Reutlingen Teufel: Die Leute haben immer auf Dich gehört

Beim Abschied (von links): Elisabeth Hillebrand, Justizminister Guido Wolf, Dieter Hillebrand, der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel, der Bundestagsabgeordnete Michael Donth und Stadtverbandsvorsitzende Gabriele Gaiser.
Beim Abschied (von links): Elisabeth Hillebrand, Justizminister Guido Wolf, Dieter Hillebrand, der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel, der Bundestagsabgeordnete Michael Donth und Stadtverbandsvorsitzende Gabriele Gaiser. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 14.07.2016
Hohe CDU-Prominenzdichte in Reutlingen: Nach 15 Jahren Landtag verabschiedete die Partei nun Dieter Hillebrand (65). Die Festrede hielt Erwin Teufel.

 „Zu viel Weihrauch rußt den Heiligen“, merkte der ehrenvoll Verabschiedete an. Ganz offiziell „schwarz“ wurde Dieter Hillebrand, der sich natürlich nicht als „Heiligen“ sieht, im Jahr 1980, als er damals in eine CDU eintrat, die seit 1978 von Lothar Späth als Ministerpräsident geführt wurde.

Zu der Zeit war Erwin Teufel, der von 1991 bis 2005 Ministerpräsident des Landes war, bereits zwei Jahre Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Land. Und er erinnert sich nur gut an seinen Parteifreund Dieter Hillebrand.

Bereits in seiner Zeit als Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg von 1987 bis 2004 seien Hillebrand und sein Team mit ihren profunden Kenntnissen der Kommunalpolitik „eine ganz wichtige Hilfe für Bürgermeister und Kommunen“ gewesen, sagte der heute 76-jährige Teufel in seiner Festansprache bei der parteiinternen Verabschiedung von Dieter Hillebrand aus dem Landtag.

Damals dachte der in Markdorf am Bodensee geborene Hillebrand wohl noch nicht daran, dass er als CDU-Abgeordneter, das wurde er 2001, später dreimal hintereinander Staaatsekretärs-Posten bekleiden würde, dazu noch in drei verschiedenen Ministerien.

Allerdings fiel er den Christdemokraten im Landtag schon früh auf als ein Mann, der nicht nur „eine Bereicherung für die Landtagsfraktion“ war, so Teufel in seiner Rückschau. Vielmehr hätten die Parlamentarier und deren Mitarbeiter in Stuttgart „stets auf Dich gehört“, bestätigte ihm der Alt-Ministerpräsident. Mehr noch: „Du hast auch mich überzeugt“, so Teufels Adelsschlag am Dienstagabend im Betzinger Hotel Fortuna.

Dorthin hatte der Stadtverband der CDU mit Gabriele Gaiser an der Spitze geladen – und die Parteiprominenz des Landes ließ sich nicht zweimal bitten. Neben Erwin Teufel und Ehefrau Edeltraud kam auch der frischgebackene Justizminister Guido Wolf. Gegen später stießen noch die stellvertretenden Fraktionschefs Winfried Mack und Karl-Wilhelm Röhm dazu.

Nicht fehlen durfte da freilich der Bundestagsabgeordnete  im Wahlkreis Reutlingen, Michael Donth. Und auch der künftige Regierungspräsident Klaus Tappeser machte seine Aufwartung. Hillebrands ehemalige Chefin Dr. Monika Stolz war ebenfalls gekommen.  Die gebürtige Pfälzerin war von 2006 bis 2011  baden-württembergische Arbeits- und Sozialministerin. Und Stolz ließ es sich nicht nehmen, in ihrem Grußwort schon auch darauf zu verweisen, dass Hillebrand 2006, als er als Staatssekretär in ihr Ministerium wechselte, dies  nicht mehr und nicht weniger als eine Art „Zwangsversetzung“ empfunden habe.

Doch schließlich würden die Christdemokraten ja auch „für soziale Verantwortung stehen und für die Schwachen einstehen“, so Stolz. Und das habe der aus dem Finanzressort gekommene Staatssekretär Hillebrand unter Beweis gestellt. „Es war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, unterstrich Stolz.

Drei Staatsekretärs-Posten in drei Ressorts: Da galt es, flexibel zu sein. Die Bereitschaft, sich schnell einzuarbeiten, habe Hillebrand immer gehabt, beschied ihm sein Parteifreund Guido Wolf. So war der studierte Jurist Hillebrand 2004 und 2005 Staatssekretär im Ministerium für Umwelt und Verkehr, danach im Finanzministerium – und von 2006 bis 2011 im Ministerium für Arbeit und Sozialordnung. Ein Amt, das ihm sichtlich gefiel. Und dabei kam er auch viel herum im Lande.

Da erkannten er und Guido Wolf noch nicht, welche Rolle ein „Bobby-Car“ für die CDU im Lande spielen würde. Nur wer sich leidenschaftlich und von der Pike auf der Kommunalpolitik gewidmet habe, könne irgendwann einmal auch ein Spitzenamt ausüben. Mit diesen Worten, oder so ähnlich, zog Guido Wolf durchs Land, um für sich als Ministerpräsidenten-Kandidat zu werben. Da ist er mit Dieter Hillebrand d’accord. „Er ist ein ehrlicher Verbündeter“, sagte Wolf, der sich an folgende Begebenheit erinnerte.

Beide trafen sich, als Wolf noch Landrat von Tuttlingen war, zur Einweihung eines Kindergartens. So begab es sich, dass Wolf den Kleinen ein Bobby-Car besorgen sollte. „Das war nicht rot, sondern natürlich schwarz – hatte aber ein grünes Lenkrad“. So kam’s dann ja politisch nach der Wahl im März.

„Dieter Hillebrand dankte abschließend dem CDU-Stadtverband für dessen Unterstützung und versicherte, dass er die Zeit in den politischen Ämtern nicht missen wolle: „Ja, es war bereichernd.“ Gabriele Gaiser versprach er, auch künftig, nun eben in der zweiten Reihe, bereit zu stehen. Zum Beispiel in einem künftigen Wahlkampf.