Reutlingen.  Täter nach sieben Minuten gefasst

Reutlingen.  / RALPH BAUSINGER 25.07.2016
Keine 48 Stunden nach den dramatischen Ereignissen von München hat gestern kurz vor 16.30 Uhr ein 21-jähriger Asylbewerber  eine Frau getötet.

Es war  kein Amoklauf, sondern eine brutale Gewalttat. Der erste Notruf war um 16.27 Uhr beim Polizeipräsidium Reutlingen eingegangen. Im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhof sei ein Mann in Streit mit einer Frau geraten und habe diese mit einer Machete verletzt. Mehrere Notrufe folgten.

In einem Nebendurchgang zum Federnseeplatz hatte der 21-Jährige die Frau mit der 30 bis 40 Zentimeter langen Machete die laut Bild schwangere Frau tödlich verletzt. Danach rannte er auf der Karlstraße in Richtung Kaufhof. Unvermittelt schlug er vor  dem Restaurant Mangal auf einen Mann ein und verletzte  diesen leicht. Danach schlug er bei einem Citroen eine Scheibe ein, dessen Fahrerin wurde leicht verletzt. Kurz drauf wurde der 21-Jährige von einem BMW angefahren, dessen Fahrer auf der Karlstraße gewendet und den Flüchtenden bewußt angefahren haben soll, so die Polizei. Um  16.34 Uhr überwältigte ihn die Polizei, die sofort mit starken Kräften ausgerückt war, in der Karlstraße auf der Bahnhofsseite. „Sieben Minuten – schneller geht ein Zugriff wirklich nicht. Wir benötigten kein MEK“, sagte Polizeihauptkommissar Christian Wörner.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien. Er ist polizeibekannt – wegen Körperverletzung und anderer Delikten.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. „Eine Gefahr für die Bevölkerung in und um Reutlingen besteht nach derzeitigem Stand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.“ Erkenntnisse für einen terroristischen Anschlag liegen der Polizei nicht vor. Zum Motiv und weiteren Hintergründen der Tat äußerte sich die Polizei bislang noch nicht.

Die Polizei prüft nach eigenen Angaben vom Abend, ob der Täter eine Beziehung zu der Getöteten hatte. Man untersuche die Möglichkeit einer Beziehungstat, sagte ein Polizeisprecher. Über Notrufe sei zuerst gemeldet worden, dass ein Mann und eine Frau in Streit geraten seien. Der Sprecher sagte weiter, der 21-Jährige habe die Machete dann weggeworfen. Der festgenommene Verdächtige werde rasch vernommen. Sein Motiv sei nun „Gegenstand der Ermittlungen“. Leicht verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht.

Die Polizei hat die Zeugenvernehmungszentrale vor der Stadthalle eingerichtet. „Der Täter konnte Gott sei Dank gleich festgenommen werden, sodass von ihm keine weitere Gefahr ausgeht“, erklärte Innenminister Thomas Strobl. Er stehe mit den Ermittlungsbehörden in Reutlingen in Kontakt und lasse sich über die weiteren Ermittlungen auf dem Laufenden halten: „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der getöteten Frau und bei den Verletzten.“

Die Stadt hat einen Führungsstab eingerichtet. Helfer eines so genannten Kriseninterventionsteams seien vor Ort im Einsatz, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Sie stünden für Gespräche und Hilfen bereit und kümmerten sich auch um Augenzeugen der Bluttat. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch zeigte sich über den Vorfall „sehr  bestürzt“ und lobte das schnelle Eingreifen von Polizei und Feuerwehr.  Die Innenstadt war gestern für den Autoverkehr gesperrt.  In der Karlstraße,  am Ende der Fußgängerzone und am ZOB hatten sich Passanten versammelt und verfolgten das Geschehen.