Reutlingen/Tübingen Therapieerfolg scheint möglich

Reutlingen/Tübingen / SIMON WAGNER 22.07.2016
Im Prozess gegen einen 45-jährigen  Chatter wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens und  Vergewaltigung wurde  gestern der Psychiater gehört.

Im Prozess gegen einen 45-jährigen Reutlinger, der mittels einer Online-Plattform Kontakt zu jungen Mädchen aufgenommen, sich mit ihnen getroffen hat und sich nun unter anderem wegen des sexuellen Missbrauch eines Kindes und wegen dem Vorwurf der Vergewaltigung vor dem Landgericht Tübingen verantworten muss, legte gestern Dr. Peter Winckler das psychiatrische Gutachten vor.

Er kommt zu dem Schluss, dass der Angeklagte in der fraglichen Tatzeit schuldfähig war. Zwar hätte sich der Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung ergeben, doch sei sein Tatverhalten geprägt gewesen von einer planvollen Herangehensweise. Gutachter Winckler geht derweil beim Angeklagten nicht von einer „fixierten Pädophilie“ aus. Er sprach sich für eine Therapie während der möglichen Haft aus, sieht er im Angeklagten doch den Hang zu weiteren Taten.

Von einer Sicherungsverwahrung rät der Sachverständige indes ab. Er hält den 45-Jährigen prinzipiell für beeinflussbar, die Erfolgsaussichten einer Therapie schätzt er „verhalten optimistisch“ ein.

Gestern äußerte sich der Angeklagte über seinen Anwalt erstmals im Verfahren vor dem Landgericht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er bestritt, im Gegensatz zu den entsprechenden Zeugenaussagen, die Mädchen zum Sex gezwungen zu haben.

Den Kontakt zu den jungen Frauen habe er unter falschen Identitäten aufgenommen, um sich selbst zu bestätigen und sei dabei in einen regelrechten Sog geraten. „Ich habe mehr und mehr einen Realitätsverlust erlitten, weil ich im wahren Leben nichts auf die Reihe gebracht hatte“, bereute er sein Verhalten.

Einen ausführlichen Bericht gibt es in der morgigen Ausgabe.