Pfullingen Tauchen für die Auferstehung

Kalt war’s, aber auch ein erhebendes Gefühl, sehr konkret im christlichen Sinne getauft worden zu sein.
Kalt war’s, aber auch ein erhebendes Gefühl, sehr konkret im christlichen Sinne getauft worden zu sein. © Foto: Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 26.07.2016
Die Taufe ist auch ein Symbol für das Sterben und Auferstehen des Menschen. Am Sonntag gingen daher sechs junge Christen in die recht kalte Echaz.

Hinein mit ihren weißen Gewändern in die Echaz gingen sie freiwillig. Dann aber hatte es schon eines leichten Drängens des Pastoren Harald Schlegel und seines Mitarbeiters Christof Gminder bedurft: Die Täuflinge hielten die Luft an und wurden dann nahe des Feuerwehrhauses vollkommen untergetaucht – aber sie hatten es ja so gewollt. Die rund 120 Gemeindemitglieder und deren Besucher zum großen Fest spendeten reichlich Applaus, danach wurde gemeinsam gebetet.

Wie Albert Keppler vom Christlichen Zentrum der Echazstadt erläutert, haben die Täuflinge, zumeist junge Erwachsene, die Wahl: Sie können innerhalb des Gemeindehauses in der Marktstraße in einen Bottich steigen, der einem Weinfass nicht unähnlich ist, oder das Zeremoniell in der Echaz über sich ergehen lassen.“Wir machen das natürlich im Winter nicht“, sagt Keppler – und schmunzelt.

Die Pfingstbewegung der Protestanten – und der gehört das Christliche Zentrum an – versteht die Taufe als öffentliches Bekenntnis des Täuflings zu Jesus, dem der persönliche Glaube vorausgeht. Die Taufe symbolisiert zunächst den Tod, „wie ein Schiff, das untergeht“, so Keppler. Das Auftauchen aus den Fluten symbolisiert dann die Auferstehung Jesu, wie es im Römerbrief geschrieben steht. Außerdem ist das Prozedere mit dem „ganz echten“, authentischen Wasserbad ein Symbol dafür, dass der Mensch von seiner Sünde gereinigt wird.

  Sterbe, um dann aufzuerstehen: Diese ganz klassische Form der Taufe ist laut Jesus ein äußeres Zeichen für die geistliche Wiedergeburt des Menschen und die Voraussetzung für die Aufnahme ins Reich Gottes. Auch ist die Taufe eine Entscheidung, die bewusst getroffen werden soll. Daher rührt also die Praxis des Christlichen Zentrum, junge Erwachsene zu taufen.

„Als Gemeinde haben wir bis zu dreimal im Jahr Taufe“, so Keppler. Und nicht alle der Täuflinge müssten auch im Jugendalter sein. Erwachsene bis ins hohe Alter hinein können die Taufe ebenso empfangen.

Um den Menschen ein Vorbild zu geben, ließ sich Jesus übrigens selbst auch taufen, obwohl er das nicht zwingend nötig gehabt hätte – was im Evangelium von Matthäus im Kapitel 3, Verse 13-17, dargelegt wird. Das Christliche Zentrum als evangelische Freikirche begann allerdings erst 2008 mit dieser Form der Taufe, erinnert sich Keppler.

Die Gemeinde wurde 1995 vom Christlichen Zentrum Reutlingen gegründet. Sie hat  70 Mitglieder und wird von Pastor Harald Schlegel zusammen dem ehrenamtlichen Vorstand geleitet. Die Gemeinde trifft sich regelmäßig in dem ehemaligen Fabrikgebäude in der Marktstraße 45. Zusammen mit anderen evangelischen Kirchen und Freikirchen wurde der Verein „Freie evangelische Kinderbetreuung“ gegründet, der seit 2012 die Kita „Hand in Hand“ in der Kaiserstraße 96 betreibt.

Henri, Philippe, Amrey, Theresa Helene und Mareike lächelten nach dem Akt schon wieder fröhlich und wurden von ihren Verwandten beglückwünscht. Danach trafen sich die Gottesdienstbesucher zu einem Grillfest beim Gemeindehaus.