Pfullingen 2035 Trotz Zufriedenheit gibt’s viel zu tun

Projektleiter Philipp König (links) stellte die Ergebnisse der Bürgerbefragung „Pfullingen 2035“ vor. 95 Prozent der Echazstädter bewerten die Lebensqualität als „gut“ oder „sehr gut“.
Projektleiter Philipp König (links) stellte die Ergebnisse der Bürgerbefragung „Pfullingen 2035“ vor. 95 Prozent der Echazstädter bewerten die Lebensqualität als „gut“ oder „sehr gut“. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / Von Norbert Leister 16.05.2018

Wir wollten wissen, wie denkt man in Pfullingen“, sagte Philipp König am Montagabend in der Aula der Wilhelm-Hauff-Realschule. Dazu waren vergangenes Jahr 2750 Bewohner der Stadt zufällig ausgewählt worden. „Wir wollten eine aktive Bürger-Mitgestaltung“, hatte Rathauschef Michael Schrenk in seinen einführenden Worten zur Veranstaltung betont, in der die Ergebnisse der Umfrage bekannt gegeben wurden.

Zunächst aber erläuterte König zusammen mit seinem Kollegen Adrian Schwake die Vorgehensweise bei dem SEK-Prozess (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) wie auch bei der Bürgerbefragung – etwa dass 37 Prozent aller Umfragebögen zurückgesandt oder online ausgefüllt worden sind (1017 Bögen). Selbstverständlich werde das Ganze anonym ausgewertet, „und die Stadtverwaltung hat auch keinen Zugriff auf die Bögen“, so König. Eingeteilt war die Befragung nach Themenfeldern wie etwa „Leben, Wohnen, Arbeiten und Identifikation“ oder „Kultur, Freizeit und Nahversorgung“. Als letzter Schwerpunkt wurde zu „Kommunalpolitik und Verwaltung“ befragt.

Die Ergebnisse? An erster Stelle stand die Frage, wie zufrieden die Menschen in Pfullingen mit der Lebensqualität sind. Dabei bewerteten 95 Prozent der Befragten sie als sehr gut oder eher gut. Was an der Stadt besonders gefällt? Am häufigsten stand „Natur, Lage und Ruhe“ auf den Fragebögen, mehrfach genannt wurde das gute Sportangebot, gute Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Hausarztversorgung. Was fehle, seien aber Fachgeschäfte wie Kleidung und Schuhe oder auch Fachärzte.

Was stört in Pfullingen? 15,7 Prozent der Befragten führten an, dass „nichts los“ sei. „Zu viel Verkehr“, sagten 11,3 Prozent, „Unstimmigkeiten zwischen Bürgermeister und Gemeinderat“, hatten acht Prozent notiert. Vor allem 16- bis 19-Jährige bemängelten mit 73,3 Prozent, dass es in Pfullingen zu wenig Angebote für Jugendliche gebe.

Eine hohe Bedeutung der Innenstadt bejahten 56,6 Prozent der Befragten. Dass die Innenstadt-Gestaltung ansprechend sei, sagten 72 Prozent, gleichzeitig führten aber auch mehr als 90 Prozent an, dass das Zentrum gestärkt werden müsse. Positiv bewerteten die Befragten die Dienstleistungen der Stadtverwaltung in Sachen Erreichbarkeit, Kundenservice, Fachkompetenz und Freundlichkeit in allen vier Punkten mit weit über 80 oder gar 90 Prozent. Hinsichtlich der Mobilität in der Kommune sagten mehr als 62 Prozent, dass die Barrierefreiheit nicht gut sei. Mit 92,8 Prozent kommt der Bürgerbus extrem gut an. Weit weniger positiv wurden hingegen die Radwege gewertet.

Zusammenfassend lasse sich laut König sagen, dass in Pfullingen „eine sehr hohe Zufriedenheit über alle Altersklassen hinweg“ anzutreffen sei. Aber: Es gebe „eine Reihe an Hausaufgaben“, wie etwa die Steigerung der Innenstadtattraktivität, das Thema Wohnen spiele eine große Rolle, die Verkehrsbelastung solle gesenkt und die Landschaft bewahrt werden. Bis 2035 sollten, so König, die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt, der Radverkehr wie auch der ÖPNV sowie Angebote für Jugendliche weiter entwickelt werden. Die Kür wäre sozusagen, den Tourismus zu fördern und kulturelle Angebote auszubauen.

Bestätigt sah sich Werner Fesseler aus dem Kreis der Zuhörer durch die Umfrageergebnisse. Aber: Die Nähe zur Stadt Reutlingen müsse nicht als Konkurrenz gewertet werden, wie es öfter anklang. „In unserer Stadt ist in der Innenstadt alles fußläufig erreichbar – was Pfullingen nicht leisten kann, gibt es in Reutlingen“, so Fesseler. Pierre Godbillon sagte: „Die Zufriedenheit, welche die Befragung zeigte, ist vorhanden – es gibt aber dennoch viel zu tun.“

Wie es nun weitergeht? Heute  werden bei Workshops, also bei einer Zukunftswerkstatt, interessierte Bürger zu Wort kommen und sich zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten einbringen können. Weiterhin seien laut König Gespräche mit Jugendlichen und mit Unternehmern angesetzt – weil beide Gruppierungen, ebenso wie Migranten, laut König bei Bürgerbeteiligungen erfahrungsgemäß unterrepräsentiert seien. Von Gesprächen mit Migranten hatte der Stadtplaner nichts erwähnt, aber – es könnten sich am heutigen Mittwoch bei den Workshops durchaus noch weitere „Fokusgruppen“ herausbilden, sagte König. Mit denen werde dann noch gesondert der Kontakt gesucht. Wie beispielsweise auch zu „mobilitätseingeschränkten“ Pfullingern, die vermehrt einen Blick auf Barrierefreiheit werfen könnten. Noch vor den Sommerferien soll es eine Abschlussveranstaltung zu dem Prozess geben. Mit einem Konzept, das auch Handlungsanweisungen anführen werde, versprach König.