Reutlingen Thede: „Nicht Risiken der ‚Industrie 4.0‘ überbetonen, sondern Chancen nutzen“

Reutlingen / SWP 20.07.2016
Reiner Thede warnte am Montag beim Unternehmerforum davor, die Chancen der Digitalisierung durch vorschnelles Regulieren zu verspielen.

Die Chancen der Digitalisierung dürfen nicht durch vorschnelles Regulieren aufs Spiel gesetzt werden, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Reiner Thede, am Montag beim 4. Reutlinger Unternehmerforum. „Wir sollten nicht die Risiken der ‚Industrie 4.0‘ überbetonen, sondern deren Chancen nutzen, um unseren Wirtschaftsstandort zu sichern“, sagte Thede, der auch Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen ist. „Der von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles initiierte Dialog ‚Arbeiten 4.0‘ darf nicht zum Nährboden für einen unbegründeten politischen Aktionismus werden“, warnte er.

Die Industrie 4.0 werde durch neue Formen flexibler Produktion neue Möglichkeiten für das mobile Arbeiten eröffnen, so der Arbeitgeber-Vertreter. „Die zeitlichen und räumlichen Grenzen zwischen Arbeitswelt, Familie und Freizeit werden dabei weniger deutlich sichtbar sein als sie es heute sind“, sagte Thede. „Die Arbeit 4.0 darf allerdings keine Einbahnstraße werden, in der neben den Ansprüchen der Beschäftigten auf selbstbestimmte Arbeitszeit und Home Office die betrieblichen Realitäten verkannt werden.“ Die Interessen der Unternehmen und der Beschäftigten müssten in einen sinnvollen Ausgleich gebracht werden, betonte er: „Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Motivation der Beschäftigten gleichermaßen erhalten und gesteigert werden.“

Damit diese flexiblen Arbeitsmodelle funktionieren können, müssten die derzeitigen arbeitsrechtlichen Vorgaben gelockert werden, sagte Thede: „Modernen flexiblen Arbeitszeitmodellen mit selbstbestimmter Arbeitszeit werden heute etwa durch die tägliche Höchstarbeitszeitgrenze von maximal acht beziehungsweise zehn Stunden zu enge Grenzen gezogen“, erklärte er. Gleiches gelte für die zusammenhängend zu gewährende mindestens elfstündige Ruhezeit zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn. „So kann es dem Wunsch des Beschäftigten entsprechen, ein Projekt an einem Tag abzuschließen, auch wenn er hierfür mehr als zehn Stunden arbeiten muss, sodass er dafür am nächsten Tag sein Kind zum Fußballtraining begleiten kann“, so Thede. „Ich könnte mir vorstellen, dass man zu einer neuen Definition kommen muss, in welchen Takten sich Menschen über Gebühr belastet fühlen.“

Hauptrednerin beim von der Südwestmetall-Bezirksgruppe und dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft ausgerichteten Unternehmerforum war die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner. Ihr Thema: „Die Zukunft der Arbeit gestalten“ .

Südwestmetall

Die Bezirksgruppe Reutlingen von Südwestmetall und des tarifungebundenen Unternehmensverbandes Südwest betreut in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Calw, Freudenstadt, Zollernalb und im nördlichen Teil des Landkreises Sigmaringen 209 Betriebe mit rund 51?000 Mitarbeitern.