Kunst Unter Palmen, nah dem Meer

Schenkung ans Spendhaus: (von links) Robert Hahn, Karl-Heinz Danzer und OB Barbara Bosch.
Schenkung ans Spendhaus: (von links) Robert Hahn, Karl-Heinz Danzer und OB Barbara Bosch. © Foto: Marinko Belanov
Reutlingen / Otto Paul Burkhardt 19.05.2017

Schon sein Künstlername atmet Weltläufigkeit: Hansen-Bahia. So war auch sein Leben: Karl-Heinz Hansen, 1915 in Hamburg geboren und 1978 in Sao Paulo gestorben, war Eisverkäufer, Zirkusartist, Matrose, Soldat, Illustrator – und Künstler. Als solcher lebte er in Schweden, Brasilien, Bayern, Äthiopien und kehrte schließlich nach Brasilien zurück, wo er eine Professur für Graphik an der Universität Salvador-Bahia innehatte.

Ein freies Leben

Der Reutlinger Unternehmer Karl-Heinz Danzer, dessen Firma in den 70er Jahren brasilianische Dependancen hatte, lernte damals Hansen-Bahia kennen. Und schätzen. Danzer vermittelte für Hansen-Bahia 1971 eine Ausstellung in der Reutlinger Buchhandlung Knödler, zu der der Künstler auch anreiste. Zudem brachte Danzer Hansen-Bahia mit HAP Grieshaber zusammen – auch wenn es nicht ganz einfach war, das anfängliche Eis zwischen den beiden Querköpfen zu brechen.

Mit den Jahren legte Danzer eine umfangreiche Sammlung mit Arbeiten von Hansen-Bahia an und förderte 2016 die Herausgabe eines Werkverzeichnisses. Jetzt, 2017, überlässt er dem Spendhaus eine Schenkung mit rund 190 Holzschnitten, 15 Büchern mit Originalgrafik und vier Druckstöcken.

Mit Blick auf den künstlerischen Stellenwert Hansen-Bahias, mit Blick auf seine Beziehungen zu Reutlingen und Grieshaber sei es „eine besondere Freude“, dass Danzer seine Sammlung dem Spendhaus überlasse, sagt OB Barbara Bosch. Für 2019 plant Museumsleiter Herbert Eichhorn schon eine große Hansen-Bahia-Schau, bei der die Schenkung  präsentiert werden soll.

„Hansen-Bahia hatte etwas Abenteuerliches“, erzählt Danzer, „führte ein freies Leben“: „eine starke Persönlichkeit“. Er erinnere sich noch gut an die Dürer-Gedenkausstellung in Nürnberg 1976, bei der Grieshaber mit einem ersten Preis und Hansen-Bahia mit einem zweiten ausgezeichnet wurde. Im Gegensatz zu Grieshaber, meint Eichhorn, gehe Hansen-Bahia „stärker vom deutschen Expressionismus aus“. Motivisch kreiste das Oeuvre des Wahlbrasilianers um südamerikanische Mythen und Folklore, aber auch um Sexualität und Erotik. Hansen-Bahia beschäftigte sich mit indianischen Legenden ebenso wie mit Kreuzweg-Zyklen. Odysseus, der Irrfahrer, war ihm ein Alter Ego, ein zweites Ich.

Zur Schenkung gehört etwa ein Kunstbuch, entstanden „am Strand von Bahia, wo ich lebe und arbeite, hier, unter Kokospalmen, nah dem Meer“, wie Hansen schreibt – mit Motiven im Gedenken Dürers: „Soli Dürer Gloria“. Dämonisch wirken die Varianten zum Dürer-Thema „Ritter, Tod und Teufel“ (1971). Und Bilder wie „Abendmahl“ – am Tisch sitzen Juden, und draußen vor dem Fenster rauchen Kamine der Firma Krupp – werfen bittere Schlaglichter auf deutsche Geschichte.

Vielleicht liegt es an seinem Hang zu Serien, dass Hansen-Bahia von manchen Experten etwas einseitig im Licht einer „mehr illustrativen Tätigkeit, wenn auch hohen Ranges“ gesehen wurde, wie es der Kunsthistoriker Wieland Schmied formulierte. Danzer fasst Hansen-Bahias Persönlichkeit so zusammen: „Er war auch als Mensch ein Künstler.“

Ausstellung Eine kleine Auswahl von Holzschnitte Hansen-Bahias ist noch bis Mitte Juni zu sehen – auf der Galerie im Dachgeschoss des Spendhauses.