Was die Bürgerinitiative „Wir sind Lichtenstein“ dieser Tage in einem offenen Brief an das Regierungspräsidium gefordert hat, könnte jetzt überraschend schnell, vorerst aber nur temporär während der Sperrung der Holzelfinger Steige, in die Tat umgesetzt werden: Die Einführung von Tempo 30 auch tagsüber im oberen Teil von Unterhausen und in Honau. Dort gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung bislang nur von abends 22 bis morgens 6 Uhr. Werner Neubrander und seine Mitstreiter waren allerdings nicht die Einzigen, die mit diesem Ansinnen bei den zuständigen Behörden aufgeschlagen sind. Auch die Kommune hat auf Wunsch des Gemeinderats bei den Ämtern angeklopft.

Die Gemeinde hat das Ausdehnen von Tempo 30 auf den ganzen Tag beim Regierungspräsidium beantragt und hat dabei den Weg übers Landratsamt gewählt. Und das hat das Anliegen der Lichtensteiner befürwortet, wie Bürgermeister Peter Nußbaum in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag verkünden konnte. „Ich gehe schwer davon aus, dass das RP nun auch zustimmt“, erklärte er und hofft, dass es auf den Ortsdurchfahrten Unterhausen  Süd und Honau schon bald soweit ist und die Tempo-Reduzierung rund um die Uhr gilt. Erfolgreich waren Bürgerinitiative und Gemeinde mit ihrem Antrag wohl auch deshalb, weil die Verkehrs- und Lärmbelastung an den beiden Streckenabschnitten seit der Sperrung der Holzelfinger Steige deutlich zugenommen hat. Inzwischen sind im südlichen Teil Unterhausens wohl genauso viele Fahrzeuge unterwegs wie im nördlichen, Pfullingen zugewandten Bereich.

„Wir brauchen jetzt Ihre Hilfe und eine unverzügliche Entscheidung, um den Verkehrskollaps in Lichtenstein zu verhindern. Eine schnelle Entscheidung könnte ohne großen Aufwand sofort umgesetzt werden. Sie müssen lediglich die Zusatzschilder mit der zeitlichen Eingrenzung der Gültigkeit von Tempo 30 an der Friedrich-List-Straße und in Honau abmontieren und wenn die Holzelfinger Steige wieder offen ist, können diese Zusatzschilder wieder angeschraubt werden. Die Blitzanlagen sind schnell umgestellt“, hatten Werner Neubrander und seine Mitstreiter von „Wir sind Lichtenstein“ dem Verkehrsreferat des RP ans Herz gelegt – und sind damit wohl auf offene Ohren gestoßen.

Bei der temporären Regelung soll es aber nicht bleiben. Die Gemeinde sähe die Ausdehnung von Tempo 30 auf 24 Stunden am Tag auch gern langfristig umgesetzt – was dank der Fortschreibung des Lärmaktionsplans und eines Kooperationserlasses möglich wäre. Demnach wäre die Rund-um-die-Uhr-Regelung auch schon bei einer geringeren Lärmbelastung als jetzt möglich. Der Antrag der Gemeinde ist derzeit im Werden – und bezieht sich nicht nur auf Honau und Unterhausen Süd, sondern auch auf Holzelfingen, das, wenn die Steige nicht gerade gesperrt ist, ebenfalls unter der Verkehrslast ächzt.

Doch nicht nur was Tempo 30 selbst angeht, wollen die Lichtensteiner noch an der ziemlich mauen Verkehrssituation arbeiten. Bernd Hageloch (CDU) sprach sich in der Gemeinderatssitzung für ein Parkverbot an einigen Stellen der Ortsdurchfahrt aus, „an denen nicht die Geschwindigkeit, sondern parkende Autos das Problem sind.“ Eine Anregung, die man bei der Verwaltung überdenken möchte, so Nußbaum,  der jetzt „schauen will, ob es Hot-Spots gibt, wo das Sinn machen würde“. Und schließlich hat die Gemeinde noch eine Forderung parat: Das Tempo-30-Schild soll am Ortseingang von Pfullingen her wieder an die Stelle versetzt werden, wo es früher stand.