Kleinkunst Trommelwirbel und Wortwitz

Elena und Lena faszinieren das Publikum mit ihrem Tanz „Kultur hoch drei“.
Elena und Lena faszinieren das Publikum mit ihrem Tanz „Kultur hoch drei“. © Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / Jürgen Herdin 20.11.2018

 „I’Kuh“, die Initiative für ein Kulturhaus in Pfullingen, ist schon älter als ein Vierteljahrhundert, das Programm „Kultur im Klosterkeller“ (KIK) gab es am Wochenende zum 25. Mal. „Für Pfullinger und andere Kulturgenießer“ lautet das Motto des Kleinkunst-Spektakels auf kleinstem Raum im Gewölbe des ehemaligen Klarissenklosters.

Musik, Sprache, Kabarett, Comedy und Tanz: Zwei Dutzend große und kleine Akteure sorgten für ein vielfältiges und  begeisterndes Programm, bei dem Conférencier Miedel Stuhlinger auch die kommunalpolitischen Ereignisse des Jahres auf humorvolle Weise auf die Schippe nahm. Gerne verweist er auf das Gerücht, dass es schon Leute gegeben haben soll, die vor der Vorverkaufsstelle übernachtet haben, um auf jeden Fall noch an die begehrten Tickets zu kommen.

Stuhlinger selbst und seine Band „EMU“ mit Eberhard Hermann und Ulli Betz legten dazu noch gegen Ende der dreistündigen Show eine fetzige Persiflage auf AC/DC aufs Parkett – mit schwäbischen Texten aus der Heimat. Auch gab es „Georgia on my mind“ auf die Ohren, wobei der heimische Georgenberg, der „Schorschi“, gemeint war.

Und so klein der Klosterkeller auch ist: Für Schmalzbrote, Sekt, Bier und Wein  ist immer noch Platz, getanzt aber wurde oben im Foyer. Bärbel Martini hatte mit ihren Mädchen Jazz und Modern Dance im Programm, und dann waren da ja noch zwei klapprige Tanten, die zunächst am Tisch eines Kaffeehauses saßen, um sogleich ihre Gehstöcke wegzuwerfen. Dreimal wechselten Elena Betz und  Lena Stuhlinger ihr Outfit – und legten hinreißende Tänze zum Motto des Abends „Kultur hoch drei“ hin.

Gleich eingangs hatte unten im Gewölbe Romy Sommer einen umjubelten Gesangsbeitrag mit Aretha Franklins „Natural woman“, stimmungsvoll am Klavier begleitet von Constanze Barocka. Und nachdem Johanna Döffinger und Luzie Eber mit fein gedrechselten und ironisch skurrilen Sätzen Poetry Slam ablieferten, trommelte sich vor dem Finale von KIK der junge Jan Hauf in die Herzen des Publikums.

Eine Premiere hatte die Schwäbin mit irischen Wurzeln, Alice Nolan, mit selbst getexteten Liedern, was ebenso gut ankam, wie Holger Schlossers Text über die genervte Nachbarin eines dilettantischen Klavierspielers. Zwischenzeitlich beschäftigte sich Conférencier Miedel Stuhlinger immer wieder mit den Reizthemen 2018. So wurde das Freibad im Jahrhundertsommer bekanntlich ohne Not viel zu früh geschlossen. Und immer noch schwelt der Streit darüber, ob es in neuen Tempo-30-Bereichen nicht doch wieder die bisherige Vorfahrtsregelung geben soll.

Mit „Spiel‘ mir das Lied vom Tod“ unterlegte der Hobbyfilmer Lothar Gutzeit seine sensationelle, weil höchst seltene Aufnahme von einem hungrigen „Froschkönig“, der – ganz real – einen Fisch im Maul hält.

Nicht fehlen durfte schlussendlich die Fortschreibung des Pfullinger Heimatlieds um weitere zwei Strophen und seinem traditionellen Refrain, den das Publikum aus vollen Kehlen mitsang: „Leck mich am … Abendrot im Echaztal“.

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