KINDERTHEATER Tanz den Traum vom grünen Baum

© Foto: KATHRIN KIPP
Tübingen / KATHRIN KIPP 10.11.2013

Ein fesches Bauarbeiter-Duo stampft zu Geigenmusik auf die Baustelle. Die beiden verräumen, betrommeln und verlegen Rohre. Aber eigentlich sind sie mit den Rohren völlig unterfordert. Ihnen geht’s nämlich ums ganz Große: um das Lebendige! Und so sammeln sie Apfelkerne, Kastanien und anderes Saatgut, um die Welt zwischen all den Plastikrohren ein wenig grüner zu gestalten.

Sonka Müller und Achim Braun spielen diese leicht tollpatschigen und wortkargen Bauarbeiter, die den Dingen gerne mal auf den Grund gehen. Sie basteln, forschen und vermessen die Welt. Und das mit viel Pantomime, Slapstick, ulkigen Geräuschen, Röhrenballett, Ausdrucksbewegung und Musik (Regie: Andrea Lucas/Adalbert Sedlmeier).

Inspiriert wurde das Theater Patati-Patata einerseits von der Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ von Jean Giono (1953), andererseits von einer realen Geschichte eines Bauers in Burkina Faso, der einen verdorrten Landstrich in der Sahelzone in mühevoller Pflanzarbeit wieder begrünt hat.

Das Theater Patati-Patata hat aus dem Stoff ein sportliches Objekt- und Bewegungstheaterstück mit schönen und effektvollen Rohr-Bildern gestaltet: Wie wenn sich hier zwei Theatertubbies in einen Montessori-Kindergarten verirrt hätten.

Gesprochen wird wenig, umso mehr musiziert, gesungen, marschiert, gegrölt, gestöhnt, geächzt. Und vor allem wird hier erkundet, was man mit schlichten Rohren alles so anstellen kann. Was nicht passt, wird passend gemacht. Und es wird enorm geschuftet, Sonka Müller wuchtet ihren Kollegen durch die Gegend. Zusammen erstellen sie gewagte Rohrkonstruktionen. Und wer viel schafft, muss auch viel Pause machen, in denen sich die zwei ihrem Hobby widmen: dem Wunder der Schöpfung.

Der Apfelkern wird in einen Topf mit Sand eingepflanzt, aber in Sachen Botanik sind die zwei noch echte Greenhorns. Sie spenden Luft, Wasser, Licht, bezirzen und beschwören den Topf: „Werd’ doch endlich grün!“. Aber nichts geht. Da hilft nur noch Singen: „Große Körner, kleine Körner, dick und rund.“ Die Samen wollen ein Wald sein, aber nicht aus allen wird etwas, lautet die leicht traurige Botschaft. Im Mittelteil wird’s dann plötzlich psychedelisch, der Geige ist es zunächst experimentell, dann verträumt-melodisch zumute, und Sonka Müller tanzt einen Stangentanz, bevor beide mit wild gewordenen Schläuchen kämpfen. Ein Baumarkt-Alptraum vielleicht? Als der Chef anruft und Druck macht, plumpst man zurück in die Realität. Und plötzlich bewegt sich doch was: Das Pflänzlein keimt und grünt. Die beiden Hobby-Schöpfer sind ganz aus dem Häuschen und vollführen Freudentänze.

Aber kaum zeigt sich der erste Erfolg, wendet sich auch schon die Höhere Gewalt gegen das kleine Glück: Ein riesenfettes Hagel-Gewitter zerstört alles. Die Apokalypse wird geräuschvoll gestaltet, alle Röhren fliegen durcheinander, auf der Bühne zeigt sich ein Bild der Verwüstung. Aber die zwei lassen sich natürlich nicht unterkriegen, fangen wieder von vorne an.

Und das ist die Moral von der Geschichte: Wenn man etwas will, man muss viel Geduld haben und darf den Mut nicht verlieren. Am Ende fabrizieren Sonka Müller und Achim Braun nämlich ein wunderschönes Plastik-Rohr-Paradies mit jeder Menge wundersamer Pflänzchen und Tiere – ein wahres Kunstwerk, eine Augenweide. „Tanz den Traum vom grünen Baum“, lautet die Hymne.

Flankierend zum Theaterstück bietet übrigens der Listhof einen Baumpflanz-Workshop an, nach dem Motto: Morgens Theaterkucken, mittags Bäumepflanzen.