Wohnungsbau Tanker nimmt ganz langsam Fahrt auf

Auch in Reutlingen mangelt es es vor allem an bezahlbarem Wohnraum.
Auch in Reutlingen mangelt es es vor allem an bezahlbarem Wohnraum. © Foto: dpa
Reutlingen / Ralph Bausinger 17.05.2018

Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum in der Achalmstadt gleicht ein wenig der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Peter Wilke, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Immobilien, präsentierte am Dienstagabend im Finanz- und Wirtschaftsausschuss einen Zwischenbericht, inwieweit einzelne Schritte der „Wohnbauflächenoffensive“ umgesetzt sind. Ihr wichtigster Punkt sieht vor, die Voraussetzungen für den Bau von jährlich 500 Wohneinheiten zu schaffen. 2016 erteilte die Stadtverwaltung 596 Baugenehmigungen, im Jahr 2017 waren es 467, wie Wilke ausführte.

Zum Gesamtpaket für mehr Wohnungen gehören auch Quoten für öffentlich geförderte Mietwohnungen (Stichwort: soziale Wohnungen) sowie preiswerte Miet- und Eigentumswohnungen. Überarbeitet wurden auch die Vergaberichtlinien für städtische Grundstücke. Die Stadt möchte noch in diesem Jahr jeweils eine Fläche im Baugebiet „Hau I“ (Sickenhausen) und „Im Besterwasen“ (Oferdingen) an die GWG veräußern, die dort 26 öffentliche geförderte Mietwohnungen errichten soll. Außerdem ist beabsichtigt, weitere fünf städtische Grundstücke für Bauträger auszuschreiben.

Die Wohnungsbaupolitik sieht  eine aktive Liegenschaftspolitik, Regelungen zur Baulandumlegung mit städtischen Ankaufsrecht für Grundstücke, die nicht innerhalb einer festgelegten Frist bebaut wurden sowie die Erstellung eines qualitativen Mietspiegels vor. All das sind Bestandteile des „Reutlinger Wegs in der Wohnungspolitik, den wir fortsetzen wollen,  wie Finanzbürgermeister Alexander Kreher sagte.

„Wohlwollend, aber mit wachsender Ungeduld“ nehme seine  Fraktion den Sachstandsbericht entgegen, sagte SPD-Stadtrad Thomas Keck. Nicht die Zahl der erteilten Baugenehmigungen sei entscheidend, sondern wie viele Wohnungen fertig gestellt wurden. Und hier befürchtet Keck, im Hauptberuf Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Reutlingen-Tübingen, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen rückläufig sei.

Fehlende Zahlen

Allerdings liegen keine verlässlichen Zahlen hierüber vor, weil niemand dem Baurechtsamt melden muss, wenn er seine Wohnung fertig gestellt hat. „Wir müssen bauen, bauen, bauen“, lautete daher Kecks Appell an die Stadt. Die fünf im April 2017 abgeschlossenen Bebauungspläne mit insgesamt 150 Wohneinheiten könnten nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sein, sagte der SPD-Stadtrat, der auch die GWG stärker einbinden möchte.

Der Rückgang der Baugenehmigungen auf 467 im vergangenen Jahr mache der CDU Sorgen, sagte Andreas vom Scheidt. Handle es sich um einen Einmal-Effekt oder gebe es andere Ursachen“, fragte der CDU-Stadtrat, der sich auch dafür aussprach, die Bevorzugung von Baugemeinschaften zu überprüfen.

Aus Sicht von Georg Leitenberger nimmt der „Tanker Wohnungsbau langsam an Fahrt auf“. Die Stadt sei auf dem richtigen Weg, jetzt gelte es, Geduld zu zeigen und die GWG stärker in die Pflicht zu nehmen, sagte der FWV-Stadtrat. Sein Fraktionskollege Jürgen Fuchs forderte vom Gemeinderat „Standhaftigkeit“ und „Mut“ bei Beschwerden von Anwohnern ein.

Auch Gabriele Janz, Fraktionssprecherin der Grünen, sieht die GWG in „deutlicher Bringschuld“. Wie Keck plädierte sie dafür, dass der Gemeinderat anstelle des Aufsichtsrates mehr Einfluss auf die GWG nehmen müsse. Janz wandte sich gegen Einschränkungen für Baugemeinschaften, beim Thema Erbbaurecht sah sie noch „Spielraum nach oben“.

Reutlingen sei zwar auf dem richtigen Weg, aber derzeit herrsche ein eklatanter Mangel an Wohnungen. Deshalb müsse Druck gemacht werden, konstatierte Hagen Kluck. „Der Gemeinderat hat in Sachen Wohnungsbau gegackert, aber noch kein Ei gelegt“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende.

„In der Wohnungspolitik sind wir in Reutlingen wirklich gut aufgestellt“, bilanzierte Kreher. Ohne die GWG, die viele Bauvorhaben in der Pipeline habe, stünde die Stadt nicht da, „wo wir heute stehen“. Derzeit befänden sich 20 Bebauungspläne für rund 2600 Wohneinheiten im Verfahren.

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