will auch weiterhin in der Fläche präsent sein. An eine Schließung von Geschäftsstellen sei derzeit nicht gedacht, dennoch müsse sein Haus kontinuierlich prüfen, wie rentabel kleinere Filialen oder Geldautomaten genutzt würden, sagte Arnold. Aus diesem Grund hatte die Volksbank vergangenes Jahr die Servicezeiten in einigen Filialen reduziert. Und auch die zunehmenden Möglichkeiten, mit dem Smartphone bargeldlos zu zahlen, würden immer attraktiver, sodass nicht mehr so viel Bargeld benötigt werde.

Wie sehen die Zahlen aus? Einem Plus von 48 Millionen Euro bei den bilanziellen Kundeneinlagen (Giro- und Festgeldkonten) stand ein Minus von 21 Millionen Euro bei den außerbilanziellen Einlagen (Aktienfonds) gegenüber. Hier haben die zum Jahresende kräftig gefallenen Kurse das Volumen nach unten gedrückt. Alles in allem konnte die Volksbank die betreuten Einlagen auf 1,932 Milliarden Euro steigern.

Als „nicht ganz zufriedenstellend“ bewertete der Vorstandsvorsitzende das Kreditgeschäft. Das betreute Kundenkreditvolumen stieg um 13 Millionen aus 1,171 Milliarden Euro – 147 Millionen entfallen dabei auf Bausparkassen- und Versicherungsdarlehen sowie Verbraucherkredite. 2018 wurden 200 Millionen Euro im Neugeschäft akquiriert.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat ihren Niederschlag in der Volksbank-Bilanz gefunden. Im abgelaufenen Jahr betrug der Zinsüberschuss 22,5 Millionen Euro, ein Rückgang von 2,2 Millionen gegenüber 2017. Und auch der Provisionsüberschuss fiel gegenüber 2017 um eine halbe Million auf 12,1 Millionen Euro. So erwirtschaftete die Volksbank ein Ergebnis von 6,6 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 10,5 Millionen Euro gewesen.

Dieses rückläufige Ergebnis schlägt sich auch in den Steuerzahlungen nieder, die mit 2,5 Millionen Euro deutlich geringer als im Vorjahr ausfielen. Die Hälfte davon ging an Städte und Gemeinden, in denen die Volksbank Reutlingen vertreten ist. Nach einer „angemessenen Stärkung der Eigenmittel“ verblieb unter dem Strich ein Jahresüberschuss von 1,7 Millionen Euro – 200 000 Euro weniger als im Vorjahr.

Rund 1,9 Millionen Euro will die Genossenschaftsbank in diesem Jahr in die Modernisierung von Geldautomaten und den Bau eines neuen Beratungszentrums für den Nordraum in Pliezhausen investieren. Daneben hat das in der Region verwurzelte Institut 2018 sein soziales Engagement fortgesetzt und hunderte Projekte von Vereinen und Einrichtungen mit über 200 000 Euro gefördert.

Drei Prozent Dividende

Der Vorstand wird der Vertreterversammlung am 27. Mai vorschlagen eine Dividende von drei Prozent an die Mitglieder auszuschütten. Deren Zahl ging im vergangenen Jahr um knapp 800 auf 28 523 zurück. 327 Eintritten standen 1111 Abgänge durch Tod (408), Kündigung (487) und Ausschluss (211) gegenüber.

Geschäftsjahr 2018 in vorläufigen Zahlen


Kundeneinlagen Die bilanziellen Kundeneinlagen stiegen auf 1,14 (2017: 1,092) Milliarden Euro an, die außerbilanziellen sanken auf 792 (812) Mio. Euro. Damit legten die betreuten Kundeneinlagen auf insgesamt 1,932 (1,904) Milliarden Euro zu.

Kundenkredite Die Volksbank konnte die bilanziellen Kundenkredite auf 1,013 Milliarden Euro (1,005 Milliarden Euro) steigern. Das betreute Kundenkreditvolumen wuchs 2018 auf 1,171 (1,158) Milliarden Euro.

Überschüsse Der Zinsüberschuss fiel auf 22,5 (24,5) Mio. Euro. Der Provisionsüberschuss verringerte sich auf 12,1  (12,6) Mio. Euro.

Ergebnis Das Ergebnis sank auf 6,6 (10,5) Euro. Der Jahresüberschuss ging auf 1,7 (1,9) Mio. Euro zurück.

Die Bilanzsumme stieg auf 1,377 (1,374) Milliarden Euro.

Mitarbeiter Ende 2018 beschäftigte die Volksbank 276 (289) Mitarbeiter. Darunter waren 17 (24) Azubis.

Mitglieder Ende des vergangenen Jahres zählte die Volksbank noch 28 523 (29 307) Mitglieder mit insgesamt 173 210 (180 299) Geschäftsanteilen. rab