Als so richtig entspannt beschreibt Rainer Blum als Vorsitzender des BfU/BUND-Kreisverbands Reutlingen die Atmosphäre zwischen den kommunalen Verwaltungen und dem Naturschutzverein nicht gerade. Zwar sei das Verhältnis heute deutlich entspannter als noch vor drei oder vier Jahrzehnten, aber richtig gut sei denn doch was anderes.

Nichtsdestrotz hatte Reutlingens Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz den engagierten Männern und Frauen, die sich seit 40 Jahren in den Naturschutzverein einbringen, in ihrem Grußwort "Anerkennung und Dank" gesagt. "Ich wünsche mir weiter Ihre kritische und kompetente Begleitung", unterstrich Hotz. "Weiter so."

Hans-Jürgen Stede hatte als Stellvertreter des Landrats betont, dass sich die Zeiten innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte stark verändert hätten. Und somit auch das Verhältnis zwischen öffentlichen Verwaltungen und Umweltschutzverbänden: "Wir versuchen, dem Naturschutz nicht mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen, sondern mit ausgestreckter Hand." Der BUND-Kreisverband habe sich in seiner langen Geschichte stets als Partner gezeigt, "und das sage ich, ob Sie das hören wollen oder nicht", so Stede mit Augenzwinkern. "Sie waren ein manchmal kantiger Partner, aber stets kompetent und mit Herzblut bei der Sache - dafür sage ich Dank." Gleiches sagte er auch "für die vielen 1000 Stunden, die hunderte Bürger ehrenamtlich für den Naturschutz geleistet haben".

Ulrike Hotz erinnerte genauso wie Stede an die Anfänge des Bunds für Umweltschutz und die großen Erfolge, die damals mit dem Widerstand der Aktiven erzielt wurden: "Unvorstellbar, wenn heute ein Großflughafen im Schönbuch wäre, oder eine 110-Kilovolt-Leitung über die Achalm oder auch ein Atomkraftwerk in Mittelstadt." Das Fazit der Reutlinger Baubürgermeisterin: "Wir alle können gemeinsam vieles bewegen."

Eine der Aktiven, die sich schon seit 36 Jahren für die Belange der Umwelt und der Natur einsetzt, ist Margit Geyer. Hotz dankte ihr besonders für das Engagement, ebenso wie Stefan Flaig als stellvertretender Vorsitzender des BUND-Landesverbands. "Ich weiß zu schätzen, was Sie hier geleistet haben", betonte Flaig.

Heiner Grub verwies als Grußredner des Landesnaturschutzverbands (LNV) - des Dachverbands aller Naturschutzverbände in Baden-Württemberg - darauf, dass trotz allem Engagements, trotz aller berechtigten Zweifel und aller Kritik an zahlreichen großen Projekten, "der Blick für das große Ganze beim Umweltschutz nicht verloren gehen darf". Damit sprach er die Energiewende an, "da muss man auch zu Kompromissen bereit sein". Wenn nämlich auf Hausdächern und entlang der Autobahnen noch genug Flächen für Photovoltaikanlagen vorhanden seien, dann müssten keine Ackerflächen mit PV-Modulen bestückt werden.

Der Tenor an diesem Abend war einhellig: Naturschutz ist heute so wichtig wie vor 40 Jahren. Und die Verbände sind von dem Image der ewigen unbeliebten Nörgler mittlerweile zu Kooperationspartnern der Verwaltungen geworden. Wobei Stede nicht verhehlen wollte, dass es auch heute noch Konflikte gibt: "Aber wir sind im Landkreis auf einem guten Weg".