In den vergangenen Wochen haben viele Gerüchte in den Fluren der Kreiskliniken ihre Runde gemacht. Von einem Verkauf der drei Häuser war die Rede. Auch die Oberärzte hatten sich mit ihren Fragen nach der Zukunft geschlossen an die Klinikleitung gewandt.

Deshalb wurde am Donnerstag vor einer Woche kurzfristig eine nicht-öffentliche Mitarbeiterversammlung anberaumt. Rund 500 Mitarbeiter nahmen teil, sie wurden mit Bussen auch aus Bad Urach und Münsingen nach Reutlingen gefahren. Dass so viele an der Versammlung teilnahmen ist für Landrat Thomas Reumann „ein Zeichen der Identifikation“. Er hat nun auch die Pressevertreter zu einem Gespräch eingeladen, weil er vermeiden will, dass falsche Gerüchte weiter ihre Runden ziehen.

Fest steht für ihn: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Die Kliniken schreiben rote Zahlen, allein am Standort Steinenberg stehen in den kommenden Jahren Investitionen im Bereich von 160 Millionen Euro an. Auch in Bad Urach muss im zweistelligen Millionenbereich investiert werden. Die Landkreisgemeinden haben in den vergangenen Jahren rund 24 Millionen Euro als Krankenhaus-Soli aufgebracht und somit die Bilanzverluste übernommen. Zum 30. April 2020 geht zudem einer der beiden Geschäftsführer, Norbert Finke, in den Ruhestand. Der Vertrag des zweiten Geschäftsführers, Friedemann Salzer, läuft zeitgleich aus.

Kommentar von Kathrin Kammerer über die Zukunft der Kreiskliniken Noch viele Fragen

Reutlingen

Im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens wollte sich die Klinikleitung nun aufzeigen lassen, wie es weitergehen kann. Wie sind andere Krankenhäuser organisiert? Welche Antwort haben diese auf die schwierige Situation? Das Verfahren ist nun abgeschlossen. Es stehen vier Möglichkeiten im Raum, wie es weitergehen kann, so Landrat Reumann:

  • Die Struktur bleibt beim Alten, die Klinik bekommt einfach eine neue Geschäftsführung.
  • Ein Management-Vertrag wird abgeschlossen, man kauft sich also sozusagen ein Team ein, das vier bis fünf Jahre die Klinikleitung übernimmt.
  • Die Kreiskliniken treten einer kommunalen Holding bei, einem Klinikverbund. Da gäbe es im näheren Umkreis beispielsweise den Klinikverbund-Südwest: zu dem gehören die Kliniken in Leonberg, Herrenberg, Calw, Nagold, Sindelfingen und Böblingen. Oder den Klinikverbund RKH: zu dem gehören unter anderem Häuser in Bruchsal, Ludwigsburg, Mühlacker und Markgröningen.
  • Und dann gibt es noch das, was Reumann diplomatisch ausgedrückt eine „strategische Partnerschaft“ nennt. Das bedeutet konkret, dass ein Unternehmen zunächst 25 Prozent der Kreiskliniken kauft und nach einer gewissen Zeit 49 oder 51 Prozent. „Aber wir werden nie 100 Prozent verkaufen“, betont Reumann.

 

„Ich hätte auch nie gedacht, dass wir den Verkauf mal diskutieren“, sagt der Landrat. Für ihn steht aber auch fest: „Die Verklärung des kommunalen Krankenhauses möchte ich nicht.“ Eine wirtschaftliche Lösung müsse das Ziel sein. Folgende Rahmenbedingungen wolle man definitiv setzen: Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben, alle Mitarbeiter werden weiter nach TVÖD bezahlt, der Kreistag und der Aufsichtsrat sollen bei wesentlichen Entscheidungen ein Veto- beziehungsweise Mitspracherecht haben.

Nun soll alles ruckzuck über die Bühne gehen, denn eine europaweite Ausschreibung (für die Varianten zwei bis vier notwendig) dauert – und im Mai 2020 muss eine neue Geschäftsleitung da sein. Kreisräte sowie Aufsichts- und Betriebsrat gehen also bald auf eine Infotour und informieren sich vor Ort über die verschiedenen Möglichkeiten. Dann gibt der Aufsichtsrat eine Empfehlung ab – und der Kreistag soll noch vor den Kommunalwahlen endgültig entscheiden, wie es weitergeht.