Wer hätte gedacht, dass die Bebauung des Geiselhart-Areals derart weitreichende Auswirkungen haben würde? Der Gemeinderat Reutlingen hat in der vergangenen Sitzung beschlossen eine Baumschutzsatzung für das gesamte Stadtgebiet in Auftrag zu geben.
Diese Satzung soll auf die örtlichen Gegebenheiten gemünzt sein und wird die Stadt im nächsten Doppelhaushalt wohl rund 2,6 Millionen Euro kosten. Doch was ist das eine Baumschutzsatzung? Und welchen Einfluss hat sie auf die Grundstücksbesitzer?

Baumschutzsatzung: Bereits in verschiedenen Städten im Südwesten eingeführt

Die Einführung einer Baumschutzsatzung ist für viele Kommunen und Städte nichts neues. Im Südwesten gibt es sie etwa in Überlingen und Ulm, aber auch in Stuttgart. Grundsätzlich geht es um – wie der Name es bereits sagt – den Schutz der Bäume.
Die Grundidee hinter dem Regelwerk besagt, dass das Fällen oder Schneiden von Bäumen ab einem bestimmten Stammumfang von einer Bewilligung, einer Ersatzpflanzung und / oder einer finanziellen Ersatzleistung abhängig ist. Je nach lokalen Regelungen kann von dieser Vorgabe abgewichen werden.

Ausgleichende Maßnahmen für das Fällen oder Roden von Bäumen

In der Praxis bedeutet das in der Regel für Grundstücksbesitzer, sobald man in dem von der Stadt ausgewiesenen Gebiet an einem Baum einer gewissen Größe in irgendeiner Form arbeitet, muss vorher die Genehmigung der Stadt eingeholt werden.
Die zuständige Behörde entscheidet dann ob eine Ausgleichszahlung oder Ersatzpflanzung notwendig ist. In manchen Fällen können sich Besitzer von etwaigen ausgleichenden Maßnahmen befreien lassen.

Beispiele bereits eingeführter Baumschutzsatzungen in Baden-Württemberg

Bei besagten Satzungen gibt es in den Details lokale Unterschiede. So bezieht sich eine Baumschutzsatzung nicht zwangsläufig nur auf das bloße Schneiden von Bäumen, sondern – wie im Fall von Stuttgart – auch auf andere Arbeiten, die Einfluss auf Bäume haben könnten:
Im Stuttgarter Stadtgebiet sind demnach
  • das Ausbringen von Herbiziden,
  • Grundwasserabsenkungen oder auch
  • das Verdichten des Bodens durch Überfahren oder Lagerung verboten.
Nicht verboten sind indes
  • der Formschnitt von Formgehölzen
  • Pflegeschnitten zur Gesunderhaltung oder
  • das Entfernen von Totholz und beschädigten Ästen
Die Stadt Ulm hält sich dahingehend vergleichsweise zurück und legt ihren Fokus auf das Fällen oder Roden von Bäumen. Im Falle eines Falles müssen dort die Gemeinde/Stadt oder das Landratsamt kontaktiert werden. Es muss auch kein zusätzlicher Antrag eingereicht werden, wie etwa im Fall von Überlingen. Dort greift die Baumschutzsatzung je nach Höhe einzelner Baumsorten:
  • Weiden und Pappeln ab 150 Zentimeter
  • „hochstämmige Obstbäume, Feldahorn, Feldulme,“ und andere mittelgroße Baumarten ab 75 Zentimeter
  • alle übrigen Bäume ab 100 Zentimeter
Ähnliche Vorgaben gibt es auch für Nadelbäume und immergrüne Baumarten.
Es bleibt abzuwarten welche Bedingungen für das Stadtgebiet Reutlingen festgelegt werden. Die Satzung muss erst noch aufgesetzt werden muss. Diese wird von einem Expertengremium, das unter anderem aus Landschaftsgärtner, Behörden und Umweltverbände besteht, erarbeitet.