Den immer häufiger auftretenden Jahrhunderthochwassern muss nun in zahlreichen Raumschaften und Kommunen ein  Jahrhundertprojekt folgen, das künftig einen umfassenden Hochwasserschutz gewährleisten soll. Am Donnerstag wurde ein solches für die Echaz in Unterhausen vorgestellt – und die Reaktion von Bürgermeister Peter Nußbaum brachte die Befindlichkeiten der Gemeinderäte auf den Punkt: „Da verschlägt es einem fast die Sprache.“

Mit Simulationen, hydraulischen Berechnungen und dreidimensionalen Modellen hat sich das Büro Fritz-Planung GmbH aus Bad Urach beschäftigt und solche erarbeitet. Das Ergebnis liest sich so: Nach heutigem Stand sind für die „Hochwasserfreilegung“ elf Millionen Euro aufzuwenden, die Inflation nicht eingerechnet; und auch nicht mögliche Verzögerungen durch Genehmigungsverfahren. Am Ende könnten es nach 20 Jahren durchaus 15 Millionen Euro sein.

Ein großer Regenrückhalt müsse geschaffen werden – dies mit Dämmen im Reißenbachtal im Südwesten Unterhausens, denn dort drückt das Hochwasser  gewaltig in Richtung Echaz. Das Volumen beträgt rund 60 000 Kubikmeter. Und auch im Nordwesten, am Stahleckerbach, sei ein solch großes Bollwerk gegen die Fluten unverzichtbar. Allein für diese Hochwasser-Rückhaltebecken, das etwa sechs Meter hoch sein würde, belaufen sich die Kosten auf rund 5,4 Millionen Euro. Wobei die Gemeinde noch nicht im Besitz aller Grundstücke ist, die sich dort befinden.

Martin Seckel-Schmidt, der zusammen mit seinen Kollegen des Büros Fritz die Echaz und die anderen neuralgischen Punkte vermessen hat, spricht die Gefahr „urbaner Sturzfluten“ immer sehr konkret an und riet in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag zu Eingriffen in neun weiteren Abschnitten, wofür auf einer Gesamtlänge von 4,5 Kilometern mit Kosten von mindestens weiteren 5,2 Millionen Euro zu rechnen ist – nach heutigem Kostenstand. Als nächster Schritt ist die Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde vorgesehen. Außerdem muss vor allem geklärt werden, wie hoch die Fördermittel sind. Deren bauabschnittsbedingter Zufluss ist kompliziert zu berechnen. Doch falls die Gemeinde alles stringent so durchzieht, wie beantragt, könnte der Förderanteil 70 Prozent betragen. Gemeinderat Alfons Reiske (SPD) hat überschlagen, dass die Gemeinde in zehn Jahren pro Jahr mindestens 400 000 Euro selbst aufbringen muss.

Arnold Sendler (Grüne) rechnet mit einem „Klimawandel-Aufschlag“ von 15 Prozent – und einer Bauzeit von eher 20 Jahren. Gebaut werden müsse also entsprechend eines Jahrhunderthochwassers (HQ 100) plus dem „Klimafaktor 15“. Die CDU-Gemeinderäte Marco Gass und Bernd Hageloch (beide CDU), sowie Günther Frick (FWV) rieten eindringlich dazu, um die Brücken herum und in den Hohlräumen sofort zu beginnen, ordentlich auszuputzen.

Kritisch dürfte laut Arnold Sendler auch die Sichtbeziehung zwischen Wohnbebauung und den beiden großen Dämmen sein. Wobei sich Susanne Kromer (Grüne) derart große Bauwerke in der Siedlungslandschaft „überhaupt nicht vorstellen“ möchte.

Jürgen Herdin