Waren bisher auswärtige Sing-Kulturen auf die Bühne von Karl Grüners „Café Cantante“ im Kulturzentrum franz.K gekommen, bot er nun einen Liederabend mit deutschsprachigen Werken im Café-Ambiente, mit kleinen Tischen im Parkett, Getränken und Rosen – ähnlich wie bei den „Schubertiaden“ in Wien.

Auch die Künstler waren diesmal neu: die junge Mezzosopranistin Felicitas Brunke, Absolventin der Liedklasse von Hartmut Höll in Karls­ruhe, das a-cappella-Quartett „Rasselbande“, überwiegend besetzt mit ehemaligen capella-vocalis-Sängern (Matthieu Binder, Anselm Bieber, Leonhard Geiger, Florian Hartmann), und  die Pianistin Woojung Jang, ebenfalls aus Hölls Karlsruher Lied­klasse.

Das Konzept des Abends bestand darin, die ganze Spannweite der Gattung „Lied“ aufzuzeigen. Die durchmisst man nicht einfach so in zweieinhalb Stunden. Doch die Solisten samt Pianistin hatten eine vielseitige Auswahl getroffen: ausgehend von der Romantik (Mendelssohn, Schubert) zogen sie kreuz und quer durch Stile und Besetzungen, über Alban Berg zum Schemelli-Gesangbuch (Gib dich zufrieden und sei stille), von dort über „Muss i denn“ zu Schreker, Silcher, Eisler und so fort; auch ein Lied ohne Worte wurde stilvoll von Woojung Jang am Flügel eingeflochten. Das Einzige, was man eventuell an diesem Abend  vermissen konnte, war die Spezies der Liedermacher als Nachfahren der Lied-Komponisten.

Die Abfolge orientierte sich mehr oder weniger am Thema „Jahreszeiten“, das der jeweilige Moderator – die Quartettsänger wechselten sich dabei ab – launig bis flapsig zwischen die Blöcke und Stücke einflocht, ohne letztere jedoch vollständig zu benennen.

Vielleicht hätte doch besser wie sonst Karl Grüner moderieren sollen? Zwar hört man anders hin, wenn man nicht weiß, was da kommt, doch mancher hätte das Gehörte dann doch gern eingeordnet. Zumal die sechs jungen Künstler das Programm nicht nur gut gelaunt, sondern auch gekonnt, engagiert und quicklebendig darboten. Wer im vorderen Bereich saß, konnte spüren, wie intensiv sich alle mit den recht unterschiedlichen Stücken auseinandergesetzt haben müssen, und wie viel Spaß ihnen die Sache machte. Manch’ tiefer Klage über verlorene Liebe folgte allerdings postwendend die ironische Brechung durch einen flotten Schlager (Wer wird denn weinen!), für gute Laune – auch beim lebhaft applaudierenden Publikum – sorgten zudem bekannte a-cappella-Stücke der älteren Kollegen (Wise Guys, Die Prinzen).

Dazwischen begegnete man kurz dem Tod bei „Der Tod und das Mädchen“, fesselnd dargestellt durch Felicitas Brunke und Florian Hartmann in sensibler Lichtregie. „Ich hab’s überlebt“, so der trockene Kommentar. Zum Ende hin besang man den Frühling, wobei die Romantik erneut kess konterkariert (Geh’n wir Tauben vergiften im Park!) und von einem neuen Kunstlied (Rihm, Der Wanderer und sein Schatten) kontrastiert wurde, gefolgt von einem Reger’schen Chorsatz. Bunter geht’s nicht!

Den Abschluss bildete Schuberts „Ständchen“ (Zögernd leise). Hier ging das mehrstimmige Singen in szenische Darstellung über: „Leise!“ mahnte die Altstimme, und auf „Leise schleichen wir uns wieder fort“ entfernten sich die vier Singenden nach hinten – um jedoch dem frenetischen Applaus des Publikums folgend mit einer besinnlichen(!) Zugabe nochmals nach vorn zu treten.
Susanne Eckstein