Festival Turkish Folk meets Swabian Samba

Sängerin Nilüfer Yanya war mit ihrer gleichnamigen Band am Freitagabend beim Burning Eagle Festival zu Gast.
Sängerin Nilüfer Yanya war mit ihrer gleichnamigen Band am Freitagabend beim Burning Eagle Festival zu Gast. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / Von Jürgen Spieß 12.08.2018

Zum sechsten Mal stieg am Freitag und Samstag auf dem Listhof-Gelände das Burning Eagle Festival. Insgesamt 15 Bands, Solointerpreten und sogar ein Magier-Duo sorgten für entspanntes Open-Air-Feeling und beste Stimmung unter den gut 1300 Musikfans. Wie in den Jahren zuvor war das Festival zwischen lauschigem Grün und knorrigen Baumstämmen ausverkauft, und auch das Wetter spielte bei angenehmen Temperaturen wieder mit.

Es ist schon bewundernswert, wie es den beiden Veranstaltern Dennis Adler und Henrik Junger Jahr für Jahr gelingt, ein Festival auf die Beine zu stellen, das nicht nur die musikalische Qualität in den Vordergrund rückt, sondern auch in punkto Nachhaltigkeit und Naturbezug Maßstäbe setzt. Obwohl die beiden inzwischen in Berlin beheimateten Organisatoren dieses Jahr auf bekannte Bands verzichteten, war wieder für jeden Musikliebhaber etwas dabei: Am Freitag sorgten etwa das zuckersüße australisch-schweizerische Folktrio Tinpan Orange, die für die erkrankten Trudy and the Romance eingesprungenen Rikas aus Stuttgart und die türkisch-holländische Folkband Altin Gün für die musikalischen Highlights.

Besonders die sechsköpfige Gruppe aus Amsterdam zeigte zum Abschluss, wie zeitgenössische Weltmusik und Rock bestens mit türkischer Folklore aus den 70er-Jahren harmonieren können. Lyrische Szenen entwickeln sich da im Duett zwischen türkischer Saz und leidenschaftlicher Perkussion oder zwischen psychedelischem Keyboard und funkigem E-Bass.

Mal verströmen die schwerelos schwebenden Klänge eine meditative Ruhe, mal beschleunigen sie zu flinken, seelenvollen Läufen. Immer wieder scheint die Zeit für eine Weile stillzustehen – bevor sich die Musik auf eine neue dynamische Stufe zubewegt. Zwar sind es auch türkische Melodien aus der Überlieferung, die hier verwendet werden, doch die Spielweise ist entschieden modern. Zudem ist die Musik von Altin Gün auch für mitteleuropäische Hörgewohnheiten geeignet mit ihren orientalischen Melodiefolgen in Vierteltonschritten.

Dazu singt meist Merve Dasdemir in türkischer und englischer Sprache und mit einer beeindruckend klaren Stimme – warm, melodisch und mit viel Ausstrahlung. Sie ist eine einfallsreiche Vokalistin, die aus traditionellen Rhythmen und Melodien eine eigenwillige Weltmusik-Mixtur bastelt. Manchmal hört sich die zierliche Frau mit den dunklen Haaren an, als sei sie ihr halbes Leben lang um den Globus getingelt. Ihr Repertoire umfasst ein breites Spektrum, das von folkloristischer Musik bis zu tanzbaren Rock-Arrangements reicht, mal mit zweistimmigem Gesang, mal instrumental unterlegt.

Neben dem Stuttgarter Duo BRTHR, das wunderbar entschleunigte Songs über eine alte Drummachine spielt, dem Folktrio Tinpan Orange und der vierköpfigen Londoner Band Nilüfer Yanya mit eher sperrigem Folkrock steht am Freitag auch die Band Rikas auf der Hauptbühne. Die vier jungen Musiker aus Stuttgart klingen nach Kalifornien und guter Laune und tragen das Erbe der Beach-Boys- und Beatles-Ära mit Stolz und Können vor sich her.

Die für Bands der 60er-Jahre charakteristischen Harmoniegesänge beherrschen die vier Freunde Sam Baisch, Chris Ronge, Sascha Scherer und Ferdinand Hübner, als hätte es nie etwas anderes für sie gegeben: „Habt ihr Lust auf Sehnsuchts-Disco?“, fragt Sänger Sam Baisch. „Ja“ antwortet die fröhliche Besucherschar im Chor und tanzt ausgelassen zum sonnendurchfluteten Titel „Swabian Samba“.

Am Samstag verblüfften unter anderen die beiden Magier Siegfried & Joy mit ihrem charmant-skurrilen Humor, der witzige Kanadier Sam Vance-Law sang mit wunderschöner Baritonstimme von den Wonnen und Widrigkeiten der gleichgeschlechtlichen Liebe und die vier Überflieger Pom Poko aus Norwegen brachten zum Abschluss die Wucht des tanzbaren Punkrock zu diesem Festival, das zurecht weit über die regionale Grenzen hinaus ein Alleinstellungsmerkmal genießt.

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