Reutlingen / SWP  Uhr
Mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen reagiert das Regierungspräsidium (RP) auf den Austritt von Methangas beim Bau des Scheibengipfeltunnels.

Bislang waren weder bei den Erkundungsbohrungen vor Beginn der Tunnelbauarbeiten noch beim Bohren des "Rohrschirmes" zu Beginn der Bauarbeiten Gasaustritte festgestellt worden. Umso überraschender war es daher für die Verantwortlichen von RP und ausführender Firma, dass vor rund zwei Wochen im offenen Bereich vor dem Rettungsstollen ein Gasaustritt in sehr geringer Konzentration festgestellt wurde.

Unmittelbar mit dem Baubeginn in der offenen Bauweise im Norden, Anfang Juli, wurden allgemeine Vorsichtsmaßnahmen (Rauchverbot und das Verbot offenen Feuers) getroffen. Bei den Bohrungen für die Verbauträger und die Anker, die bis zu 25 Meter in die Tiefe gingen, wurden Gaswarngeräte eingesetzt. Bisher hatten diese zu keinem Zeitpunkt angeschlagen. Das Bauen unter der Gefahr von Gaszutritten aus dem Gebirge ist im Bergbau üblich, im Tunnelbau jedoch eher die Ausnahme. Für den bergmännischen Tunnelbau ergeben sich deshalb höhere Sicherheitsvorkehrungen. Daher hat das RP unmittelbar nach dem Bemerken des Gasaustritts die Firma "DMT Bergbauservice und Wettertechnik" aus Essen, eine der weltweit führenden Spezialisten für Ausgasungen und Methangasbeherrschung beauftragt, Empfehlungen für die Gasbeherrschung zu geben und ein verbessertes Lüftungskonzept aufzustellen. Um zu verhindern, dass sich Gasansammlungen bilden, werden nun zwei unabhängig voneinander funktionierende, redundante Belüftungssysteme eingesetzt. Jeweils zwei Lüfter stehen außerhalb des Tunnels und führen entsprechende Lüftungsleitungen ("Lutten") bis zur Ortsbrust, um die Mineure mit Frischluft zu versorgen. Im Haupttunnel haben die Lutten einen Durchmesser von jeweils 1,60 Meter. Für die Lüfterleistung wurde ein Luftbedarf im Haupttunnel von 33 Kubikmeter/Sekunde (m³/s) zur Gasbeherrschung und Durchmischung berechnet. Für die Belüftung ist eine Frischluftzufuhr von 62 m³/s erforderlich. Die eingesetzte Belüftungsleistung ist fast doppelt so hoch als die zur Gasbeherrschung erforderliche. Weiter werden zum Schutz der Mineure und Bauarbeiter stationäre und mobile Gasmessgeräte eingesetzt. Eine Gefährdung der Standsicherheit des Gebirges, der Gebäude, die unterfahren werden oder der Bewohner ist zu keiner Zeit zu befürchten.