Letztes Jahr waren es 24 000. 2015, so schätzt man, könnten es um die 33 000 werden. Die Zahl der Flüchtlinge, die wegen politischer oder gesellschaftlicher Unbilden ihre Heimat verlassen und in Baden-Württemberg Zuflucht suchen, steigt. Die eine Herausforderung ist es nun, ihnen ein Dach über den Kopf zu bieten - die andere, ihnen durch Anteilnahme und individuelle Hilfestellungen ein Gefühl von (neuer) Heimat zu vermitteln. Unzählige Menschen in Organisationen, Netzwerken und Initiativen leisten eben das. Oft im Ehrenamt. Oft im Verborgenen.

Am Freitagabend nun bereitete ihnen das Regierungspräsidium Tübingen erstmals ein Podium. 120 Akteure, die sich in den acht Landkreisen des Bezirks besonders verdient um die Integration von Flüchtlingen gemacht haben, waren zum Empfang mit Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) nach Tübingen gekommen. Eine Gelegenheit, sich auszutauschen. Eine Gelegenheit aber vor allem, Danke zu sagen. Davon Gebrauch machte zunächst Vizepräsidentin Grit Puchan, in Vertretung des erkrankten Regierungspräsidenten Hermann Strampfer. Sie dankte den haupt- und ehrenamtlichen Helfern für die "praktizierte Mitmenschlichkeit", mit der sie "den Grundstein für eine gelebte Willkommenskultur legen". Ein Gegenentwurf, "den wir sehr nötig haben in der Bundesrepublik Deutschland", bemerkte sie.

Ausdrücklich schloss sie in ihren Dank auch Kommunen, Städte und Landkreise ein. Nur durch die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, sei es möglich gewesen, die Kapazitäten im Regierungsbezirk Tübingen im letzten Jahr teilweise zu verdoppeln. Insgesamt 4200 Flüchtlinge konnten untergebracht werden: "Mein großer Respekt." Ihr Respekt galt auch den Behördenmitarbeitern, die nicht selten bis an die Belastungsgrenze gehen. Die Rahmenbedingungen setzt das Land mit der Integrationsministerin Bilkay Öney. Und das mit Nachdruck, wie sie anführte.

Lagen die Mittel zur Unterbringung von Flüchtlingen 2011 noch bei 60 Millionen Euro, sollen sie im Doppelhaushalt 2015/16 auf insgesamt 680 Millionen Euro steigen: "Wir haben viel Geld in die Hand genommen", hielt sie fest. Aber: "Das Geld wäre nichts ohne die Menschlichkeit im Lebensumfeld." Öney zeigte sich tief beeindruckt von den "Mutbürgern", die etwa in Meßstetten oder in Sigmaringen ein breites, "ungebrochenes Engagement" beweisen und sich die Betreuung der Flüchtlinge teilweise zur persönlichen Aufgabe machten: "Ich bin jedes Mal sehr überwältigt", gestand sie. Für sie ist Meßstetten das positive Gegenmodell zu Tröglitz. Fahrdienste, die Begleitung bei Arzt- oder Behördengängen oder etwa die Organisation von Kleidermärkten: Oft seien es unspektakuläre, aber gleichwohl wirkungsvolle Hilfen, die die ersten Schritte der Flüchtlinge in ihrem neuen Lebensumfeld prägen: "Dafür danke ich Ihnen." In Öneys Dank eingeschlossen, die besten Grüße von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Der Empfang war musikalisch umrahmt durch das Duo Wolfgang Lindenfelser und Thomas Horstmann. Eine thematische Annäherung wagte Stefan Österle vom Stuttgarter "Dein Theater". Sein Gedanken-Spiel beleuchtete in Wort und Gesang skizzenhaft die humanistische Tradition des Abendlandes. Eine Kultur, die nicht denkbar sei ohne die kompromisslose Achtung des Mitmenschen. Die hintersinnige Collage trug den Titel: "Die Würde des Menschen ist antastbar."