Reutlingen / RALPH BAUSINGER  Uhr
Der Scheibengipfeltunnel und weitere "flankierende Maßnahmen" sollen, so Baubürgermeisterin Ulrike Hotz gestern, zu einer nachhaltigen Verbesserung der Verkehrssituation in der Achalmstadt führen.

Es ist ein Projekt, das als "Querschnittsaufgabe viele Bereiche der Stadtentwicklung" tangiert, wie Ulrike Hotz ausführt. Am Freitag wurde der Gemeinderat in einer Klausurtagung informiert, gestern stellten die Baubürgermeisterin und die beiden Gutachter Prof. Dr. Hartmut Topp und Dr. Ralf Huber-Erler vom Büro R + T Zahlen und Fakten zum neuen Verkehrsentwicklungsplan vor.

"Der Scheibengipfeltunnel ist die entscheidende Grundlage für ein solides Verkehrskonzept in Reutlingen", lautet das Fazit der Tagung. Nach einer Prognose soll der Tunnel, dessen Gesamtkapazität mit 23 200 Fahrzeugen pro Tag angegeben wird, rund 1300 Fahrten des Reutlinger Binnenverkehrs, 10 700 Fahrten des Quell- und Zielverkehrs sowie 2200 Touren des Durchgangverkehrs aufnehmen.

Während die Unfahrung Lederstraße (mit rund 50 000 Fahrzeugen täglich, darunter 2500 Lastwagen) und die Oststadt (40 000 bis 45 000 Fahrzeuge pro Tag) entlasten wird, werden Sondelfingen und Orschel-Hagen nach Huber-Erlers Ansicht mehr Fahrzeuge anziehen. Der Gutachter ist zudem überzeugt, dass mehr Autofahrer in Richtung Stuttgart zukünftig die Variante B 28/B 312 einer Fahrt über die B 464/B 27 vorziehen werden.

Damit das Potenzial des Tunnels voll ausgeschöpft werden kann, muss es jedoch um ein Paket verkehrsberuhigender Schritte in der Oststadt, Sondelfingen und Orschel-Hagen ergänzt werden. Hier denken die Gutachter beispielsweise an die flächendeckende Einführung von Tempo 30, den Bau von Kreisverkehren und die Einrichtung von Geschwindigkeitsbremsen. Indem die Durchfahrt unattraktiver gemacht werde, ließen sich die Belastungen für die beiden Stadtteile senken.

Zudem werden nach Fertigstellung des Tunnels ein Durchfahrverbot für Lastwagen durch die Reutlinger Innenstadt und ein neues überörtliches Beschilderungskonzept vorgeschlagen. Die damit erreichte Reduzierung von Lärm und Schadstoffen (zehn bis 20 Prozent beim Feinstaub, 20 bis 45 Prozent bei den Stickoxiden) soll die Lebensqualität in der Stadt spürbar verbessern.

Und die Dietwegtrasse: Sie würde ohne Frage den Tunnel für viele Autofahrer attraktiver machen und auch den Durchgangsverkehr in Orschel-Hagen und Sondelfingen deutlich reduzieren. Ihren Verkehrswert auf die Innenstadt bezogen bezeichnen die beiden Gutachter jedoch als "sehr gering". "Man sollte daher die Dietwegtrasse begraben und aus dem Flächenutzungsplan herausnehmen", sagte Topp.

Wie gehts jetzt weiter? Die Stadt wird im Mobilitätsforum aus Vertretern von Gemeinderat, Verwaltung, Verbänden wie beispielsweise BUND und ADFC und Fachbehörden über die Ergebnisse der Untersuchung informieren. Zudem sind Bürgerabende in Sondelfingen und Orschel-Hagen geplant und auch die Oststadtbewohner werden sich mit dem Thema befassen.