Reutlingen Tonne: Abschied vom Provisorium?

Reutlingen / Ralph Bausinger 23.01.2015
Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat gestern den Baubeschluss für den Theaterneubau an der Jahnstraße vorgestellt. Am 3. März wird der Gemeinderat über das 8,41-Millionen-Euro-Projekt entscheiden.

Es war ein mühsamer, anstrengender Prozess, der insgesamt zehn Jahre gedauert hat. Mit dem jetzt vorgelegten Entwurf für den Theaterneubau auf dem ehemaligen Listhallenareal nimmt die dritte Säule der Kulturkonzeption – nach franz.K und Stadthalle – Gestalt an. In der Beschlussvorlage ist von einem „Meilenstein in der Theaterentwicklung“ in und für die Stadt die Rede. Und Barbara Bosch zeigte sich in der Pressekonferenz gestern überzeugt, dass Reutlingen mit dem Bau als Theaterstandort in die Region ausstrahlen werde.

Der Entwurf sieht eine architektonisch-ansprechende Lösung mit einem zweigeschossigen Neubau vor. Die Gesamtfläche umfasst 2288 Quadratmeter – das sind nur 26 Quadratmeter mehr als jetzt in der Planie 22. Und doch sind alle Beteiligten überzeugt, dass sich die Voraussetzungen für den Theaterbereich grundlegend verbessern werden.

Der Zugang zur neuen Spielstätte erfolgt über eine Loggia, links geht es zum großen Saal, der eine flexible Bestuhlung mit rund 200 Plätzen erhalten soll – eine „ideale Größe“ für die Reutlinger Theaterlandschaft, wie Tonne-Verwaltungsleiter Matthias Schmied sagte. Dazu kommen zwei unterschiedlich große Probebühnen. Die größere bietet Raum für 100 Zuschauer und ist unter anderem für Schulaufführungen gedacht.

Ebenfalls im Erdgeschoss wird es zwei Montagehallen geben; Büros, die Probebühne 2, die Künstlergarderobe und der gesamte Bereich Werkstätten, Fundus und Requisite sind im Untergeschoss untergebracht. Dadurch dass das Untergeschoss um 50 Zentimeter erhöht wurde, lassen sich zwei Lagerebenen einziehen.

Ein Hingucker soll die neue, spiegelnde Glasfassade werden, die sehr gut mit der Stadthalle korrespondiere, wie Peter Geier, Leiter des Gebäudemanagements Reutlingen (GMR), ausführte. Nach hartem Ringen ist es laut Geier gelungen, mit dem Neubau „Architektur, Nutzung und Kosten unter einen Hut zu bringen“. Der Neubau sei auch wichtig, ergänzte Kulturbürgermeister Robert Hahn, um weitere Theaterangebote abzusichern und so ein Stück Theaterentwicklung zu gewährleisten. Tonne-Intendant Enrico Urbanek stellt die Funktionalität des Gebäudes heraus: „Vieles ist möglich.“ Es sei auch toll gewesen, mit engagierten Leuten zu arbeiten, die um die beste Lösung ringen.

Pläne, das Vorhaben mit Blick auf die schwierige Finanzlage zu verschieben, erteilte die Oberbürgermeisterin eine deutliche Absage. Die 8,41 Millionen Euro liegen rund 8,3 Prozent über den beim Grundsatzbeschluss im Februar 2013 veranschlagten Betrag von 7,76 Millionen Euro – im Wesentlichen laut Bosch die Folge gestiegener Baukosten in den vergangenen Jahren. Zudem wäre, wie Bosch ausführte, eine Ertüchtigung der Spielstätte in der Planie 22 erheblich teurer.

Um die Kosten des Neubaus nicht weiter zu steigern, wurde unter anderem auf eine Begrünung des Daches, eine Küche für das Foyer oder auch die Kühlung und Befeuchtung der Raumbelüftung verzichtet.Eingespart wurden auch zusätzliche bühnentechnische Installationen und ein verbesserter Schallschutz an den Türen. Die Konsequenz: Großer Saal und Probebühne 1 lassen sich künftig nicht parallel bespielen.