Reutlingen Trolle, Feen und Einhörner

"Spielen Sprechen" - ein Theaterprojekt für Kinder. Am Samstag zeigen zwei Aufführungen die Ergebnisse - selbst entwickelte Geschichten.
"Spielen Sprechen" - ein Theaterprojekt für Kinder. Am Samstag zeigen zwei Aufführungen die Ergebnisse - selbst entwickelte Geschichten. © Foto: Kathrin Kipp
Reutlingen / KATHRIN KIPP 24.05.2016
Rund 50 Kinder machen mit. Derzeit läuft wieder das Theaterprojekt "Spielend Sprechen" von LAG und Dialog e.V. - wir besuchten eine Probe.

"Mir ist langweilig", sagt der Magier. "Die Betreuer sind nicht da. . .was könnt ich denn zaubern. . .vielleicht einen Sandsturm? Ach nee, dann seh" ich ja nichts mehr." Und so kommt der Magier auf die Idee, er könnte ja einen Verwandlungssee zaubern.

Gedacht, getan. Schon kommen Trolle, Prinzessinnen und Feen des Wegs. "Boah, die Blumen waren so salzig, ich hab' so Durst." Ah, da ist ja ein See. Und so trinken sie das Wasser. Und verwandeln sich prompt in Einhörner und Tiger. Nicht gut. Vor allem der Tiger wirkt sehr gefährlich. Sofort den Magier belabern, dass er die Prinzessin wieder zurückverwandelt. Solche phantasievollen Szenen werden jetzt wieder in den Räumen vom Integrations- und Bildungszentrum Dialog e.V. (auf dem Ex-Kasernenareal Ringelbachstraße) durchgespielt, einstudiert und den anderen Kindern vorgeführt.

Jetzt in den Pfingstferien machen sie nun schon zum fünften Mal beim Theaterprojekt "Spielend Sprechen" mit. Zwei Wochen lang Theaterspielen und Toben, bis zum 28. Mai, da gibt's dann eine öffentliche Abschlussvorführung im Domizil Heppstraße der LAG (Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik.

Zwölf Theaterpädagogen und Assistenten sind dabei. Durch die "nachhaltige und kontinuierliche" Arbeit im Projekt sind nämlich die Betreuer von Dialog e.V. nun auch schon mehrere Jahre mit von der Partie und dadurch theaterpädagogisch voll routiniert, erklärt Monika Hunze von der LAG. Sie organisiert zusammen mit Galina Lerner vom Dialog e.V. das Projekt.

Fünfzig Kinder nehmen wieder teil, im Alter von acht bis zwölf Jahren und aus zehn Nationen: Vor allem Kinder aus dem Umfeld der Ringelbachstraße, aus der Hohbuchschule und welche, die über Kontakte zu Schulen und Sozialarbeitern dazugekommen sind. Dieses Mal spielen auch zwei syrische Flüchtlingskinder mit, die kaum Deutsch sprechen, aber "Theater geht ja auch ohne".

Theaterspielen verfeinert automatisch das Sprechen und die Kommunikation. Außerdem entstehen beim Projekt neue Freundschaften. Selbstbewusstsein wird getankt, und selbst "stille Wasser" gehen mal aus sich raus.

Finanziert ist das Projekt von der Stadt Reutlingen und der GWG, der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft). Daher stammt etwa die Hälfte der Kinder aus Familien, die in GWG-Wohnungen leben. Neu ist dieses Jahr, dass der bisherige Bundeszuschuss ausgelaufen ist, erklärt Monika Hunze. Weshalb die Kids auch eine Eigenbeteiligung von 60 Euro beisteuern müssen.

Neu ist auch die Methode, mit der die Theaterpädagogen Volker Schubert und Ulrike Tilke vorgehen, "Theater direkt", heißt sie. Die Jahre zuvor wurden die Stücke und Szenen immer aus bestimmten Vorlagen wie Bilderbücher heraus entworfen. Dieses Mal entwickeln die Kinder ihre eigenen Geschichten.

Der jeweilige Gruppenleiter gibt dabei ein Thema oder eine Figur vor, darum herum wird auf assoziative Weise ein Plot gesponnen. Sofort werden die Rollen verteilt und Szenen entworfen, so dass es sein kann, dass in 30 Minuten eine Geschichte entsteht. In einer anderen Gruppen wurde zu Musik einfach mal gemalt, was den Kids so in den Sinn kam. So ging es plötzlich um die Elemente Feuer und Wasser. Wie sie sich gegenseitig bekämpfen: "Wir sind das Feuer. Wir besiegen euch!" "Nein, das Wasser löscht das Feuer. Wasser ist überall."

Mittlerweile wurde auch die Tagesstruktur des Theater-Ferienprogramms optimiert: Jeden Tag wird in der Hohbuchschule ein Mittagessen gekocht. Und in den Pausen dürfen die Kinder draußen toben und Fußball spielen, unter der Leitung von Jugendlichen, Praktikanten und Schauspielschülern, damit sie sich nachmittags wieder ganz aufs Theaterspielen konzentrieren können. Am Ende jeden Tages spielen sich die einzelnen Gruppen dann gegenseitig etwas vor.

Gegen Ende der zwei Wochen steigen dann in der Heppstraße die Endproben. Ulrike Tilke und Volker Schubert überlegen bis dahin, wie sie die verschiedenen Geschichten und Elemente zu einem Gesamtstück zusammensetzen können.

Aufführungen

Spielend Sprechen Zum Abschluss des Theaterprojekts von LAG und Dialog e.V. gibt es öffentliche Aufführungen - und zwar am kommenden Samstag, 28. Mai, 11 und 15 Uhr, in den Räumen der LAG,Heppstraße 99, Reutlingen.

SWP