Selbst der 42 Jahre alte Motorsegler „Lima-Alpha“ wurde von der starken Thermik bis zu drei Meter pro Sekunde nach oben „getragen“ – im Leerlauf. Und da frohlockten am Samstag auch die Teilnehmer des Übersberg-Wettbewerbs: Ein nicht allzu oft vorkommendes „Hammerwetter“, wie die Piloten es nennen, sorgte für mächtig Auftrieb.

Sie kamen aus Regensburg, aus Landau und auch aus Braunschweig: 36 Piloten waren mit ihrem Fluggerät auf den Übersberg gekommen, um  eine Woche jede Menge Aufgaben in der Luft zu lösen. Die rund 1,5 Kilometer lange Wiese, gelegen in 780 Metern Höhe ist breit genug für zwei Startplätze nebeneinander. Von dort aus werden die Segelflugzeuge von einer 400 PS starken Schleppwinde beschleunigt – übrigens schneller als manch ein Porsche das kann, um dann in rund 500 Metern Höhe das Seil „auszuklinken“.

Dann liegt es am fliegerischen Können, aber auch an der Thermik, warmen Aufwinden, um Geschwindigkeit aufzubauen und sich weiter nach oben zu bewegen. Das klappte nicht die ganze Woche über, denn wenn es regnet, dürfen Segelflugzeuge erst gar nicht an den Start. Die Tropfen auf der Tragflächen würden den Auftrieb negativ beeinflussen. Der nordwestliche Rand des Geländes war eine Woche lang wieder ein Campingplatz für die Teilnehmer, von denen auch welche ihre Familie dabei hatten. Rund 100 Helfer sorgten für den reibungslosen Ablauf, sportlich, wie auch was die Verpflegung im Fliegerheim angeht.

Seit 1989 wechselt der Übersberg-Wettbewerb im zweijährigen Turnus mit dem Farrenberg.  Ausrichter ist die Flugsportvereinigung Übersberg, die sich aus dem Luftsportverein Reutlingen, der Akaflieg Tübingen, der Fliegergruppe Pliezhausen und der Flugsportgruppe Heinkel zusammensetzt. Die Veranstaltung leitete Philipp Nierkamp, für die Wettervorhersage sorgte jeden Morgen um 10 Uhr der Meteorologe Jochen Franz. Die sportliche Leitung hatte Felix Blendinger. Und der wertete jeden Abend am Computer auch die Ergebnisse aus. Jedes Fluggerät verfügt über ein elektronisches Logbuch, das jede Bewegung in der Luft garantiert und „protokollsicher“ aufzeichnet.

Am Samstag vergangener Woche ging es am ersten Wertungstag beispielsweise zunächst 170 Kilometer bis übers  bayerische Beilngries – und zurück. Vorgestern dann mussten bei besagter Super-Thermik auf einem vorgegebenen „Rundkurs“ sogar 580 Kilometer geschafft werden.

„Das finde ich echt toll, dass Ihr auch uns immer wieder in der ‚SB 10’ habt mitfliegen lassen“, bedankte sich der Pilot Martin Leiensetter für die Übersberger Vereine und die anderen Teams. Gemeint war Michael Brüggemann, der zusammen mit Freunden das Fluggerät der Superlative von Braunschweig zum Übersberg transportiert hatte.

Diese Legende des Luftsports, die als Prototyp auch Weltrekorde aufstellt, hat 29 Meter Spannweite. Zum Vergleich: Der Boeing 737-Jet, gewissermaßen der VW-Golf der Passagierflugzeuge, bringt es auf nur fünf Meter mehr. Und die 45 Jahre alte SB 10 ist jung, technisch up to date – und schnell geblieben: Sie gewann den dritten Wertungstag.