Die internationale Kultur-vom-Rande-Sause - mittlerweile ist es die sechste - steigt alle drei Jahre und richtet sich an alle Menschen unabhängig von Behinderung oder Benachteiligung. Dieses Jahr wird das Festival gemäß seinem Motto noch stärker und vielfältiger in der Stadt präsent sein: Neben den Workshops und den großen Theater-Events abends im franz.K mit Ensembles aus ganz Europa werden in der Innenstadt "Überall und Irgendwo" seltsam kostümierte Leute durch die Gegend spazieren, Straßentheater und Musik machen, sich zu eigenwilligen Kunststücken zusammentun und vor allem Laufkundschaft ansprechen, die sich sonst vielleicht mit Kunst und Kultur eher weniger konfrontiert sieht.

Und so haben die beiden Festivalmacherinnen Prof. Elisabeth Braun und Rosemarie Henes wieder zahlreiche Klein- und Großprojekte an Land gezogen, die über acht Festival-Tage Kunst auf höchstem Niveau bieten.

Die Eröffnung steigt am 21. Juni: Schon um 11 Uhr tummeln sich auf dem Marktplatz "Süße Frauen", die Guggenmusiker "Elefantis" und die Grieshaber-Stipendiatin Katrin Wegemann mit ihrem Kunst-Ballon, um hübsch und lautstark aufs Festival aufmerksam zu machen.

Die offizielle Runde beginnt dann gegen 16 Uhr im Festivalzelt im Bürgerpark, mit kurzen Reden der Schirmherrin Carmen Würth und anderen Vorständen, aber auch einem bunten, spannenden Programm, wie Rosemarie Henes verspricht, an dem alle ihren Spaß haben sollen. Einige (Festival-)Programmpunkte gibts auch mit Übersetzung in Gebärdensprache.

Die Kultur vom Rande soll wieder direkt ins Zentrum verlagert werden. Mit künstlerischem Niveau, dezenten Provokationen und Einfallsreichtum kann für die Handicap-Szene vielleicht mehr erreicht werden als mit dauernden Appellen. Und so hoppeln die Hühner von "Mind the Gap" die Tage mehrmals durch die Innenstadt ("Chicken-Coup"), im Spitalhof spielt das "Experimentalorchester Salto Vogelscheuche", im Saal gibts Erlebnisdrama vom Figurentheater, die Peter-Rosegger-Schule macht Straßenaktionen, es gibt "Flower-Power"-Theater, "Klavier und mehr", "Chor spezial" und anderes. Im "Medienzentrum" der VHS läuft ein Non-Stop-Kino, das Festival-TV-Team dokumentiert die verschiedenen Aktionen und präsentiert jeden Tag vor dem jeweiligen Abendprogramm im franz.K einen Zusammenschnitt. Aus der Kooperation von Baff (Bildung, Aktion, Freizeit, Feste) und Württembergischer Philharmonie - "Accompagnato" - sind mehrere Musikprojekte entstanden, die ebenfalls hier und da in der Stadt aufspielen. Und so soll sich das Festival eben auch "nachhaltig" auswirken, meint Rosemarie Henes. Die Angebote, bei denen Leute mit und ohne Handicap ihre künstlerischen Talente ausspielen können, sollen bis in den Alltag hineinreichen.

Und es zieht immer weitere Kreise: So werden mit dem Festival Leute konfrontiert, die sonst weder mit Kultur noch mit Sozialem viel zu tun haben. Aber mittlerweile melden sich auch ganze Besuchergruppen fürs Festival an - sogar eine Gruppe aus Russland wird mitmischen. Außerdem sind wieder viele PH-Studierende beteiligt, entweder als Ehrenamtliche, als Praktikant(inn)en oder als Ausstellungsmacher(innen), wie Desirée Lempart und Lena Silber mit ihrer Ausstellung "Alle für Design - Design für Alle".

Diese Schau präsentiert vom 23. Juni bis 30. Juli in der Eingangshalle des Rathauses Objekte und kleine Gebrauchskunstwerke, die in Kooperation von Werkstätten, Menschen mit Behinderung, Designern und Designern mit Behinderungen überall in Deutschland entstanden sind und die Sehgewohnheiten auf den Kopf stellen: ein Brotkörbchen in Bürstenform, eine Krone als Papierkorb, ein Tennisball als freundlicher Handtuchhalter, eine Vase plus dreibeinige Müsli-Schale als "Überraschungs-Gefäß", in dem man laut Designer Michael Poggemann nicht nur Gummibärchen, sondern auch "heimliche Liebhaber" horten könne.

Das Spendhaus ergänzt das Festival-Kunst-Programm unter anderem mit Aktionen "barrierefreier Kunstvermittlung". Acht Kunstwerkstätten und Ateliers aus der Region eröffnen außerdem eine "Kunstbaustelle" im Bürgerpark, wo auch Festivalbüro und Festivalzelt stehen, als Treffpunkt zu den Workshops. Den Abschluss bildet dann der große Musiktag (28. Juni), an dem in Cafés und Geschäften der Reutlinger Innenstadt insgesamt 14 inklusive Musikbands spielen. Abends treffen sich dann alle im Festival-Zelt zur Abschluss-Session.

Infos rund ums Festival

Festival Das nunmehr 6. Festival Kultur vom Rande geht von 21. bis 28. Juni in Reutlingen an verschiedenen Orten über die Bühne.

Karten gibt es bei unseren SÜDWEST PRESSE-Geschäftsstellen in Reutlingen, Albstraße 4, und Metzingen, Hindenburgstraße 6, sowie online auf www. reservix.de und www.franzk.net.

Festivalkasse 21. bis 28. Juni, 12 bis 18 Uhr im Festivalzelt im Bürgerpark bei der Stadthalle. Abendkasse ab 18 Uhr im franz.K, Unter den Linden 23, 72762 Reutlingen.

Festivalcafé im Zelt am Bürgerpark bei der Stadthalle - 22. bis 28. Juni 11 bis 19.30 Uhr.

Parkmöglichkeiten gibt es in drei nahe gelegenen Parkhäusern: Tiefgarage Stadthalle, Tiefgarage Rathaus/Tübinger Tor und Parkhaus Am Bahnhof.

SWP